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Kultur im Rest der Welt Brühl und Thompson stellen Fallada-Adaption vor
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16:54 15.02.2016
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Berlin

Bei der Berlinale haben Geschichten über Nazideutschland eine gewisse Tradition. Da waren die „Monuments Men“ mit George Clooney oder „Der Vorleser“ nach dem Roman von Bernhard Schlink mit Kate Winslet. In „Jeder stirbt für sich allein“ rennt nun Emma Thompson über das Berliner Pflaster der 40er Jahre.

Gedreht wurde die Romanverfilmung des Schweizer Regisseurs Vincent Perez wie viele internationale Produktionen auch in der sächsischen Stadt Görlitz. Berlin sieht nicht mehr aus wie 1947, als Hans Falladas Buch erschien. Der Roman erlebte vor einigen Jahren eine Renaissance und wurde zum internationalen Bestseller. „Alone in Berlin“, schon der Titel zieht.

Es geht um den Widerstand der kleinen Leute. Thompson (56, „Sinn und Sinnlichkeit“) und ihr Filmpartner Brendan Gleeson (60, „Braveheart“) spielen ein Arbeiter-Ehepaar aus dem Prenzlauer Berg, das mit Postkarten gegen die „Hitlerei“ kämpft. Daniel Brühl (mit Schnauzbart) ist ihnen als Polizist auf den Fersen.

Brühl warnte bei der Berlinale vor einem Rechtsruck. Leider gebe es derzeit in Europa und gerade in Deutschland eine Bewegung zur politischen Rechten, sagte der 37-Jährige, der immer wieder in internationalen Filmen dabei ist. „Wir müssen vorsichtig sein, dass wir uns von rassistischen und faschistischen Ideen nicht vergiften lassen.“

Thompson sagte, sie habe erst spät angefangen, über die Zeit zu lesen, und herausgefunden, dass viele Deutsche die Nazis selbst als Besetzer empfunden hätten. „Ich selbst bin ja mit so einer Art Gehirnwäsche groß geworden.“ London sei ziemlich nüchtern in den Nachkriegszeiten gewesen. Alle Filme, die sie gesehen habe, drehten sich um Deutschland, um den Krieg und „wie toll wir waren und wie wir die Nazis geschlagen haben“, so die Britin.

Der Film ist im Rennen um die Trophäen dabei, die ersten Reaktionen beim Festival waren eher zurückhaltend. Weil die Fallada-Adaption auf Englisch produziert ist, gilt sie nicht als deutscher Beitrag im Wettbewerb. Der einzige dort ist das Abtreibungsdrama „24 Wochen“ von Anne Zohra Berrached. Das war so bewegend, dass viele Zuschauer zum Taschentuch griffen.

Auch sonst gibt es in Sachen deutsches Kino einiges zu entdecken. Der Erfolgsregisseurin Doris Dörrie (60, „Männer“) gelang mit „Grüße aus Fukushima“ ein anrührend poetisches Drama. Eine junge Deutsche (Rosalie Thomass) hilft in der Nähe des Unglücksreaktors einer störrischen alten Japanerin (Japans Kinostar Kaori Momoi) beim Wiederaufbau ihres zerstörten Hauses. Die Schwarz-Weiß-Bilder sorgen für eine besondere Kraft.  

Jella Haase (23), die prollige Chantal in den „Fack Ju Göhte“-Filmen, wurde bei der Berlinale als europäischer Shooting Star gefeiert. Diesen Preis gewannen vor ihr schon Daniel Brühl, Anna Maria Mühe und Moritz Bleibtreu. Jannis Niewöhner (23), Shooting Star 2015, spielt dieses Jahr die Hauptrolle in „Jonathan“ - einen jungen Mann, der seinen kranken Vater pflegt und ein Familiengeheimnis erfährt.

Julia Jentsch (37) hatte neben der Hauptrolle in „24 Wochen“ noch einen zweiten Auftritt in dem Schuld-und-Moral-Drama „Auf Einmal“, das in der Reihe Panorama gezeigt wurde. 2005 gewann Jentsch für die Rolle der Sophie Scholl den silbernen Bären bei der Berlinale. Sie wurde damals zum Gesicht des deutschen Films. War das ein Fluch oder ein Segen? „Ein Segen!“, sagt sie heute. Das sei großartig gewesen, wie der Film angekommen sei, nicht nur in Deutschland.

Mal sehen, welcher Stoff dieses Mal nach der Berlinale international Karriere macht. Am Dienstag hat Hans Steinbichlers Verfilmung des Tagesbuchs der Anne Frank Premiere im Jugendprogramm. Die Titelrolle spielt Lea van Acken (16).


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dpa

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