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Centre Pompidou zeigt große Dalí-Retrospektive

Kunst Centre Pompidou zeigt große Dalí-Retrospektive

Grotesker Showstar, mittelmäßiger Maler oder Genie? Salvador Dalí ist einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten Künstler des 20.

Paris. Grotesker Showstar, mittelmäßiger Maler oder Genie? Salvador Dalí ist einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten Künstler des 20. Jahrhunderts.

Das Publikum war schon immer von den Bildern seiner Wahn- und Traumwelt fasziniert. Bei Kunstkritikern und Museen hingegen stieß der Exzentriker mit Hang zur Selbstinszenierung auf viel Kritik. Über 30 Jahre nach seiner letzten Dalí-Ausstellung will das Pariser Centre Pompidou den Ruf des Künstlers (1904-1989) rehabilitieren.

Mit der neuen Dalí-Ausstellung, in der etwa 200 Werke gezeigt werden, hat sich das Centre Pompidou bewusst Zeit gelassen. Man wollte Abstand gewinnen von den Kritiken und Mythen um Dalí. Ziel der Werkschau ist es, einen neuen Blick auf den Maler zu werfen.

„Dalí war seiner Zeit in vielen Bereichen voraus“, sagt Jean-Hubert Martin, der Hauptkurator der bis zum 25. März dauernden Ausstellung. Er habe das Kunstmarketing erfunden und sei ein Pionier der Performance. Zusammen mit dem Fotografen Philippe Halsman erfand Dalí 1951 die Foto-Performance. Eine nackte Frau, die zwischen Baguettes in der Luft schwebt, ist eines der berühmtesten Beispiele.

Der Besucher tritt durch ein Ei - eines der häufig wiederkehrenden Bildmotive - in die Ausstellung und taucht unmittelbar in die skurrile Welt des Künstlers ein. Die Präsentation ist herrlich offen gestaltet. Keine Zwischenwände trennen die Werke voneinander. Gleich nach dem Eingang links läuft pausenlos „Ein andalusischer Hund“. Den Surrealismus-Klassiker hat Dalí zusammen mit seinem Landmann Luis Buñuel 1929 gedreht. Rechts ist der Meister in jungen Jahren zu sehen als „Selbstbildnis mit raphaelischem Hals“. Das Bild hat Dalí als 17-Jähriger gemalt.

Alle Phasen und Genres Dalíscher Aktivität sind zu sehen: seine weltberühmten Bilder „Der große Masturbator“, „Die Versuchung des heiligen Antonius“, das der Öffentlichkeit wegen der hauchdünnen und überdimensional langen Beine der Elefanten in Erinnerung geblieben ist, seine Venus-Skulptur mit Schubladen und sein Hummer- oder aphrodisisches Telefon. Überall stehen Kussmund-Sofas - zum Ausruhen und Nachdenken über Dalís fantastische und eigenwillige Bildsprache.

Nasen und Münder, die zu Geschlechtsorganen werden, oder Tells Apfelschuss, der zum Akt der Kastration wird. Die Ausstellung zeigt auch, dass Dalí seine Kunst beherrschte, gleich ob es sich um seine kubistischen Anfänge oder den altmeisterlichen Stil am Ende seines Schaffens handelt.

Die Werkschau im Centre Pompidou 1979 war ein Blockbuster, damals eine der meist besuchten Ausstellungen Frankreichs. Doch zu Beginn der 80er Jahre war die Kunstwelt der Selbstinszenierungen und arrangierten Medienevents müde. Mit einem Ameisenbär aus der Pariser Metro zu steigen oder in New York die Schaufenster mit einer Badewanne zu zerschlagen, löste nur noch mitleidiges Lächeln aus. Minimalismus und Konzeptkunst waren in Mode.

Provokante Kunst, ausgefeiltes Marketing und Selbstverherrlichung: Heute sind darin Künstler wie Damien Hirst, Jeff Koons oder Takashi Murakami große Meister. Virtuos hatte es ihnen Dalí vorgemacht. „Die Welt wird mich bewundern. Vielleicht werde ich verachtet und missverstanden, aber ich werde ein großartiges Genie, davon bin ich überzeugt“, sagte er über sich selbst. Als Dalí diesen Satz schrieb, war er 16.

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