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Kultur im Rest der Welt Aus alt wird neu: Deutsche Kindermode aus New York
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11:21 30.12.2012
Simone Leonhardt (r) und Heike Jaroschowitz schneidern aus gebrauchten Sachen Kleidung für Kinder. Foto: Christina Horsten
New York

Die Idee entstand im Sandkasten. „Ich erinnere mich noch gut - meine Tochter Mona hatte etwas selbst gemachtes an“, sagt Heike Jaroschowitz. „Richtig, genau. Und ich achte ja immer sehr auf sowas“, fällt ihr Simone Leonhardt lachend ins Wort. Über eine Mütter-Seite im Internet hatten sich die beiden Frauen kurz zuvor kennengelernt. Beide stammen aus Baden-Württemberg, beide leben als junge Mütter in New York und beide interessieren sich für Kindermode. Aber nicht für rosafarbene Hemdchen mit Blümchen, Bienchen und Teddys drauf, die es an jeder Ecke zu kaufen gibt. Sondern für schlichte, zeitlos schöne Kleidungsstücke von hoher Qualität - und so etwas sei gar nicht so leicht zu finden.

„Ich wollte diese rosa Bärchen einfach nicht“, sagt die gebürtige Offenburgerin Jaroschowitz. „Deswegen habe ich meistens im Second-Hand-Laden gekauft, oder selbst genäht.“ Kurz vor der Geburt der Tochter sei zudem ein großes Paket in ihrer Wohnung im Süden Manhattans angekommen. „Darin waren die Sachen, die ich selbst als Kind getragen hatte. 40 Jahre und älter, aber die Qualität, die Stoffe und die Muster sind unglaublich schön. Außerdem ist das alles schon ganz oft gewaschen, so dass man es ohne Bedenken seinem Kind anziehen kann. Die neuen Sachen von der Stange sind voller Chemikalien.“

Bei einem Kaffee entwickelten die beiden dann 2010 ein Firmenkonzept. Die Idee: Aus aussortierten, qualitätvollen Lieblingsklamotten der Eltern werden individuell entworfene Einzelstücke für die Kinder. Die Zielgruppe: Modebewusste Mütter und Väter mit Kindern im Alter zwischen null und vier. Der Name: „Kindred Cloth“. Über Mund-zu-Mund-Propaganda und die Webseite verbreitete sich die Idee und erste Bestellungen für die um die 120 Dollar (etwa 90 Euro) teuren Kleidchen, Strampler, Hosen und T-Shirts trafen ein. Mindestens einen Tag dauert es, bis so ein Einzelstück mit eigenem neuen Schnittmuster fertig ist.

„Bisher sind unsere Kunden hauptsächlich in den USA, aber auch aus Europa haben wir schon Bestellungen bekommen“, sagt Leonhardt, die zuvor jahrelang für verschiedene Modehäuser gearbeitet und in Reutlingen studiert hat. Umsatzzahlen wollen die beiden Frauen nicht veröffentlichen, nur soviel: Noch arbeiten sie von zu Hause aus, haben eine Schneiderin angestellt und können von ihrer kleinen Firma nicht leben. „Aber vielleicht bald“, sagt Leonhardt.

Denn gerade in ihrer Wahlheimat New York kommt das Konzept besonders gut an. „Hier haben eben viele Menschen Geld und ziehen sich gern edel an: Maßgeschneiderte Hemden mit Monogrammen oder Ähnliches sind hier keine Seltenheit und so etwas schmeißt man ja nicht weg - das gibt man gern als Familientradition weiter. Und man hat dann ein Einzelstück, kein anderes Kind auf der Party hat dasselbe an.“

Auch generell geht in den USA der Trend zu einem höheren Qualitätsbewusstsein, sagt Kathy Grannis, die Sprecherin des amerikanischen Einzelhandelsverbandes. „Auch Menschen, die vielleicht nicht so viel Geld haben, geben trotzdem wieder häufiger mehr für ein Einzelstück von hoher Qualität aus, weil sie da wissen, dass es lange hält. Das beobachten wir sehr stark.“

Ihre deutsche Herkunft sei zudem verkaufsfördernd, sagen die beiden Manhattan-Mütter. „Die Amerikaner nennen unsere Stücke dann "European Style" und verbinden es sofort mit Qualität.“ Für die Zukunft können sie sich auch eigene Kollektionen vorstellen, mit Kaschmir zum Beispiel oder mit von Künstlern entworfenen Stoffen. Aber erstmal müssen nun die Bestellungen abgearbeitet werden - und dann sind da ja auch noch die eigenen Kinder.

„Meine Tochter Mona hatte zum Beispiel letztens auf einer Familienfeier in Deutschland eine kleine selbst gemachte Tasche dabei“, erzählt Jaroschowitz. „Und da hat meine Tante sofort erkannt, das die aus einem alten Stoff von meiner Mutter ist.“

dpa

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