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Kultur im Rest der Welt Chris Rea gleitet wieder über Saiten
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10:40 14.10.2017
Chris Rea hatte in der Vergangenheit gesundheitliche Probleme. Jetzt steht er auf der Bühne. Auf der Europa-Tour spielt der 66 Jahre alte Musiker nun allein in Deutschland zwölf Konzerte. Quelle: Arifoto Ug/michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa
Erfurt

Ohne Umschweife schnappt er sich die Gitarre. „I'm happy on the road again“, singt er zum Einstieg in der Erfurter Messehalle.

Dass sich Chris Rea tatsächlich freut, wieder unterwegs zu sein, ist dem inzwischen 66 Jahre alten Musiker zu wünschen. Schließlich führt ihn nun seine Tournee zum im September erschienenem neuen Album „Road Songs for Lovers“ allein in Deutschland durch elf weitere Städte.

Dass er dazu noch die Kraft und auch Begeisterung aufbringen kann, grenzt schon fast an ein Wunder: Rea war nicht nur einst dem Tod von der Schippe gesprungen, als er an Krebs erkrankte. Erst im vergangenen Jahr hatte der Brite einen Schlaganfall erlitten. Das Gitarrespielen fiel ihm danach schwer.

Davon ist beim Konzert in Erfurt nichts zu spüren. Seine Finger gleiten über die Gitarrensaiten wie man es von ihm kennt. Er scheut keine langen Solo-Einlagen. Mal klingen sie wie Melodien-Gewitter, mal wie Salven aus Laserkanonen. Das Publikum applaudiert heftig. Manche Besucher haben eine weite Anreise hinter sich. Fans mit Rea-T-Shirts sind dabei.

Die Gitarre stand für Rea schon immer im Zentrum. In Interviews betont er oft, er habe nie Rockstar sein, sondern nur seine Gitarre spielen wollen. Tatsächlich war der im englischen Middlesborough geborene Rea nie ein glamouröser Musiker. Dass er so lange im Geschäft ist - fast 40 Jahre - verdankt er seinen Fähigkeiten: mit einer rauchig-angenehmen Stimme zu singen, eingängige Lieder zu schreiben und so unnachahmlich die Slide-Gitarre zu spielen.

Auch in Erfurt verlässt er sich ganz auf seine Talente. In einfachem schwarzen T-Shirt und Jeans steht er mit seinen Begleitmusikern auf der Bühne. Sein Bart ist weiß, das dunkle Haar zurückgekämmt und voller als bei einem Großteil der Männer im Publikum. Große Gesten macht er nicht. Dafür gibt es Zugaben.

Die Kulisse besteht quasi nur aus Gitarren: gemalt, aufgehängt oder auf die Leinwand im Hintergrund projiziert. Anders als so manches Popsternchen wechselt Rea nicht fünf Mal das Outfit, sondern die Gitarre. Die Instrumente lässt er nur bei zwei Balladen stehen, darunter „Two Lost Souls“. Einige Konzertbesucher in der nicht ganz voll besetzten Halle kämpfen da mit den Tränen.

Einem großen Publikum wurde der Musiker und Künstler durch Radiohits in den 80ern und 90ern bekannt. Vor allem aber vergeht kein Weihnachten ohne sein „Driving Home for Christmas“. Den Song spielt Rea in Erfurt zwar nicht. Dafür jubelt das Publikum bei den Klassikern „Julia“ und „Josephine“. Auch bei neuem Material wie „The Road Ahead“ wird geklatscht.

Als gen Schluss dann die Lichter aus und rote Spots angehen, entfahren manchen Besuchern Freudenschreie. Viele zücken die Smartphone-Kameras. Rea stimmt „The Road to Hell“ an - ein weiterer Klassiker.

dpa

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