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Der Holocaust im Bild: „Birkenau“ von Gerhard Richter

Baden-Baden Der Holocaust im Bild: „Birkenau“ von Gerhard Richter

„Birkenau“ nennt Gerhard Richter seine malerische Umsetzung des Holocaust. Kein leichtes Unterfangen, selbst für einen der wichtigsten Künstler, der die Malerei neu erfand.

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Gerhard Richter im Museum Frieder Burda in Baden-Baden.

Quelle: Uli Deck

Baden-Baden. Es sind vier Schwarz-Weiß-Fotos, die das Grauen festhalten: Nackte Frauen auf dem Weg in den Tod, Menschen, die zuerst in den Gaskammern der Nazis getötet und dann im Freien verbrannt werden. Nicht alles ist zu erkennen.

Es sind heimliche Fotografien, die ein jüdischer Häftling 1944 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gemacht hat und die unter Lebensgefahr herausgeschmuggelt wurden. Es sind diese Bilder, die die unerträgliche Wahrheit dokumentieren. Und es sind dieselben, die der Maler Gerhard Richter an der Wand im Kölner Atelier hat – und die Grundlage für ein abstraktes vierteiliges Monumentalwerk sind, das er „Birkenau“ nennt.

Die Tafeln sind Mittelpunkt einer Schau, die vom 6. Februar bis zum 29. Mai im Museum Frieder Burda zu sehen ist – erstmals in Deutschland unter dem Titel „Birkenau“. Bei der Premiere im Dresdner Albertinum vor einem Jahr firmierten sie noch als „Abstrakte Bilder“. Es lag Gerhard Richter nicht an zu viel Aufsehen.

In Baden-Baden geht Deutschlands wohl bekanntester Künstler aus der Deckung – zu wichtig ist das Thema für den 83-Jährigen. Und er verbindet es mit einem guten Zweck: Bei der Preview mit Richter stellt der Holocaust-Überlebende Ivan Lefkovits am Donnerstagabend die erschütternde Dokumentation „Mit meiner Vergangenheit lebe ich“ vor - die Memoiren von 15 Überlebenden. Jedes dieser Zeugnisse hat der Künstler mit einem anderen Detail aus „Birkenau“ illustriert.

Auschwitz-Birkenau war das größte deutsche Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus - und es ist das traurige Symbol für den Holocaust. Im Herbst 1942 begann im eigentlichen Todeslager Birkenau der Massenmord in den Gaskammern. Von den rund sechs Millionen Opfern des Holocaust wurden etwa 1,1 Millionen Menschen, darunter eine Million Juden, in Birkenau ermordet.

Gerhard Richter hat sich lange und intensiv damit beschäftigt. Wie sehr, das belegen in Baden-Baden unzählige kleine Schwarz-Weiß-Fotos aus Konzentrationslagern und Skizzen, die er seit den 1960er Jahren in seiner Materialsammlung „Atlas“ aufbewahrt.

Trotz einiger Anläufe, auch bei der Gestaltung des Bundestags: In die Malerei hat Richter das Thema erst mit „Birkenau“ umgesetzt. „Es hat gedauert, bis ich die richtige Form gefunden habe“, drückt es Richter aus. 2014 greift er zum Pinsel und übermalt die Gräuel. Wieder und wieder. In düsteren Farben: schwarz, grau, dunkel-rot, schmutzig-grün. Bis die Scheiterhaufen mit den Leichen nicht mehr zu erkennen sind. „Ich habe abstrakt gemalt, weil diese Fotos unübertroffen sind – ich kann es nicht besser“, erklärt er in Baden-Baden seine Malweise.

„Wie kann man Hunger, Demütigung, Schläge, Angst, Schmutz, alle die Grausamkeiten, die ganze Atmosphäre schildern?“, fragt Peter Lebovic, einer der 15 Autoren über das „längste Jahr meines Lebens“ unter anderem in Auschwitz. Mit abstrakter Malerei geht es, findet Ivan Lefkovits, der Herausgeber der neuen Suhrkamp-Dokumentation. Die düsteren Farbflächen sagen für ihn viel mehr aus als eine gegenständliche Darstellung von Stacheldraht oder Lagerleben. „Ich spüre die Gesamtheit des Holocaust, wenn ich das Bild anschaue.“

Tote hat Lefkovits für sein Leben genug gesehen: „In Bergen-Belsen waren überall Leichen“, schreibt er in dem Memoirenband. Zwischen den Baracken, an den Latrinen und am Feuerlöschbecken. Als die Häftlinge keine Kraft mehr hatten, die Toten herauszutragen, blieben die Leichen auf den Pritschen, erinnert sich der 79-jährige Schweizer. Britische Soldaten befreiten am 15. April 1945 das KZ in der Lüneburger Heide. Auf dem Gelände lagen da etwa 10 000 Leichen.

Weil sie die Erinnerung wach halten wollen, so lange es noch Überlebende gibt, sind die 15 Autoren oder ihre Nachfahren eigens zur Buch-Vorstellung und zur „Birkenau“-Preview nach Baden-Baden gereist. „Junge Menschen wissen heute sehr wenig davon. Sie haben andere Probleme“, weiß die 83-jährige Nina Weilová, die mit zehn Jahren nach Theresienstadt kam. Die Erinnerungen lassen sie noch heute nachts schreiend aufwachen. Doch, so sagt sie: „Das Leben geht weiter.“


Mit meiner Vergangenheit lebe ich
Gerhard Richter. Birkenau

dpa

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