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Kultur im Rest der Welt Banksy - das berühmte Phantom in der Graffiti-Szene
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11:22 05.07.2017
Ein Wandbild des britischen Street-Art-Künstlers Banksy in einem Hotel in Bethlehem. Quelle: Dusan Vranic
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London

Er ist weltberühmt, aber niemand kennt seinen richtigen Namen oder hat ihn je wirklich gesehen. Die Identität des britischen Graffiti-Künstlers Banksy ist ein Geheimnis. Und das seit über 25 Jahren, als er in seiner Heimatstadt Bristol begann, Wände und Züge zu besprühen.

Seitdem führt er seinen künstlerischen Guerilla-Kampf gegen Autoritäten überall auf der Welt. Banksy ist bekannt für seine ausdrucksstarken, meist kontroversen und gesellschaftskritischen Motive. Krieg, Faschismus oder das übermäßige Konsumverhalten der Gesellschaft geben ihm seit Jahrzehnten genug Stoff für seine Arbeit.

„Shop till you Drop“ (zu Deutsch: Einkaufen bis zum Umfallen), mit der fallenden Frau und dem Einkaufswagen, ist eines der wenigen Graffiti, die in London von Banksy noch zu sehen sind. Dazu schrieb er in einem seiner Bücher: „Wir können die Welt nicht verändern, bis der Kapitalismus zerbröckelt. In der Zwischenzeit sollten wir alle einkaufen gehen, um uns selbst zu trösten.“

Seit Banksy Ende der 1990er Jahre nach London kam, hat er an vielen Orten in der Hauptstadt seine farbigen Kunstwerke hinterlassen. Mit der Zeit wurden aber viele Motive übermalt oder entfernt.

Denn das Graffitisprühen ist in Großbritannien illegal. „Es kann mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden“, sagt Josh. Er ist Künstler und gibt Street-Art-Touren durch das Londoner East End - das Street-Art-Paradies der britischen Hauptstadt. Jugendlichen drohe bis zu zwei Jahren Gefängnis. „Deswegen ist die Devise für Banksy und die Street-Art-Szene im Allgemeinen: Sei so schnell wie möglich. Je länger du für ein Motiv braucht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden“, sagt Josh.

Weil Banksy in jungen Jahren beim Sprayen fast von der Polizei erwischt wurde, wie er einmal angeblich in einem Interview sagte, ist er auf Schablonen umgestiegen, mit denen er noch heute arbeitet. „Die kann er in Ruhe vorbereiten und später in kürzester Zeit detailreiche Graffiti sprühen, ohne ein Risiko einzugehen“, erklärt Josh.

Viele wüssten gern, wer der anonyme Künstler ist. Erst vor wenigen Tagen verplapperte sich ein britischer DJ bei einem Interview und nannte - angeblich - den Vornamen des Künstlers: Robert. Damit nahmen wieder Spekulationen über seine Identität an Fahrt auf.

Es gibt etliche Theorien: Viele glauben, dass Banksy ein 40-jähriger Mann aus Bristol ist. Er könnte aber auch in Wirklichkeit Robert Del Naja, Sänger der Band Massive Attack, sein. Oder handelt es sich um den Künstler Robert Gunningham? Möglicherweise steckt hinter Banksy ein Kollektiv aus sieben Leuten, das von einer Frau geleitet wird.

Das Thema soziale Gerechtigkeit und die Art der Darstellung verbinden viele Beobachter mit Frauen. Sie können sich besser in die Haut anderer hineinversetzten. Außerdem sind in vielen Motiven Kinder zu finden. Britische Journalisten haben in der Vergangenheit versucht, Banksys Identität zu lüften. Aber bisher ist es niemandem gelungen.

Ob Mann oder Frau: Dass ein neues Graffito ein „echter“ Banksy ist, das lässt sich mittlerweile nachprüfen. Ein extra eingerichtetes Zertifizierungsbüro mit dem Namen „Pest Control“ gibt Auskunft über die Echtheit eines neuen Motives. Es soll von Banksy selbst eingerichtet worden sein. „Damit niemandem einem Betrug aufsitzt“, wie es auf der Internetseite des Dienstes heißt.

Unbeeindruckt von den Spekulationen um seine Identität, macht Banksy weiter. Im März dieses Jahres eröffnete er das „Walled Off“-Hotel in Bethlehem. „Das Hotel mit dem schlimmsten Blick der Welt“, wie er sagt. Es steht in der Westbank und bietet einen direkten Blick auf die Mauer, die Israel und das Westjordanland trennt. Innen finden sich mehrere Graffiti des Künstlers.

Bei der ersten Ausstellung von Banksy-Werken in Deutschland in München 2016 sagte die Galeristin Sarah Kronsbein: „Banksy ist für uns der genialste Urban-Art-Künstler.“ Was er anzumerken habe, sei herrlich ironisch, raffiniert und oft scharfsinnig auf den Punkt gebracht.

dpa

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