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Das Lucas-Evangelium

Das Lucas-Evangelium

Morgen kommt der siebte Teil der „StarWars“-Filme ins Kino: Für viele Fans ist die Weltraum-Saga von George Lucas nicht nur ein Film, sondern eine Religion. Warum nur?

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Eine geheime Premiere

„Ein moderneres, leicht zugängliches Konstrukt aus religiösen Themen“: Filmszene aus dem neuen „Star Wars“-Film „Das Erwachen der Macht“.

Quelle: LUCASFILM

„Möge die Macht mit dir sein.“ Mit diesem Segensspruch will der Vikar Lucas Ludewig an diesem Sonntag die Besucher seines „Star Wars“-Gottesdienstes in der Berliner Zionskirche empfangen. Für Ludewig manifestiert sich in Luke Skywalker ein Prinzip aus dem Römerbrief: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“. Selbst die Kirche ist vom „Star Wars“-Fieber angesteckt. Mehr noch als das Weihnachtsfest sehnen die Fans in diesem Advent den Kinostart des siebten Teils der Filmreihe herbei. 43 Prozent der Deutschen wollen „Das Erwachen der Macht“ laut einer Umfrage sehen. Nach der Uraufführung am Montagabend in Los Angeles folgt heute Abend die Deutschlandpremiere in Berlin. Morgen eröffnet die Schicksalsfanfare in g-Moll das intergalaktische Schauspiel bundesweit.

Seit der erste Teil der Sternen-Saga 1977 anlief, ist George Lucas’ Heldenepos ein generationsübergreifender Kassenschlager. Dank Lego, Turnbeuteln, Jacken, Stickern und Plastikraumschiffen sind Luke Skywalker, Joda und der Roboter C-3PO heute zu Helden selbst für kleine Kinder avanciert, die noch nie einen „Star Wars“-Film gesehen haben. Der Unterhaltungsgigant Disney, an den Lucas sein Imperium vor drei Jahren verkaufte, bewirbt sogar Weihnachtspunsch, Orangen und Eiswürfelformen mit diesem Label. Die Spielzeugindustrie rechnet mit zweistelligen Umsatzzuwächsen, der Film hat angeblich bereits Milliarden eingespielt, bevor der erste Zuschauer den Film gesehen hat.

Doch warum verfängt diese auf erstaunliche Weise zeitlose Science-Fiction-Saga immer wieder aufs Neue bei Kindern und Jugendlichen? Und warum hält bei vielen Erwachsenen diese Faszination einfach an? Es sind nicht nur die Werbeartikel. Lucas – in Fanforen als „Shakespeare des 20. Jahrhunderts“ gepriesen – hat eine Erzählung erschaffen, die zwar in der Zukunft spielt, mit Raumschiffen, Laserpistolen-Geballer, Droiden und fremden Planeten. Eigentlich aber ist das Futuristische nur Beiwerk. „Star Wars“ steckt voller archetypischer Motive aus Märchen und klassischen Mythen – vom Vater-Sohn-Konflikt bis hin zur verbotenen Liebe. Die bisherigen Filme werden in der aktuellen Episode im Rückblick sogar zum intergalaktischen Gründungsmythos, gewissermaßen zur Schöpfungsgeschichte: „Es ist wahr, alles davon“, haucht ein gealterter Harrison Ford als Weltraumschmuggler Han Solo. Der Zuschauer ahnt, dass es hier nicht nur um ein Abenteuer geht: Der Krieg der Sterne ist ein apokalyptischer Kampf: Gut gegen Böse. Man kann die „Star Wars“-Geschichte als Variante biblischer Erzählungen lesen. Nicht wenige sind überzeugt, dass darin die eigentliche Stärke der Saga liegt. Für sie manifestiert sich das christliche Heilsversprechen im George-Lucas-Evangelium in der Figur des Luke Skywalker. Der Himmelsläufer trägt die überweltliche Kraft schon im Namen. Sein Lichtschwertmacht ihn zur Kriegervariante der Lichtfigur Jesus. Luke wird als interstellarer Erlöser gehandelt, weil er seinen Vater Darth Vader im Kampf besiegt. Dieser wiederum ähnelt dem gefallenen Engel Luzifer. So wie der Erzengel stürzt auch Anakin Skywalker über seine Hybris. Er gibt sich der dunklen Seite der Macht hin und wird zu Darth Vader, einem entmenschlichten Maschinenhybridwesen. Lucas, der sich als „buddhistischer Methodist“ bezeichnet, sagte einmal: „Ich möchte bei jungen Leuten eine Art von Spiritualität wiedererwecken. Ich habe versucht, ein moderneres, leicht zugängliches Konstrukt aus religiösen Themen zu destillieren.“ Dabei bediente er sich auch bei fernöstlichen Glaubensströmungen. Im Film heißt es: „Die Macht gibt dem Jedi-Ritter seine Kraft. Es ist ein Energiefeld, geschaffen von allen lebenden Dingen. Es umgibt und durchdringt uns. Es hält das ganze Universum zusammen.“ Lucas beschreibt eine pantheistische Weltsicht, wonach das Göttliche allen Dingen innewohnt. Dieses Denkmuster findet sich auch in der chinesischen Philosophie des Daoismus. Der Jedi-Meister Joda ist für den Hamburger Daoisten Carsten Dohnke eine Inkarnation des alten Weisen: „Joda ist mit dem Dao, mit der alles durchströmenden Macht, verbunden. Mit Ruhe, Ernsthaftigkeit und spielerischer Leichtigkeit gelingt ihm trotz seines schwachen Körpers viel mehr als den Gehetzten dieser Welt.“

Der Filderstädter Religionswissenschaftler und Blogger Michael Blume wurde durch die Filme gar zu seinem Studium inspiriert. Er erklärt: „Wir kennen das Gefühl vom Erwachen der Macht, wenn sich das Leben für einen Moment aus dem Alltagsgrau erhebt, in Licht und Schatten scheidet und in einem höheren Sinn aufgeht. Für viele von uns ist „Star Wars“ ein idealer Zugang zu dieser uralten Faszination der Mythen.“ In Australien ist die Jedi-Religion, die mit einem Augenzwinkern verschiedene Glaubensströmungen kombiniert, offiziell anerkannt. In Neuseeland bekannten sich bei einer Volkszählung 53 000 Menschen dazu.

Und wer vom Glauben abgefallen ist, kann die unsichtbare Macht bei Ebay erstehen: Es handelt sich bei diesem Fanartikel um eine leere Packung. Möge die Marktmacht mit dir sein.

Nina May

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