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Kultur im Rest der Welt Autor Abdel-Samad: Islamkritik trotz Fatwa
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09:16 03.07.2013
Hamed Abdel-Samad lässt sich nicht einschüchtern. Foto: Inga Kjer
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München

Personenschutz, wechselnde Wohnorte - das ganze Programm.

Bei seinem ersten öffentlichen Vortrag nach seinem Abtauchen steht der Islamkritiker aber entspannt im violetten T-Shirt vor dem Münchner Publikum, seine Jacke hat er auf einen Stuhl auf der Bühne geknüllt.

Der deutsch-ägyptische Politologe hatte bei einem Vortrag in Kairo vor einem Monat über „religiösen Faschismus“ gesprochen. Glaubensführer belegten ihn mit der sogenannten Fatwa und riefen zu seiner Ermordung auf. Doch der Autor („Der Untergang der islamischen Welt“ und „Krieg oder Frieden: Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens“) wiederholt seine Kritik. Zwei Stunden spricht der 41-Jährige in München über Ägypten und beantwortet Fragen - in einem Gemeindesaal vor etwa 200 Menschen, zugunsten einer Interkulturellen Stiftung, die sich für Migranten engagiert.

Während in seiner Heimat Hunderttausende auf dem Tahrir-Platz in Kairo gegen Präsident Mohammed Mursi und die ultrakonservativen Muslimbrüder protestieren, kämpft der Politologe mit Worten. „Entgegen den meisten Meinungen bin ich optimistisch für Ägypten.“ Rund 14 Millionen Menschen seien dort friedlich auf die Straßen gegangen. „Ich sehe, dass viele junge Frauen und Männer zum zweiten Mal in zwei Jahren millionenfach auf die Straße gehen, um für Demokratie zu demonstrieren. Das macht mir Hoffnung.“

Dann skizziert er, wie Ägypten aus seiner Sicht zur Demokratie kommen könnte: Es müsse die Scharia aufgeben, eine Expertenregierung einberufen, Wirtschaft und Tourismus wieder in Gang bringen - und dann neu wählen lassen. Die Muslimbrüder dürften vom politischen Prozess nicht ausgeschlossen werden - sonst würden sie radikalisiert.

Vor der Tür steht ein Polizeiwagen, nächst dem Rednerpult sitzt ein Mann vom bayerischen Landeskriminalamt. „Ich werde mich nicht verstecken“, hatte Abdel-Samad vor der Vortragstour wissen lassen. Über sein eigenes Schicksal spricht er nicht - obwohl es für ihn und seine Familie extrem belastend sein muss. Eine Fatwa nach angeblicher Beleidigung des Propheten sei praktisch nicht rückgängig zu machen, sagt Abdel-Samad am Rande. „So sieht es das islamische Gesetz vor.“ Der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie wurde 1989 wegen seines Werkes „Die satanischen Verse“ mit der Fatwa belegt und lebte jahrelang im Untergrund.

„Mein Ziel ist und war niemals, die Religion zu diffamieren, sondern die diktatorischen und faschistischen Elemente, die sich verankert haben in der Religion, zu thematisieren“, sagt Hamed Abdel-Samad. Die Morddrohungen hätten faschistoide Züge nur bestätigt. „Tötet ihn, weil er so denkt“, zitiert er das Verhalten seiner Gegner. Er arbeitet schon an seinem nächsten Buch - über den islamischen Faschismus.

dpa

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