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Kultur im Rest der Welt „Der bewegte Mann“ als turbulentes Musical
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11:12 27.07.2017
Waltraud (Mark Weigel, l) und Norbert (Jan Kersjes) machen sich die Lippen schön. Quelle: Georg Wendt
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Hamburg

Natürlich darf die Szene, als Axel - betört durch Bullenspray - nackt auf dem Wohnzimmertisch hockt, nicht fehlen, und auch der saukomische Disput zwischen dem Vegetarier Norbert und dem Metzger über eine Tofuwurst gehört dazu.

Zutaten der Komödie „Der bewegte Mann“ nach den Comics von Ralf König, die in den 1990er Jahren als Kinofilm mit Til Schweiger und Katja Riemann in den Hauptrollen zum Kassenschlager wurde. Am Mittwochabend feierte die Geschichte um die Liebeswirrungen von Homos und Heteros erstmals als turbulentes Musical im Hamburger Thalia Theater Premiere - und erhielt von den Zuschauern begeisterten Applaus.

Auch diesmal dreht sich alles um den Macho Axel (Elias Krischke), der seine schwangere Freundin Doro (Jennifer Siemann) betrügt und bei seinem schwulen Bekannten Norbert (Jan Kersjes) Unterschlupf findet. Mit von der Partie sind außerdem Norberts schwule Freunde Waltraud (Mark Weigel) und Fränzchen (Michael Ehspanner), die in Frauenkleidern und mit witzigen Tanz- und Gesangseinlagen die meisten Lacher für sich verbuchen können.

Regisseur Harald Weiler inszeniert die Komödie - eine Kooperation des Altonaer Theaters mit dem Thalia Theater und Funke Media - mit leichter Hand und viel Gespür für Situationskomik. Besonders gelungen sind die Szenen, wenn Doro und ihre Freundinnen (Luisa Meloni und Tanja Bahmani) gemeinsam wie in einer Art Split-Screen mit Norbert und seinen Freunden auf der Bühne stehen. Da wird Doro mit einem Glitzer-Bikini auf Vamp gestylt und singt „Heute werde ich es allen zeigen!“, während Norbert in Aussicht auf ein Wiedersehen mit Axel ebenfalls von der „Chance meines Lebens“ träumt.

Autor und Komponist Christian Gundlach steuerte für die kurzweilige Inszenierung sowohl gefühlvolle Balladen als auch rockige Songs dazu - dargeboten von einer sechsköpfigen Band auf einem erhöhten Podest auf der Bühne mit Glitzer-Vorhang. Dabei verlegte er die Geschichte aus den 1980er Jahren behutsam ins heute: So unterhält sich die Männergruppe der „Anonymen Sexsüchtigen“ beim Stricken über die Vor- und Nachteile der Internetplattform „YouPorn“, während in Zeiten der „Ehe für alle“ eben Norbert und Waltraud statt Axel und Doro vom Pfarrer getraut werden.

Das sympathische Ensemble zeigt sich spielfreudig, und auch wenn die Gesangsqualitäten mitunter variieren, treibt jede der Figuren doch das Gleiche an: die Sehnsucht nach der großen Liebe. „Warum kann ich nicht wie jeder Mann verliebt und glücklich sein?“, fragt sich Norbert resigniert, während Axel immer noch von einem „sicheren Hafen“ träumt, aber gleichzeitig „ab und zu woanders schlafen möchte“. Am Ende sind sich aber alle mit Waltraud einig: „Sei einfach Du! Mach Dich von allem frei, was Dich blockiert“, und Axel, Doro und Norbert wollen eine „Ehe zu dritt“ ausprobieren.

dpa

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