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„Buhlschaft“ erobert Salzburg mit laszivem Charme

Salzburg „Buhlschaft“ erobert Salzburg mit laszivem Charme

Die Salzburger Festspiele werden mit einer umjubelten Wiederaufnahme von Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ eröffnet. Miriam Fussenegger überzeugt als neue „Buhlschaft“.

Salzburg. Obwohl sie nur kurze fünfzig Textzeilen zu sprechen hat, sind bei der Premiere des Salzburger „Jedermann“ am Samstagabend im Großen Festspielhaus alle Augen auf diese junge Frau gerichtet. Und sie absolviert ihren Auftritt mit Bravour, auch wenn man am Anfang eine Spur von Befangenheit zu bemerken glaubte.

Doch dann dreht sie auf im schulterfreien roten Kleid mit dem Glitzergürtel und umgarnt ihren „Jedermann“ mit mädchenhaftem, etwas laszivem Charme: Miriam Fussenegger, die 25-jährige Linzerin, hat als neue „Buhlschaft“ die Festspielstadt im Sturm erobert.

Wegen eines heftigen Gewitterregens musste die „Jedermann“-Premiere zum Auftakt der Salzburger Festspiele, wie schon im vergangenen Jahr, vom Domplatz ins Große Festspielhaus verlegt werden. Das geht natürlich auf Kosten der Atmosphäre. Doch die mit Puppenspiel, Märchenhaftem und Tanz angereicherte, etwas Revue-mäßige „Jedermann“-Deutung des Briten Julian Crouch und des US-Amerikaners Brian Mertes aus dem Jahre 2013 ist auch ohne echtes Domgeläut und „Jedermann“-Rufe von der Festung Hohensalzburg sehr unterhaltsam und zuweilen auch anrührend. So war der Erfolg programmiert. Das Publikum applaudierte begeistert.

An Statur gewonnen hat Cornelius Obonya als egozentrischer, rücksichtsloser Geldsack, der unversehens „die Reis“ ins Jenseits antreten muss und sich schwer tut, unter all seinen Verwandten und falschen Freunden Fürsprecher zu finden, die ihm vor dem Thron des Allmächtigen beistehen. Er ist ein sehr heutiger „Jedermann“, der am Ende wohl wirklich in sich geht und bereut, was er den Menschen angetan hat. Doch die Bekehrung zum Glauben will man ihm nicht recht abnehmen.

Miriam Fussenegger hatte vergangenes Jahr ihren ersten Salzburger Auftritt als Lucy Brown in der nach fast einhelliger Kritikermeinung völlig verunglückten Salzburger Neuinszenierung von Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“. Mit der Rolle empfahl sie sich bei Sven-Eric Bechtolf, dem Schauspieldirektor und künstlerischen Leiter der Festspiele, als neue „Buhlschaft“. Sie ist eine der jüngsten Buhlschaften aller Zeiten und Nachfolgerin von Berühmtheiten wie Maria Schell, Senta Berger oder Veronica Ferres.

Dass die junge Linzerin, Absolventin des berühmten Max Reinhard Seminars, Lampenfieber hatte, ist anzunehmen. Doch sie überspielte ihre Unsicherheit geschickt und umradelte ihren „Jedermann“ unfallfrei auf dem Vintage-Fahrrad - ein Regieeinfall, der zum Markenzeichen der aktuellen “Jedermann“-Inszenierung wurde. Neu besetzt war auch die Rolle des „Mammon“ - mit keinem Geringeren als David Bennent, der 1979 als Oskar Matzerath in Volker Schlöndofrfs Verfilmung der „Blechtrommel“ von Günther Grass debütiert und Weltruhm erlangt hatte. Der kleinwüchsige, sehr stilisiert spielende Mime mit seiner etwas merkwürdigen Fistelstimme fügte sich gut in die surreale Atmosphäre des Mysterienspiels.

Dagegen wirkte Christoph Franken als tollpatschiger Teufel, dem der „Jedermann“ dank dessen später Bekehrung durch die Lappen geht, merkwürdig gehemmt, der übliche Szenenapplaus für diese überaus dankbare Nummer fiel schütter aus. 2007 hatte Sven-Eric Bechtolf in der Doppelrolle als „Guter Gesell/Teufel“ das Publikum zu Jubelstürmen animiert. In diesem Jahr kann man den scheidenden Interims-Chef der Festspiele als Doktor in Thomas Bernhards „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ erleben.  

Am Donnerstag beginnt das Opernprogramm der Salzburger Festspiele mit der Uraufführung der neuen Oper „The Exterminating Angel“ des britischen Komponisten Thomas Adès. Die Festspiele dauern bis Ende August und zeigen 192 Aufführungen der Sparten Oper, Schauspiel und Konzert an 14 Spielstätten. 

dpa

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