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Der Meister der Hartfaser - Künstler Imi Knoebel wird 75

Düsseldorf Der Meister der Hartfaser - Künstler Imi Knoebel wird 75

Radikaler als Imi Knoebel ist kaum ein Künstler. Bei ihm ist ein Bild kein Bild und die Hartfaser Kunst. Der Beuys-Schüler nimmt eine Ausnahmerolle im Kunstkanon ein. Als deutscher Künstler durfte er dem französischen Nationalheiligtum Glasfenster schenken.

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Am 31. Dezember wird der Beuys-Schüler Imi Knoebel 75 Jahre alt.

Quelle: Federico Gambarini

Düsseldorf. Imi Knoebel zeichnete auf 250 000 Blätter senkrechte Striche, er erhob die Hartfaserplatte zur Kunst, anstatt eines Bildes malte er nur Bildmaße an die Wand.

Aber er gestaltete auch in einer politisch heiklen Aktion neun farbenprächtige Glasfenster für die berühmte gotische Kathedrale von Reims. Die Krönungskirche der französischen Könige war von den Deutschen im Ersten Weltkrieg bombardiert worden war, bis das Blei der Fenster schmolz.

Am 31. Dezember wird der Wahl-Düsseldorfer, der als Klaus Wolf Knoebel 1940 in der Bauhaus-Stadt Dessau geboren wurde, 75 Jahre alt. Bis heute ist Knoebel ein radikal-minimalistischer Künstler, der unbeirrt seinen Weg geht und eine Alleinstellung im Kunstkanon einnimmt. Das brachte dem mehrmaligen Documenta-Teilnehmer weit über die Grenzen Deutschlands hinaus hohe Anerkennung ein. „Knoebel ist inzwischen ein richtiger Klassiker geworden“, sagt der Kunsthistoriker Martin Schulz. Seine Positionen seien in ihrer Radikalität und Stringenz unumstritten, auch wenn er nicht so bekannt sei wie etwa Gerhard Richter oder Sigmar Polke.

Knoebel wäre nicht „Imi“ geworden ohne seinen engen Freund Rainer Giese, mit dem zusammen er sich 1965 durch ein gehöriges Maß an Chuzpe und Frechheit in die Klasse von Joseph Beuys kämpfte. „Imi und Imi“ nannte sich das unzertrennliche Duo, und damit meinten sie nicht etwa das gleichnamige Waschmittel, sondern „ich mit ihm“. Giese nahm sich 1974 das Leben. Knoebels zweiter wichtiger Freund, Blinky Palermo, wurde nur 33 Jahre alt und starb 1977.

Knoebel ging seinen Weg allein weiter, doch von Palermos Kunst nahm er die Farbe mit, die es zuvor in seinem Werk nicht gab. Knoebels Arbeiten in den Grundfarben rot, gelb und blau erinnern in ihrer geometrischen Sachlichkeit an Piet Mondrian oder auch Barnett Newman. Jahrelang suchte Knoebel auch den idealen Grün-Ton, der wie junges, frisches Gras sein sollte. Er fand ihn nicht. Deshalb ist sein „Grünes Siebeneck“ wohl auch rosa.

Bei aller Ernsthaftigkeit darf man über Knoebels schalkhaftem Humor auch durchaus schmunzeln. Den Aufnahmen des Himmels mit Abermillionen Sternen fügte er zum Beispiel einen einzigen leuchtenden Punkt zu. Niemand weiß, welcher das ist, Knoebel selbst wohl auch nicht mehr.

Knoebel war zwar Meisterschüler von Beuys. Den wichtigsten Impuls aber lieferte ihm der russische Revolutionskünstler Kasimir Malewitsch mit seinem „Schwarzes Quadrat“ (1915) und dem Manifest „Die gegenstandslose Welt“. Es steht für Endpunkt der Kunst, und dort setzte Knoebel an.

Er malte zunächst nur Linien, 1968 baute er vier schwarze Platten zu einem Kreuz zusammen, Bilder waren für ihn letztlich nur eine „Durchgangsstation“. Knoebel projizierte weiße Rechtecke auf Wände und hängte Keilrahmen ohne Bild auf. Seine minimalistische Devise verriet der überaus medienscheue Künstler in einem seiner ganz seltenen Interviews: „Oft ist es das Wenige, das vollkommen genügt, und wo du einfach von allem sonst nur belästigt wirst, weil es zu viel ist.“

Knoebel selbst meint übrigens, dass er keine Begabung als Künstler habe. Das verriet er seinem Freund Johannes Stüttgen, ebenfalls ein Beuys-Schüler, der ein Interview mit Knoebel führen durfte. „Ich bin auch stolz darauf. Stolz darauf auch, ohne diese Begabung in dieser Kunstgeschichte zu sein“, sagt Knoebel da.

Kunsthistoriker Schulz meint: „Knoebel konnte kaum etwas am Anfang, er konnte kaum zeichnen und malen.“ Sein Lehrer Beuys aber, der den „erweiterten Kunstbegriff“ in die Kunstgeschichte einführte, habe ihn im legendären „Raum 19“ komplett gewähren lassen. „Es hätte überhaupt keine andere Klasse gegeben, in der ein solches Potenzial wie bei Imi Knoebel sich hätte entwickeln können“, sagt Schulz. „Raum 19“ ist auch eines der bekanntesten Werke Knoebels: Hunderte Holzleisten, Keilrahmen und Hartfaserwürfel stapeln sich in der Installation, die wie ein Lagerraum aussieht.

Knoebels künstlerische Kraft erfährt ihren Höhepunkt in den vielfarbig zersplitterten Glasformen der Kathedralenfenster, die fast zu glühen scheinen. Die Gläser in direkter Nachbarschaft zu Marc Chagalls Fenstern dürften wohl eine der größten Herausforderungen für ihn gewesen sein. „Ich habe große Angst gehabt, das zu tun“, sagte er. „Bis zum letzten Tag habe ich gebangt.“

dpa

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