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Berliner Dirigenten-Karussell dreht sich

Neue Chefs Berliner Dirigenten-Karussell dreht sich

Stühlerücken in Berlins Orchesterrepublik: Neue Chefdirigenten, eine sanierte Staatsoper und ein Abschied auf Raten.

Dirigent Daniel Barenboim (m.) und die Staatskapelle Berlin 2017 bei einem Konzert in der Carnegie Hall in New York.

Quelle: Benjamin Petit

Berlin. Sechs Profi-Orchester, drei Opernhäuser und dann noch die Philharmonie: Berlin gilt als Zentrum der klassischen Musik in Europa. Das hat auch mit den Dirigenten zu tun, die an der Spitze der Ensembles stehen.

Mit der neuen Spielzeit dreht sich das Postenkarussell an mehreren Orchestern der Stadt, die Philharmoniker spielen mit einem Chef in Teilzeit und Daniel Barenboim kehrt in die frisch renovierte Staatsoper Unter den Linden zurück.

Seit Wochen lächelt Robin Ticciati von den Plakaten auf die Passanten. Der Brite tritt am 26. September als Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters (DSO) an. Ticciatis jugendliches Bild bringt Bewegung in die Musikszene der Hauptstadt. Nach dem russischen Chefdirigenten Tugan Sokhiev sucht das DSO mit dem 34-jährigen Ticciati einen Image-Wandel.

In einer Zeit, in der „Klickraten und allgemeine Verunsicherung“ die Gesellschaft beherrschten, wolle er mit Hilfe der Musik eine Idee von Gemeinschaft vermitteln, hat Ticciati angekündigt. Neben regulären Konzerten in der Philharmonie plant er Auftritte im Neuköllner Theater „Heimathafen“, in einem früheren Heizkraftwerk sowie in einem Einkaufszentrum.

Auch beim Rundfunk Sinfonieorchester Berlin (RSB) ist Bewegung auf dem Dirigentenpult. Mit dem Abschied von Marek Janowski ging in der vergangenen Saison eine Ära zu Ende. Janowski hat das Orchester zu neuen Höhen geführt, unter anderem mit der Einspielung der wichtigsten Wagner-Opern. Jetzt übernimmt Vladimir Jurowski den Stab. Gerade hat er in Salzburg mit einer düsteren Version von Alban Bergs „Wozzeck“ für Furore gesorgt.

„Auftakt Jurowski“ - so bereitet das RSB den Wechsel in seiner Werbekampagne vor. Der 45-Jährige gilt als einer der gefragtesten Dirigenten der neuen Generation. Schon seit Jugendzeiten hat der Russe seinen Lebensmittelpunkt in Berlin, sein Vater, der Dirigent Michail Jurowski, kam zu Sowjetzeiten in den Westen der Stadt. Sohn Vladimir bekam sein erstes Engagement 1996 an der Komischen Oper, ging dann nach Glyndebourne und wurde später als Nachfolger von Kurt Masur Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra.

Jurowski gilt als programmatisch anspruchsvoll, das soll auch bei seinem Antrittskonzert am 17. September zum Berliner Musikfest hörbar werden. Werke von Isang Yun, Arnold Schönberg und Luigi Nono wird er mit Beethovens 5. Sinfonie kombinieren, die in der Fassung mit den Orchesterretuschen von Gustav Mahler erklingt. Und er gilt auch als Kandidat für die Nachfolge von Kirill Petrenko (45) an der Bayerischen Staatsoper.

Denn Petrenko übernimmt 2019 die Berliner Philharmoniker. Das Orchester hatte ihn als Nachfolger von Simon Rattle gewählt. Mittlerweile wird er nahezu sehnsüchtig erwartet - spätestens seit er in der vergangenen Spielzeit mit Tschaikowskys „Pathétique“ einen Beifallssturm auslöste.

Rattle bereitet derweil seinen Abschied auf Raten vor. In diesen Wochen hat er die Leitung des London Symphony Orchestra (LSO) übernommen, in der neuen Spielzeit pendelt er zwischen Berlin und London. Dann sagt er nach 15 Jahren endgültig „Good Bye“, will aber weiter als Gast bei den Philharmonikern dirigieren.

Auch an den Opernhäusern ist Bewegung. Mit der Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden am 3. Oktober kommt Daniel Barenboims Ensemble in ein rundum erneuertes Haus. An der musikalischen Leitung ändert sich freilich nichts. Barenboims Vertrag läuft bis 2022. Das Orchester hat ihn ohnehin zum Chefdirigenten auf Lebenszeit gewählt - und darüber hinaus, wie der Maestro immer wieder zu spaßen pflegt.

dpa

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