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Kultur im Rest der Welt Brille? Viel, Mann!
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16:36 15.09.2018
Hans-Georg Maaßen und seine Brille: Störungen im peripheren Visusbereich dominieren sein Sichtfeld. Quelle: AP
Hannover

Herr Maaßen hat sich für eine ovale Nickelbrille mit goldfarbenem Gestell und verhornten Bügeln entschieden, deren auffälligstes Merkmal ihre erstaunliche Winzigkeit ist. Maaßen wirkt dadurch wie ein politisch indifferenter Apotheker aus der Weimarer Republik.

Der Durchmesser seiner Brillengläser ist kaum größer als der seiner Iris. Das hat Folgen. Störungen im peripheren Visusbereich dominieren sein Sichtfeld. Mit dieser Brille kann man nur herablassend auf die Welt blicken.

Wer eine solche Brille wählt, sieht nur noch Ränder. Linke Ränder, rechte Ränder. Der gesamte Mittelbereich dagegen wird praktisch ausgeblendet. Das entspricht auch politisch den Anforderungen an einen Verfassungsschutzpräsidenten.

Eine Chronik des Elends

Die ex­treme Linke und die extreme Rechte – nennen wir sie “die Idioten“ – erscheinen vergleichsweise bedeutend gegenüber dem viel größeren, aber politisch unauffälligen Mittelbereich – nennen wir sie “die Normalen“.

Die Brille in der Politik – eine Chronik des Elends. Helmut Kohl hat sein ganzes politisches Leben lang durch zwei bodentiefe Fenster geguckt. Theo Waigel konnte sein XXL-Modell bei Nichtgebrauch einfach kurz auf die Augenbrauen setzen.

Zuletzt galt Konturlosigkeit als das Maß aller Dinge bei Politikerbrillen. Das ist vorbei. Das neue Motto: Brille? Viel, Mann! Der deutsche Entwicklungsminister namens – na? – Gerd Müller trägt inzwischen ein vollumschlossenes Bakelitmonster, dessen einzige Aufgabe darin besteht, dem guten Mann überhaupt so etwas wie Profil zu verleihen. Wenn Müller die Brille absetzt, wird er automatisch unsichtbar.

Durchblick behalten!

Ähnlich wie Außenminister Heiko “Augenmaas“ Maas, dessen Brille vom Londoner Luxuslabel Cutler and Gross ihn zu aufrechter Haltung zwingt, weil er durch das Gewicht der Brille sonst zwangsläufig nach vorne plumpsen würde.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier hingegen geht mit seinem Halbrand-Modell ein hohes Risiko ein: Nicht selten haben Altmaiers voluminöse Augenlider bei zu heftigem Zwinkern die fragile Brille einfach verschluckt. Freilich würde auf Altmaiers Gesicht selbst Helmut Kohls Rodenstock-Ungetüm fragil aussehen. Behalten Sie den Durchblick. Schönes Wochenende!

Von Imre Grimm

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