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Immer schön sachlich bleiben!

Das Kulturjahr 2018 Immer schön sachlich bleiben!

Die besten Filme, die spannendsten Ausstellungen und die lohnendsten Konzerte: Wir blicken auf die Höhepunkte des Kulturjahres 2018. In dieser Folge geht es um Sachbücher von Adorno bis Marc Aurel, von Fußball bis Fieber. Danach schließt der Ausblick auf die besten Games die Reihe ab.


Quelle: dpa

Berlin. Kaum ein Jahr vergeht, das nicht geprägt ist von offiziellen und inoffiziellen, von öffentlich begangenen und im kleinen Rahmen gefeierten Jubiläen, Gedenktagen und runden Geburtstagen. Begleitet wird das allgemeine Erinnern oft von kluger Literatur. Und auch 2018 reagiert der Sachbuchmarkt mit zahlreichen Neuerscheinungen auf alles, was sich jährt in diesem Jahr.

Vor 400 Jahren begann der Dreißigjährige Krieg im Mai 1618 mit dem Prager Fenstersturz. Nachdem bereits in diesem Jahr Herfried Münkler seine opulente Geschichte dieser folgenreichen kriegerischen Auseinandersetzung bei Rowohlt veröffentlicht hat, erscheint 2018 zu dem Thema Georg Schmidts Buch „Die Reiter der Apokalypse“ bei C.H. Beck (800 Seiten, 34 Euro). Jenseits dieser Großerzählungen lassen sich konkrete Gewalterfahrungen und Erinnerungen von Zeitgenossen aus allen Gesellschaftsschichten in Hans Medicks Buch „Der Dreißigjährige Krieg. Zeugnisse vom Leben mit Gewalt“ nachlesen.

Seit einigen Jahren ist es in Mode, historische Ereignisse oder gar Zeiträume in den Kontext von Erbeben, Eiszeiten oder Epidemien zu stellen. So erscheint, 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, Laura Spinneys Buch „1918. Die Welt im Fieber“ (Hanser), in dem sie den Einfluss der Spanischen Grippe als weltumspannendes gesellschaftliches Phänomen beschreibt.

Das Jahr 1968 beeinflusst die Erinnerungslandschaft

Das Jahr 1968 beeinflusst die Erinnerungslandschaft.

Quelle: dpa

Auch das Jahr 1968 wird in den kommenden zwölf Monaten die Erinnerungslandschaft beeinflussen. 50 Jahre ist es her, dass zuvörderst Studenten in Europa und den USA die Gesellschaft umzukrempeln versuchten. Was als gewollte Revolution begann und als Revolte weiterging, endete erfolgreich als Marsch durch die Institutionen, und es beschäftigt zahlreiche Autoren in ihren Neuerscheinungen. Der Soziologe Heinz Bude zieht in „Adorno für Ruinenkinder“ (Hanser) Bilanz, Christina von Hodenberg (C. H. Beck) zeigt ein Achtundsechzig jenseits der altbekannten Legenden, und bei Wagenbach erscheint eine ganze Reihe von Texten aus der damaligen Zeit von Rudi Dutschke, Erich Fried, Peter Brückner und anderen.

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Mit den Büchern „Das wunde Leder. Wie Kommerz und Korruption den Fußball kaputt machen“ von Stefan Gmünder und Klaus Zeyringer sowie Timm Beichelts Buch „Ersatzspielfelder. Zum Verhältnis von Fußball und Macht“ (beide Suhrkamp) können sich Leser und Fußballfans mit kritischer Lektüre auf das Fußballjahr inklusive Fußball-WM in Russland vorbereiten.

Antikefreunde können sich 2018 auf ein neues Buch von Alexander Demandt freuen. Er hat eine Biografie über den römischen Kaiser Marc Aurel verfasst. James Romm wiederum nimmt Seneca und die Kunst des Mordens an Neros Hof unter der Lupe (beide C. H. Beck).

Einer der wichtigsten zeitgenössischen Philosophen der Gegenwart, Bruno Latour, analysiert in seinem Buch „Das terrestrische Manifest“ (Suhrkamp), dass der „Globus für unsere Globalisierungspläne zu klein“ ist und beschreibt, welche Konsequenzen dies für unser Denken haben sollte, unter Einbeziehung der ökologischen Bedingungen unserer Existenz.

Bei Suhrkamp (wo sonst, könnte man sagen) erscheint eine opulente Biografie über Bertolt Brecht. Der Engländer Stephen Parker hat auf rund 1000 Seiten alles verarbeitet, was es über den großen Dramatiker zu berichten gibt. Und Stephen Greenblatt hat sich an den mächtigsten Mythos der Menschheit gewagt und die „Geschichte von Adam und Eva“ (Siedler) geschrieben. Eine faszinierende Erzählung – ganz ohne Jubiläum.

Von Kristian Teetz/RND

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