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Kultur im Rest der Welt „Komplette Abschaffung wäre konsequenter“
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19:54 25.04.2018
Die Echo-Trophäe, aufgenommen bei der Verleihung des Musikpreises. Quelle: dpa

 

Komplette Abschaffung wäre konsequenter

Die angekündigte Reform wirkt wie ein Verzweiflungsakt des Bundesverbands Musikindustrie. Konsequenter wäre die komplette Abschaffung des Echos gewesen. Denn eine Institution, die sich vor allem für wirtschaftliche Interessen einsetzt, ist kein geeigneter Juror.

Bezeichnenderweise nahm am Mittwoch die Meldung über die „Musikindustrie 2017 in Zahlen“ auf der Website des Verbandes ungefähr dreimal so viel Platz ein wie die Meldung zur Musikpreis-Reform. Das Faible für Zahlen gehört bei einem Verband, der das Wort Industrie im Namen trägt, zum Kerngeschäft. So ist es nicht verwunderlich, dass er sich bei der Preisvergabe bislang einzig an den Charts orientierte. Diese Praxis jetzt umzustellen, ist genauso halbherzig wie einst die Entscheidung, einen Ethikbeirat als Feigenblatt einzuführen.

Dass der Verband laut Pressemitteilung nun an einer „gesellschaftlich notwendigen Debatte über Kunstfreiheit“ mitwirken will, ist in etwa so lächerlich wie die Ankündigung der Plattenfirma BMG, eine Kampagne gegen Antisemitismus zu starten. Ohne den massiven öffentlichen Druck hätte sich die Bertelsmann-Tochter wohl genauso wenig wie der Musikverband von dem Rap-Duo distanziert. Im Dezember frohlockte BMG noch: „Mit Kollegah und Farid Bang sind wir jetzt die Nummer eins in Deutschland.“

Die Echo-Affäre hat der Gesellschaft jedoch einen großen Nutzen erwiesen – weil sie eine Debatte über Antisemitismus in Deutschland entfacht hat. Denn Judenfeindlichkeit ist hierzulande nicht nur in stumpfen Rap-Texten wieder salonfähig geworden. Der Zentralrat der Juden warnt davor, auf der Straße Kippa zu tragen. Um gegen diese erschütternde Entwicklung anzugehen, braucht es weit mehr als das Reförmchen eines Musikpreises.

Von RND

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