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Architektur-Biennale: Lernen von Lagos

Venedig Architektur-Biennale: Lernen von Lagos

Holz, Plastikfässer, vier Mann, zehn Tage: fertig ist das schwimmende Haus. Ein Architekt aus Nigeria ist mit einem Gebäude, das zuerst in Lagos verwirklicht wurde, der Star der Biennale in Venedig.

Venedig. Welche Architekten braucht die Welt? Keine, die Luxusbauten, Bankentürme oder Museen in Metropolen bauen, so die Hauptaussage der Architektur-Biennale in Venedig. Sondern solche wie Kunlé Adeyemi, genannt Nlè. Er nimmt einen Silbernen Löwen mit nach Hause als „vielversprechendster junger Teilnehmer“.

Bei keinem Sieger wurde während der Preisverleihung am Samstag in Venedig so gejubelt wie bei ihm.

Der Nigerianer hat ein schwimmendes dreieckiges Holzhaus mit nach Venedig gebracht, das er zuerst in einem Slum-Viertel von Lagos, der größten Stadt Nigerias, verwirklicht und jetzt in einem Wasserbassin auf dem Arsenale-Gelände nachgebaut hat. Die Bauanleitung hat er innen an die Wand geklebt. Man nehme: vier Leute, zehn Tage, 15 Tonnen Holz und 256 Plastikfässer - fertig ist das Schulgebäude mit 220 Quadratmetern.

Auch keiner der anderen Preisträger der 15. Biennale, die noch bis 27. November stattfindet, ist im Hochpreissegment tätig oder hat einen prominenten Namen. 

Der Goldene Löwe für den besten Teilnehmer der internationalen Sammelausstellung ging an ein Architektenbüro aus Paraguay. Gabinete de Arquitectura heißt die Gruppe um Solano Benitez. Ihr Ziel: den gewaltigen Zuzug in die Großstädte aufhalten. Ihre Idee: Häuser bauen auf dem Land. Ihr Weg: das nutzen, was massenhaft billig verfügbar ist. In Paraguay sind das Ziegel und menschliche Arbeitskraft. 

Aber wie bringt man ungelernte Arbeiter dazu, richtig zu mauern? In Venedig darf Benitez seinen Kollegen aus der Welt des Meisterzwangs zeigen, wie das geht. Die als Anschauungsbeispiel mitgebrachte Riesenkuppel sieht zumindest sehr stabil aus.

Dass Spanien mit dem Goldenen Löwen für den besten Pavillon ausgezeichnet wurde, passt nur auf den ersten Blick nicht ins Bild. Denn bei der Länderausstellung „Unfinished“ geht es um die Wirtschaftskrise und die Folgen. Im Eingangsraum zeigen Fotos unvollendete Neubauten, abgebrochene Renovierungen, versandete Prestigeprojekte. In den Nebenräumen sieht man dann, was man alles Schönes daraus machen kann: luftige Kulturzentren, spektakuläre Lofts oder auch nur ein provisorisches Dach für Arme.

„Wir sehen Bauruinen als Chance“, sagen die Kuratoren des spanischen Pavillons. „Eine prägnant kuratierte Auswahl aufstrebender Architekten, deren Arbeit zeigt, wie Kreativität und Engagement Material-Zwänge überwinden können“, findet die Jury.

Japan stellt junge Architekten vor, die der Enge in ihrem Land „mit der Poesie des Kompakten“ beikommen, wie die Jury befand. Peru zeigt, wie mit Hilfe des „Plan Selva“ hunderte Schulen in abgelegenen Gegenden im Amazonas-Dschungel gebaut werden konnten. 

Der chilenische Architekt Alejandro Aravena hat die internationale Ausstellung zusammengestellt. Für „Reporting from the Front“ hat er 88 Projekte aus 37 Ländern ausgewählt - nachahmenswerte Ideen, wie Architektur und Stadtplanung die Lebensqualität der Menschen gerade in armen Ländern verbessern können. 

„Die Aufgabe der Architektur ist es, den Orten, an denen wir leben, eine Form zu geben“, sagte Aravena der Deutschen Presse-Agentur. „Gier und Ungeduld, Ehrgeiz und Konservatismus tendieren dazu, eine banale, mittelmäßige und langweilige bauliche Umgebung zu produzieren. Es müssen viele Kämpfe gewonnen werden, um deren Qualität zu verbessern - und somit auch die Lebensqualität der Menschen.“ 

Insgesamt beteiligen sich mehr als 60 Nationen an der Ausstellung, die alle zwei Jahre im Wechsel mit der Kunst-Biennale stattfindet. Hauptschauplätze sind die Gärten Venedigs mit ihren historischen Pavillons und das ehemalige Werftgelände. Wer alles sehen will, braucht Tage. Die Goldenen und Silbernen Löwen helfen bei der Auswahl - und zeigen in welche Richtung die Reise gehen sollte. 

dpa

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