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Kultur im Rest der Welt Centre Pompidou beginnt Jubiläumssaison mit René Magritte
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12:56 22.09.2016
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Paris

Eine Kerze, die zu einer Schlange wird, ein Glas, das auf einem Regenschirm steht. Die Bilder von René Magritte sprengen die Grenze zwischen Wirklichkeit und Illusion.

Das ist nicht unbekannt, denn der belgische Maler (1898-1967) gilt als Meister der Illusionen. Eher neu ist die Thematik, unter der das Pariser Centre Pompidou seine große Retrospektive „Magritte. Verrat der Bilder“ präsentiert. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Rolle der Philosophie in seinem Werk. Mit der Ausstellung beginnt das Centre Pompidou eine Saison, mit der es sein 40-jähriges Bestehen feiert. Magritte hatte es zuletzt vor 36 Jahren präsentiert. 

Magritte wollte das Denken malen, sagt der Kurator Didier Ottinger. Er sei davon überzeugt gewesen, dass Kunst philosophische Ideen zum Ausdruck bringen könne. Rund 100 Werke sollen den Ansatz illustrieren. Als Grundlage seiner Behauptung dient dem Experten für zeitgenössische und moderne Kunst unter anderem die Korrespondenz zwischen Magritte und dem französischen Philosophen Michel Foucault.

Der Briefwechsel ist in der bis zum 23. Januar dauernden Werkschau ausgestellt und dreht sich um Trugbilder und den Unterschied zwischen Ähnlichkeit und Gleichartigkeit. Daraus ist unter anderem der Essay „Dies ist keine Pfeife“ entstanden, den Foucault 1973 dem Maler gewidmet hat.

Der Titel bezieht sich auf eines der bekanntesten Werke von Magritte, das 1929 entstanden ist. Darauf ist eine Pfeife abgebildet und der Schriftzug „Ceci n'est pas une pipe“ - Dies ist keine Pfeife. Das Ölgemälde heißt „La trahison des images“ (Der Verrat der Bilder) und hat der Ausstellung seinen Titel gegeben. Es gehört zu den Höhepunkten der Retrospektive, die mit Meisterwerken, aber auch mit vielen weitgehend unbekannten Werken überrascht.

Magritte hinterfragt in seiner Malerei - unter anderem auch durch den Einfluss des niederländischen Philosophen Alphonse De Waelhens - die Verwandtschaft der Begriffe, ihre Logik und Umkehrung. In seinen Werken „Das Abziehbild“ oder „Das doppelte Geheimnis“ geht es ihm um die Beziehung zwischen dem Objekt, der Bezeichnung und seiner Repräsentation. Eine Lokomotive, die aus einem Kamin herausfährt und Herren mit Melone, die wie Regentropfen herabfallen: Seine Malerei stellt die Wahrnehmung von Bild und Realität in Frage.  

Die letzte große Magritte-Ausstellung fand im Centre Pompidou im Jahr 1979 statt. Damals wurden vor allem Werke aus seinen ersten Schaffensjahren gezeigt, in denen Magritte mit den Surrealisten verkehrte. Ihr Einfluss habe jedoch nur bis 1936 gedauert, wie Ottinger sagt. Danach wollte er die Malerei auf die Ebene der Philosophie stellen. Er sei kein Künstler, sondern ein denkender Mensch, der malt, sagte Magritte auch über sich selbst.

Die Magritte-Schau ist der Start in eine Saison, mit der das Centre Pompidou seinen Geburtstag vor mehr als 40 Jahren feiert. Eröffnet wurde die Konstruktion aus Stahl, Glasfassaden und bunten Leitungsrohren am 31. Januar 1977. Die Architektur von Renzo Piano und Richard Rogers erntete wegen ihres damals avantgardistischen Konzepts viel Kritik. Heute gehört das Centre Pompidou mitten in Paris zu den größten Attraktionen der französischen Hauptstadt.

dpa

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