Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Rest der Welt Auf der Intensivstation: „Tristan“ in Baden-Baden
Nachrichten Kultur Kultur im Rest der Welt Auf der Intensivstation: „Tristan“ in Baden-Baden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:30 21.03.2016
Anzeige
Baden-Baden

Die Erwartungen waren hochgeschraubt: Zum Auftakt der Osterfestspiele 2016 gab es im Festspielhaus Baden-Baden eine Neuinszenierung von Richard Wagners „Tristan und Isolde“.

Die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle und international hoch gehandelte Solisten garantierten für die herausragende musikalische Qualität der Aufführung. Zu stemmen war ein solcher künstlerischer und finanzieller Kraftakt nur durch die Kooperation mit der Metropolitan Opera New York, der Polnischen Nationaloper Warschau und dem China National Centre for the Performing Arts Peking.

Wagners „Tristan“ ist für Opernregisseure eine ständige Herausforderung. Die wesentlichen Elemente der Handlung werden nicht gezeigt, sondern erzählt. Wagner wollte mit der Geschichte von Liebessehnsucht und Liebestod musikdramatische Ekstase komponieren. Der Dichter und Operntexter Hugo von Hofmannsthal machte sich denn auch über das „Aufeinanderlosbrüllen zweier Geschöpfe in Liebesbrunst“ lustig. Das Regieteam um den polnischen Regisseur Mariusz Trelinski verlegt die Handlung auf ein modernes Kriegsschiff. Tristan ist ein Marineoffizier, der vom Konflikt zwischen Liebessehnsucht und Pflichtbewusstsein zerrissen wird.

Bühnenbildner Boris Kudlicka überschüttet das Publikum mit gigantischen Video-Projektionen (Bartek Macias) und beeindruckenden Lichteffekten (Marc Heinz). Die Personenführung von Regisseur Mariusz Trelinski versagt aber an entscheidenden Punkten: Die große Liebesszene zwischen Tristan und Isolde im zweiten Akt gerät zum statischen „Rampensingen“. Die erotische Ekstase kommt aus dem Orchestergraben. Und der Liebestod findet auf einem modernen Krankenbett inklusive „Tropf“ statt: Tristan auf der Intensivstation.

Musikalische blieben hingegen kaum Wünsche offen. Wenn die Berliner Philharmoniker vom Konzertpodium in den Orchestergraben eines Opernhauses wechseln, ist das immer ein künstlerisches Ereignis. Und Sir Simon „zaubert“! Sein „Tristan“ klingt ganz schlank, durchsichtig, fast wie französischer Impressionismus. Rattle liebt die dunklen Farben: Bassklarinette und Englisch Horn kommen wunderbar zur Geltung, und die legendäre Cellogruppe der Philharmoniker darf in satten Kantilenen schwelgen.

Eva-Maria Westbroek ist eine überzeugende Isolde mit ebenso sicherer wie warm klingender Höhe. Stuart Skelton bewältigt in seinem ersten Bühnentristan die Marathonpartie mit beeindruckender Kondition. Auch die anderen Solisten und der Philharmonia Chor Wien (Leitung: Walter Zeh) halten das hohe Niveau. Am Schluss: einhelliger Jubel durchsetzt mit leichten Buhs für das Inszenierungsteam.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Leipziger Buchmesse 2016 geht heute zu Ende. Am letzten Messetag stehen noch einmal zahlreiche Lesungen und Autorengespräche auf dem Programm, unter anderem ...

20.03.2016

Karat, City und die Puhdys haben ost- und gesamtdeutsche Musikgeschichte geschrieben. Seit Freitag touren die 15 Musiker noch einmal als „Rock Legenden“ durch Deutschland. Es ist ihre letzte gemeinsame Tournee - sagen sie jedenfalls.

21.03.2016

Der US-Kultfilm „Taxi Driver“ wird 40 Jahre alt - das bringt Regisseur Martin Scorsese und die Hauptdarsteller Robert De Niro, Jodi Foster und Cybill Shepherd wieder zusammen.

20.03.2016
Anzeige