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Kultur im Rest der Welt Die Julzeit-Jukebox - Für die nicht ganz stille Nacht
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10:00 03.12.2018
Fall nicht, Mama: Soulmann John Legend mit seiner Ehefrau, dem Model Chrissy Teigen, seinen beiden Kindern Miles und Luna und der Bulldogge Pepper. Quelle: Foto: Scott Schaefer
New York

Ein schwarzer Santa zwinkert vom Cover der CD. Die Plattenhülle erinnert an das gute, alte „White Christmas“ und R’n’B-Prinz John Legend sieht mit der roten Mütze auf dem Cover auch aus wie das Bing-Crosby-Modell von 2018. Die Weihnachtsmusik auf „A Legendary Christmas“ ist indes nicht hollywoodweiß sondern voller Motown, Soul und Jazz.

Der Dichter James Ivy Richardson alias J. Ivy hatte John Roger Stephens 2001 auf den Künstlernamen Legend gebracht, weil er wie eine der Legenden klang. Hier hat er noch weitere um sich geschart. Stevie Wonder lässt seine unverwechselbare Mundharmonika gleich im ersten Track „What Christmas Means to Me“ vergnügt zwitschern. Die Jazzgröße Esperanza Spalding verfeinert Legends Version von „Have Yourself a Merry Little Christmas“. Klassiker wie „Silver Bells“ stehen neben neuen Songs mit Evergreen-Potenzial wie „No Place Like Home“.

Immer wieder schimmern in Legends Liedern andere Lieder auf – hier ein paar Sekunden „O Come All Ye Faithfull“, dort ein paar Sekunden „Oh Tannenbaum“. Mehr Weihnachten geht nicht.

J D Mc Pherson besingt die Abneigung gegen „weiche Geschenke“

Kein Spielzeug, stattdessen – „Socks“. So heißt prosaisch das Weihnachtsalbum des Rock’n‘Rollers J D McPherson und das Cover zeigt einen Knaben in heiligem Zorn, der an Sempés und Goscinnys „kleinen Nick“ erinnert, und sich beim Auspacken über die ungeliebten „weichen Geschenke“ echauffiert.

Mit viel Humor in den Texten und wohlig antiquierten Buddy-Holly-Hall auf den Gitarren, liefert der 41-Jährige McPherson, Songwriter aus Oklahoma, Lieder über den „bösen Jungen, den Schrecken aller Kaufhaus-Santas“, über einen „mageren Weihnachtsmann“ und singt mit seiner englischen Kollegin Lucie Silvas im Duett vom Ehezwist zwischen „Mr. Und Mrs. Claus“.

Höhepunkt unter McPhersons Songs ist der „Ugly Sweater Blues“. Der Spross im Lied hat die Nase endgültig voll von Mamas alljährlichen, immer hässlicheren selbstgestrickten Weihnachtspullovern.

Rodney Crowell verteilt zu Weihnachten auch Seitenhiebe

Auch Rodney Crowell, Ex-Schwiegersohn von Johnny Cash und ein Hitlieferant der späten Achtzigerjahre, setzt auf Selbstgeschriebenes. Country, Countryswing und gelegentlich ein Blues sind die vorherrschenden Klangfarben auf „Christmas Everywhere“.

Und schon „Christmas Lament (We’ll See You in the Mall)“, der heimelige Auftakt mit einem Frauenchor, zeigt, dass der 67-jährige Texaner mit der Schluckaufstimme einer für süffisante Seitenhiebe ist. Auch Donald Trump bekommt einen ab. Der beste Weihnachtswunsch auf Crowells trauter, schöner Platte wird geäußert von Gastsängerin Lera Lynn: „Eine Zeitmaschine,um zu dem Tag zurückzukehren, an dem John Lennon starb.“

Blues regiert die Festtagsscheibe von Eric Clapton

Fast so unerwartet wie Bob Dylans „Christmas In The Heart“ von 2009 kam in diesem Jahr Eric Claptons Liederbuch für den Advent in die Läden. Selbstverständlich regiert Blues den Advent dieses Mannes, den B. B. King mal den größten Freund des Blues genannt hat. Den Santa auf dem Cover hat Clapton selbst gezeichnet, die schöne Ballade „For Love on Christmas Day“ selbst geschrieben.

Claptons Fremdmaterial reicht vom pflichtgemäßen „Silent Night“ (Reggae) über Irving Berlins „White Christmas“ bis hin zu Freddie Kings „Christmas Tears“. Ein stimmungsvolles Album, das in der Mitte mit einer Houseversion von „Jingle Bells“ gebrochen wird. Clapton trauert um den im April mit 28 Jahren verstorbenen schwedischen Star-Remixer.

Zuletzt, und doch geschätzt: Die thüringische Sängerin Lyambiko veröffentlicht auf dem gerade 100 Jahre alt gewordenen US-Label Okeh! „My Favourite Christmas Songs“. Ihre Favoriten aus Tradition und Pop dürften auch die der meisten Hörer sein. In Piano-dominierten Jazzarrangements kommen diese Meistgehörten jedoch entspannt und angenehm kitschfrei rüber.

Auf Michael Bublés neuem Album findet zwar kein einziges Weihnachtslied Platz, trotzdem soll das swingende „Love“ in unsere Julzeit-Jukebox aufgenommen werden.

Denn Bublés elf samtig gesungene, weitgehend kitschfreien Liebeslieder – von „My Funny Valentine“ über „La Vie en Rose“ bis hin zu Kris Kristoffersons „Help Me Make It through The Night“ – schmiegen sich perfekt ins Fest der Liebe. In die neue Single „Love You Anymore“ verliebt man sich schon auf den ersten Horch, zum Orchestersound von „Such a Night“ twistet man dann um den Christbaum.

John Legend: „A Legendary Christmas“ (Columbia)

JD McPherson: „Socks“ (New West Records)

Rodney Crowell: „Christmas Everywhere“ (New West Records)

Eric Clapton: „Happy X-Mas“ (Polydor)

Lyambiko: „My Favourite Christmas Songs“ (Okeh!)

Michael Bublé: „Love“ (Reprise)

Von Matthias Halbig / RND

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