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Kultur im Rest der Welt Die Toten Hosen begeistern zum Tourauftakt in Chemnitz
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12:03 06.11.2017
Campino singt sich die Seele aus dem Leib. Quelle: Gregor Fischer
Chemnitz

Auf einmal steht Leonardo auf der Bühne und ist sichtlich überfordert mit der Situation. Frontmann Campino hat den Achtjährigen spontan aus der ersten Reihe zu sich ins Rampenlicht geholt.

Wenn keiner mehr in Chemnitz Die Toten Hosen kenne, solle er von ihnen erzählen, fordert der durchgeschwitzte Sänger. „Leonardo, du musst die Fackel weitertragen, okay?“ Auf absehbare Zeit aber scheint der Junge von dieser Aufgabe befreit zu sein: Zum Auftakt der Konzerttournee „Laune der Natour“ drängen sich weit mehr als 10 000 Fans in der ausverkauften Arena in Chemnitz.

Leonardo ist mit seinen acht Jahren einer der jüngsten Besucher. Er steht auch symbolisch für die bereits dritte Generation, die Die Toten Hosen inzwischen in ihren Bann ziehen. Seit 35 Jahren rocken die Düsseldorfer durch große Arenen und Stadien, aber auch kleine Clubs und enge Wohnzimmer: mal laut, mal leise, punkig, rockig und balladesk. Und mit Texten, die eben auch ein Achtjähriger leicht beherrschen kann. „Der Typ hat alles mitgesungen hier vorne“, klärt Campino auf und reicht dem verschüchterten Leonardo die Hand.

Seit Mai ist das 16. Studioalbum der Kult-Rocker auf dem Markt. Es heißt „Laune der Natur“ und bildet die Klammer für den mehr als zweistündigen Livekraftakt des Quintetts. Nach dem Intro mit einem Comic-Film, der an das Video von „Take On Me“ von a-ha erinnert, geht es mit dem CD-Eröffnungstitel „Urknall“ gleich in die Vollen.

Und als schon die Lichter wieder angehen und gut gelaunte Menschen in die feuchtkalte Sonntagnacht entschwinden, erklingt das ergreifende „Kein Grund zur Traurigkeit“ aus den Lautsprechern. Der Countrysong, den der im Vorjahr verstorbene ehemalige Hosen-Schlagzeuger Wolfgang „Wölli“ Rohde im Johnny-Cash-Stil singt, ist das letzte Lied auf dem Album - und es beschließt fast schon im Vorübergehen den Konzertabend.

Dazwischen bedienen Sänger Campino, die Gitarristen Andreas „Kuddel“ von Holst und Michael „Breiti“ Breitkopf, Bassist Andreas „Andi“ Meurer sowie Vom Ritchie am Schlagzeug mit sichtlicher Leidenschaft alle drei Fan-Generationen ihrer Bandgeschichte: Von „Eisgekühlter Bommerlunder“ (1983) über „Hier kommt Alex“ vom Album „Ein kleines bisschen Horrorshow“ (1988) oder „Zehn kleine Jägermeister“ vom neunten Studiowerk „Opium fürs Volk“ (1996) bis zur Hymne „Tage wie diese“ (2012). Der Chor der Besucher singt aus voller Kehle mit.

Bei den Toten Hosen gehören „Pop & Politik“ nicht nur als Titel eines Liedes auf dem neuen Album zusammen. Vor „Willkommen in Deutschland“, in dem die Band sich schon 1993 auf der Platte „Kauf mich!“ mit der aufkeimenden Fremdenfeindlichkeit auseinandergesetzt hat, bezeichnet Campino das Ergebnis der Bundestagswahl auch als Chance, „dass man selber wieder eine Kontur gewinnen kann, warum man da ist, warum man sich für oder gegen etwas einsetzt“.

Die Fans in der Arena seien für ihn wie die Leute bei Anti-Pegida in Dresden eine letzte Instanz, die den Job machten, den alle in Deutschland machen sollten. Dafür könne man sich nur bedanken, ruft der Sänger ins Publikum und erntet Jubel.

Bis zum Ende des Jahres stehen für die Band weitere 24 ausverkaufte Konzerte in Deutschland, der Schweiz und in Österreich auf dem Plan.

dpa

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