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Ausstellung in Essen: 60 Jahre Pop-Musik im Ruhrgebiet

Essen Ausstellung in Essen: 60 Jahre Pop-Musik im Ruhrgebiet

Dass ein Ballungsraum mit Millionen Einwohnern eine beachtliche Musikszene haben muss, liegt auf der Hand. Das Ruhr Museum in Essen hat sich jetzt für eine Ausstellung die Popularmusik vorgenommen. Die Schau „Rock und Pop im Pott“ blickt auf 60 Jahre Musikgeschichte.

Essen. Als der Rock'n'Roll-Film „Rock Around The Clock“ mit Bill Haley im November 1956 zum ersten Mal in Dortmund lief, war die Jugend gleich an drei Tagen völlig aus dem Häuschen.

Im Kinosaal ließen Zuschauer passend zum Filmtitel Wecker klingeln oder ließen Knallkörper los. Auf der Straße wurden Weihnachtsbäume aus der Straßendeko aufgeschichtet und angezündet. Immer wieder wurde „Rock'n'Roll“ skandiert. Mädchen sprangen auf Motorhauben. „Als Dortmunder Jugendkrawalle ging das in die Geschichte ein“, sagt Heinrich Theodor Grütter. Er ist Direktor des Ruhr Museums in Essen. Von diesem Donnerstag an zeigt sein Haus eine neue Ausstellung zum Thema „Rock und Pop im Pott“. Das Jahr 1956 ist der Ausgangspunkt der sehenswerten Schau, die bis Ende Februar 2017 gezeigt wird.

Nena kommt aus Hagen, na klar. Extrabreit auch, das weiß man. Aber dass Stoppok in Essen aufwuchs oder Sasha von Dortmund aus Karriere machte? Und dass DJ Deniz Koyu in Essen lebt? Spätestens beim Betreten des „Soundraums“ wird deutlich, dass viel mehr Künstler etwas mit dem Ruhrgebiet zu tun haben, als man ahnt. So wurde etwa „I'm A Scatman“ von Scatman John in Bottrop produziert. In einem „Soundraum“ spielt eine 15-Minuten-Musikcollage knapp 30 Titel von Ruhrgebietskünstlern an. Natürlich ist Grönemeyer dabei, aber auch Geier Sturzflug, Tic Tac Toe, Kreator oder Philip Boa. Zur Musik passend gibt es eine Videoinstallation. Gut eingestimmt geht es in die Ausstellung.

Ein bisschen Zeit braucht man schon für die knapp 1000 Quadratmeter auf einer Ebene der ehemaligen Kohlenwäsche auf dem Weltkulturerbe-Areal Zeche Zollverein. In schon fortgeschrittenem Alter kann sich der Besucher an seine eigenen Rolling Stones-, Beatles- oder Rockpalast-Erfahrungen erinnern. Ach ja, die Rockpalast-Nächte. Von 1977 bis 1986 gab es 17 dieser mehrstündigen Konzerte - live aus der Essener Grugahalle. Sie wurden in mehrere Länder wie etwa Irland, Norwegen und Schweden übertragen. Megastars wie Rory Gallagher, The Who oder The Kinks traten auf. Längst Geschichte.

Zurück zu den Anfängen. Wie kam 1956 die Musik zu der Jugend - ohne Smartphone? Schallplatten waren meist zu teuer, wenn man denn überhaupt einen Spieler hatte. Selbst im Radio war Rock nur mit Mühe zu empfangen. Eine Alternative bot die Kirmes, wie etwa „Steigers Raupenbahn“. Die zumeist jungen Fahrgäste konnten sich dort ihre Musik wünschen. „Aus der Raupe wurde so etwas wie Deutschlands erste Diskothek, die Einheizer am Plattenspieler wurden zu ersten Discjockeys“, verrät die Ausstellung. Sie zeigt einen Wagen des weit verbreiteten Fahrgeschäfts. Wunschmusik war auch an der Musikbox möglich. Von 1956 bis 1960 soll sich die Zahl der Jukeboxen in Deutschland auf 50 000 verzehnfacht haben.

Musik als Ausdruck von Rebellion: Eine ganze Abteilung ist diesem Thema gewidmet. Die Essener Songtage 1968 kommen zur Sprache, das Festival „AufRuhr“ im Februar 1988 ebenso - es war ein Solidaritätskonzert für die Arbeiter des Krupp-Stahlwerks in Duisburg-Rheinhausen. Deutsch-Rock, Punk, Heavy Metal: „Axxis, Kreator, Sodom, Rage oder Randalica sind internationale Stars der Szene und spielen vor Zehntausenden von Metal-Fans nicht nur im Ruhrgebiet“, schreibt das Ruhr Museum.

Hunderte von Exponaten machen Geschichte und Gegenwart lebendig: Musikinstrumente, Verstärker, Schuhmode und Konzertoutfits, Eintrittskarten und Plakate. In einem Kellerraum kann man tanzen. An zahlreichen Stationen sind Filmausschnitte und Interviews zu sehen.

Die Ausstellung verfolgt auch einen enzyklopädischen Ansatz: Grütter hat alle den Ausstellungsmachern bislang unbekannt gebliebenen Bands und Musiker des Ruhrgebiets dazu aufgerufen, der Schau einen Tonträger zur Verfügung zu stellen. Rund 800 hat man schon. Doch er will noch mehr: „Wir wollen versuchen, alle Gruppen zu erwischen.“

dpa

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