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Die Schöne, das Biest und ein schwuler Diener

Disney-Film Die Schöne, das Biest und ein schwuler Diener

Zwei Männer tanzen miteinander. Na und? Nichts Besonders, könnte man meinen. Doch eine entsprechende Szene im Disney-Film „Die Schöne und das Biest“ sorgt gerade für Wirbel. Sittenwächter werten sie als Propaganda für Homosexualität. Was ist da los?

Josh Gad als Le Fou (l) und Luke Evans als Gaston (r) in einer Szene des Films „Die Schöne und das Biest“.

Quelle: Laurie Sparham/disney

München. Viele Kinobesucher freuen sich auf den Disney-Film „Die Schöne und das Biest“, der in Deutschland an diesem Donnerstag startet. Ein unschuldiger Kinderfilm mit märchenhafter Geschichte, einer starken Heldin und altbekannten Filmliedern?

Weit gefehlt, finden zumindest einige strenge Sittenwächter. Um die Neuverfilmung des Zeichentrickfilms von 1991 wird heftig debattiert, weil am Ende zwei Männer miteinander tanzen. Sekundenkurz ist die Szene, doch Einige sehen darin eine Darstellung von Homosexualität, die völlig ungeeignet für Kinder sei.

Russland setzte die Altersfreigabe für das Märchen auf 16 Jahre herauf. In Malaysia dagegen kürzten die Behörden laut Medienberichten die entsprechenden Szenen raus und legten den Kinostart auf Eis. Ein Kino im US-Bundesstaat Alabama soll den Film mit Emma Watson, Dan Stevens und Luke Evans ganz gestrichen haben. Warum, das brachte Anfang März der konservative russische Politiker und Duma-Abgeordnete Witali Milonow auf den Punkt, schrieb er doch an die Regierung, „dass unter dem Vorwand des Märchens eine offensichtliche und schamlose Sünde gezeigt wird“. Disney wollte die Vorgänge nicht kommentieren.

Noch mal die Geschichte in Kürze: Belle gerät in ein Schloss, in dem ein verfluchter Prinz als hässliches Biest haust. Nur die Liebe kann ihn erlösen. Während die Schöne das Ungeheuer näher kennenlernt, macht sich ihr Verehrer Gaston auf die Suche nach ihr. Ihm zur Seite sein Gefährte LeFou, für strenge Sittenwächter eine unmögliche Figur. Denn der von Josh Gad gespielte Diener ist schwul. „Na und?“, möchte man fragen. Schließlich ist Homosexualität in Kino- und Fernsehfilmen längst Teil der Realität. Und es passt zur Disney-Strategie, nach und nach mit alten Vorurteilen aufzuräumen und anzuerkennen, dass die Welt mehr zu bieten hat als weiße Menschen in traditionellen Lebensformen.

Wer jetzt vermutet, dass es in „Die Schöne und das Biest“ deshalb deutlicher zur Sache gehen muss als sonst, liegt falsch. So wie im Trickfilm preist LeFou seinen Freund inbrünstig und aus voller Kehle in der berühmten Kneipenszene: „Ist kein Mann so überaus männlich, redlich, solid, tadellos“. Eine Schwärmerei, hinter der in der Tat mehr stecken könnte als bloße Freundschaftsgefühle. Und die nicht viel anders ist als die Szenen, in denen schon in früheren Filmen immer wieder schwule Andeutungen vermutet wurden, man denke nur an Timon und Pumbaa, Erdmännchen und Warzenschwein aus „König der Löwen“, die Simba zu „Hakuna Matata“ das Singen und Tanzen beibringen.

„LeFou möchte an einem Tag Gaston selbst sein, am nächsten Tag möchte er ihn küssen“, zitieren diverse Medien ein Interview von Regisseur Bill Condon im britischen Schwulen-Magazin „Attitude“. „Er ist verwirrt und weiß nicht, was er will. Ihm wird gerade klar, dass er diese Gefühle hegt.“ Am Ende wird Disney sogar noch deutlicher, wenn LeFou am allgemeinen Überschwang der Gefühle teilhaben darf und plötzlich einen Mann in den Armen hält, mit dem er tanzt. Condon spricht von einem „exklusiven schwulen Moment“ - der in einem Wimpernschlag schon wieder vorbei ist.

„Viel Lärm um nichts“, kommentiert Helmut Metzner vom Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes die Empörung etwa in Russland. „Das spricht für eine Angst vor Homosexuellen oder Menschen, die anders leben oder anders empfinden“, meint er. Kinder würden die Anspielung wahrscheinlich nicht mal bemerken. Dass es diesen besonderen Moment in „Die Schöne und das Biest“ gibt, freut Metzner aber. „Es ist ein Signal der Selbstverständlichkeit, das gehört einfach dazu.“

Ähnlich sieht es Luke Evans, der den eingebildeten Schönling Gaston spielt: „Wenn man etwas tiefer gräbt, kann man verstehen, dass man keine Angst vor Dingen haben muss, die man nicht kennt, oder vor Leuten, die etwas anders aussehen“, sagte er dem Magazin „People“.

Und was sagt Gaston selbst dazu, Objekt von LeFous Begierde und zum Leidwesen des Dieners nur an der hübschen Belle interessiert? „Ja, ich bin ein Prachtexemplar“, gibt er völlig ironiefrei zu und schwärmt: sein Talent im Weitspucken, sein wunderbarer Bizeps und „mein Körper, er strotzt voller Haar!“. Wer könnte da widerstehen?

dpa

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