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Der schwierige Umbau von Museen

Hamburg Der schwierige Umbau von Museen

Museumsschätze wollen nicht nur gesammelt, sondern auch präsentiert werden. Doch was interessiert den Besucher? Die Antwort darauf kann Museen zu schmerzhaften Veränderungen zwingen.

Hamburg. Wer ein gutes Museum führen will, muss nicht nur bewahren, sondern auch zerstören können. Ausstellungen altern, die Fragestellungen der Besucher ändern sich, erklärt die Direktorin des Bremer Überseemuseums, Wiebke Ahrndt (52).

„Wenn man mit Kindern durchläuft und die sagen: "Hier sieht's ja aus wie bei Oma!", dann spürt man, dass der Punkt gekommen ist.“ Eine Ausstellung oder gar ein ganzes Museum neu zu gestalten, ist nicht einfach. „Menschen, die im Museum arbeiten, haben einen starken Bewahrungsimpuls“, sagt Ahrndt. Dennoch sieht in ihrem Haus nichts mehr so aus wie bei ihrem Amtsantritt vor 14 Jahren.

Zu den Prunkstücken des Überseemuseums zählen große dreidimensionale Schaubilder, sogenannte Dioramen, von Giraffen, Zebras, Geparden und Savannenlandschaften. Nicht alle hätten nach der Neugestaltung Platz in der Ausstellung gefunden, einige kamen ins Magazin. „Die abzubauen, ist ein zerstörerischer Prozess“, sagt Ahrndt. Es habe heftige Diskussionen mit Präparatoren gegeben. Doch der Wunsch nach Veränderung unter den Mitarbeitern war insgesamt so stark, dass sie die Neugestaltung durchsetzen konnte. Das Museum mit dem neuen Leitbild „Faszination Ferne“ lockt nun jährlich 100 000 Besucher an.

Nicht alles, was ins Museum kommt, kann gezeigt werden. Die Stiftung Schloss Friedenstein im thüringischen Gotha verfügt über ein großes altes Münzkabinett. Doch Stiftungsdirektor Martin Eberle (48) ist sich sicher: „Sie möchten nicht 120 000 Münzen sehen.“ Er will das „Best-of“ der herzoglichen Sammlungen zeigen. Dazu zählen vor allem Gemälde von Cranach, Rubens und Caspar David Friedrich. Noch vor einigen Jahren hingen sie im Schloss, ohne groß an den Wänden mit verzierter Ledertapete wahrgenommen zu werden. Jetzt werden sie im Herzoglichen Museum angemessen präsentiert. „Veränderungen sind immer hart, gerade im Museum“, ist auch Eberle klar.

Aber der Erfolg gibt ihm Recht. Die Besucherzahl hat sich beinahe verdoppelt, jetzt kommen 200 000 Menschen jährlich. Auch die Politik und die Bürger der 45 000-Einwohner-Stadt konnte Eberle für seine Vision „Das barocke Universum Gotha“ begeistern. „Gotha stand immer so ein bisschen im Schatten von Weimar“, erklärt er. Nun hätten die Gothaer festgestellt: „Holla, wir haben ja auch was, und das ist nicht schlecht!“. Auf diese Weise fördere die Neupräsentation das Selbstbewusstsein in der Region, sagt der Kunsthistoriker. Land und Bund geben weiteres Geld für die Sanierung des Schlosses.

Die Hamburger Alfred-Toepfer-Stiftung möchte, dass Museumsdirektoren wie Ahrndt und Eberle ihre Erfahrungen an Kollegen und Nachwuchskräfte weitergeben. Sie hat dafür eine Seminarreihe auf Gut Siggen in Ostholstein organisiert.

Zu den jüngeren Teilnehmern gehören die Kunsthistorikerin Daniela Bystron (40) aus Berlin und der Biologe Frank Steinheimer (44) aus Halle. Steinheimer leitet das Zentralmagazin der naturwissenschaftlichen Sammlungen der Universität Halle-Wittenberg. Mit 5,3 Millionen Objekten ist die eine der größten ihre Art in Deutschland. Die Stücke sind eigentlich nur für die Wissenschaft gedacht, Steinheimer würde sie aber gern für Besucher zugänglich machen. Bei der Verwirklichung seines Museumsprojekts könnte ihm ein Krokodil helfen, das vor etwa 65 Millionen Jahren lebte.

Die zwei Meter lange Land-Echse war bis zu 80 Kilometer pro Stunde schnell und wahrscheinlich sehr gefährlich, sagt der Biologe. Als er das Fossil im vergangenen Jahr in einer Ausstellung zeigte, reagierten vor allem Kinder begeistert. Steinheimer würde ihnen auch gern andere Naturphänomene auf anschauliche Art mit Fossilien oder ausgestopften Tieren erklären und kämpft für die Einrichtung eines größeren Naturkundemuseums.

Bystron ist in Berlin für die Bildungsarbeit im Hamburger Bahnhof und der Neuen Nationalgalerie zuständig, die beide moderne und zeitgenössische Kunst zeigen. „Ich muss den Blick des Publikums mitdenken“, sagt sie. Sie möchte, dass Besucher eigene Ideen entwickeln und sich einbringen. Familien will sie auf keinen Fall mit Verboten abschrecken. Viel lieber ruft Bystron den Kindern zu: „Lasst euren Papa bloß nicht allein durchs Museum laufen.“

dpa

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