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Berlinale – der rote Teppich glüht

Berlin Berlinale – der rote Teppich glüht

Kreischalarm und nasskalte Füße: In Berlin hat die 66. Berlinale mit Superstar George Clooney Eröffnung gefeiert - und die Fans kamen in Scharen.

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Brachte vor allem die weiblichen Fans um ihren Verstand - und hielt Ehefrau Amal fest im Arm: Hollywoodstar George Clooney

Quelle: dpa

Berlin. Zumindest Anke Engelke zeigte Mitgefühl. „In Berlin möchte man nicht mit Tausenden von Menschen vor einem Gebäude in einer Schlange stehen – und kommt dann einfach nicht rein“, sagte die Moderatorin, kaum hatte sie die Bühne im funkelnden Berlinale-Palast betreten. „Da draußen ist es heute richtig ungemütlich, nass und kalt.“ Bestimmt dachte Engelke dabei nicht allein an die vielen Zaungäste, die seit Stunden vor der Festivalstätte ausgeharrt hatten, um das Who is Who der Filmbranche aus nächster Nähe zu sehen. Ihr Satz galt vermutlich auch den zahlreichen Flüchtlingen, die seit Monaten vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) campieren. „Wir haben großes Glück, hier im Warmen zu sitzen“, bläute Engelke den 1600 geladenen Gästen im Saal denn auch kräftig ein – und erntete nicht zum letzten Mal während der schillernden Eröffnungsgala der diesjährigen Berlinale zustimmenden Applaus. 

Draußen nämlich, am Gatter, brauchte man viel Stehvermögen. Es gab Tropfen von oben und Rempler von der Seite. Es gab gefrorene Füße und Ohren betäubenden Lärm. Eine erste Soundprobe bot das Berliner Publikum bereits am Vormittag. Als Jurypräsidentin Meryl Streep für eine Pressekonferenz auf den Hintereingang des Grand Hyatt-Hotels zusteuerte, wurde es spontan laut nahe des Potsdamer Platzes. Sprechchöre erklangen, Zäune erzitterten. Ein Warmlaufen für den Abend, nicht nur auf Seiten der Fans. Autogramme, Selfies, Liebesbekundungen – Streep, die dreifache Oscarpreisträgerin, sollte auch später noch Extraschleifen über den roten Teppich drehen, bis alle Kreischwütigen halbwegs befriedigt waren. Sie selbst nannte es „ein großes Privileg“, erstmals der Festivaljury in einer so kinobegeisterten Stadt vorzustehen. 

66. Internationale Filmfestspiele in Berlin, die Eröffnungsgala und Filmpremiere «Hail, Caesar!».

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An Begeisterungsfähigkeit mangelte es den Berlinern trotz miesen Wetters in der Tat auch diesmal nicht. Gute vier Stunden vor Galabeginn nahmen sie vor dem Berlinale-Palast Aufstellung, die Kameras im Anschlag, die Collegeblöcke griffbereit, um auch ja keinen Star zu verpassen. Den Anfang der Rote-Teppich-Choreografie übernahm die deutsche Riege. Daniel Brühl, Anna Maria Mühe, Toni Garrn, Sebastian Koch. Reihenweise schlüpften sie aus den Limousinen, schauten sich verdutzt um oder begannen prompt mit dem Posieren. Mal nach rechts zu den Fotografen, mal nach links zu den Fans. Mal als Paar, mal in der Clique. Benno Führmann, Katja Riemann, Sibel Kekilli, Maria Furtwängler. Ein Klassentreffen der besonderen Art. Ein Spektakel für Außenstehende. Und die Prominenz war relativ.

„Wer war denn das?“, fragte etwa ein junger Kerl hinter dem Gitter seinen Kumpel. „Keine Ahnung. Guck ich später nach“, gab der zurück. Gut sah sie zumindest aus – die dunkelhaarige Schönheit in dem bezaubernden goldenen Kleid auf seinem Schnappschuss. Es war Martina Gedeck. Überhaupt die Garderoben: Die Frauen zeigten, was sie konnten, vor allem Rücken zum Entzücken. Und Rosa von Praunheim fiel auf, mit seinem rosa Hut. Kreischalarm der Stufe Rot lösten am Ende aber doch nur die Männer aus: Als Elyas M´Barek vorgefahren wurde, wähnte man in seinem Audi der Begrüßung nach zu urteilen kurz schon den Stargast der diesjährigen Berlinale: George Clooney. Der Hollywoodbeau aber ließ sich Zeit. Erst kurz vor Galabeginn um halb acht atmete die wartende Menge hörbar auf, als er sich mit Frau Amal in das Blitzlichtgewitter warf. Während die Anwältin, diesmal in einer raffinierten schwarzen Robe, schnell hinter die sicheren Mauern des Palastes flüchtete, spazierte Clooney eine Viertelstunde lang von Fan zu Fan. Das Festival-Motto „Ein Recht auf Glück“, es sollte eben auch für die da draußen gelten.

Von Sophie Hilgenstock

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