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Diese Kunst ist vor documenta-Start zu sehen

Umsonst und draußen Diese Kunst ist vor documenta-Start zu sehen

Kunst-Fans brauchen Geduld: Die documenta beginnt zwar am Mittwoch, aber nur fürs Fachpublikum. Doch auch ohne Zugang zu den Ausstellungsorten gibt es bereits viel zu sehen - kostenlos und unter freiem Himmel.

Daniel Knorr sieht seine Rauch-Installation auch als „Denkmal für den Frieden“, wie er „Spiegel Online“ sagte.

Quelle: Boris Roessler

Kassel. „Museum Fridericianum“ - der Schriftzug gehört zu Kassel wie der Herkules und der Bergpark. Doch nun ist er weg. Stattdessen steht auf der Front des Gebäudes, in dem 1955 die erste documenta stattfand: „Being safe is scary“ - auf deutsch „Sicher zu sein, macht Angst“.

Ausgetauscht hat den Schriftzug die in der Türkei geborene Künstlerin Banu Cennetoglu. Sie widmete sich bei der documenta in Athen Gurbetelli Ersöz, einer prokurdischen Journalistin und früheren Freiheitskämpferin.

Wie der geänderte Schriftzug sind kurz vor Start der Ausstellung in Kassel mehrere Kunstwerke umsonst und draußen zu sehen. Dass es noch einige mehr werden, ist möglich. Besonders in der Aue, dem stadtnahen Park, wurde zu Beginn der Woche noch gearbeitet.

In und an einem Wassergraben montierten Arbeiter grüne und schwarze Kegel - die gab es auch in Athen zu sehen. „When Elephants Fight, It Is the Frogs that Suffer“ heißt die Klanginstallation des US-Künstlers Ben Patterson in Griechenland, bei der Menschen die Geräusche von Fröschen imitierten.

Die Ausstellungsmacher wollten sich am Dienstag angesichts der bevorstehenden Eröffnung in Kassel nicht mehr zu neuen Kunstwerken in der nordhessischen Stadt äußern. Bereits einen Besuch wert sind diese Kunstwerke:

Die verhüllte Torwache

Die historische Torwache in Kassel ist verschwunden hinter alten Jutesäcken. Das Kunstwerk wirkt zunächst wie eine schmutzige Miniversion der Reichtags-Verhüllung des Verpackungskünstlers Christo, entwickelt aber einen eigenen Charme: Der in Ghana geborene Künstler Ibrahim Mahama verwendet zerschlissene Säcke, die er von Händlern im Tausch gegen neue erhält. Jedes Stoffstück wirkt wie ein Unikat. „In diesen Säcken materialisiert sich die Geschichte des Welthandels“, erklären die documenta-Macher.

Kanalrohre mit Innenleben

Zunächst schienen die gestapelten Kanalrohre auf dem Kasseler Friedrichsplatz eher Vorbote einer Kanalsanierung als ein Kunstwerk zu sein. Mittlerweile haben sie aber ein Innenleben bekommen: Der aus dem Irak stammende Künstler Hiwa K. hat die Rohre mithilfe von Studenten so ausgebaut, als lebten Menschen darin. Das Kunstwerk hat laut documenta auch Bezüge zu Hiwa K.s Biografie: Der Künstler floh an Bord eines LKWs in übereinandergestapelten Baurohren aus dem Irak.

Tempel aus Büchern

Er steht an prominenter Stelle in Kassels Innenstadt, ist eines der größten Kunstwerke bisher und schon jetzt eine Attraktion: der „Parthenon der Bücher“ auf dem Friedrichsplatz. Der Nachbau der Akropolis wird mit Tausenden verbotenen Büchern verkleidet. In den vergangenen Tagen zeigte sich das Werk der argentinischen Künstlerin Marta Minujín schon einmal testweise von einer neuen Seite: Es wird nachts angeleuchtet werden.

Die Mühle des Blutes

Neben dem Büchertempel gehört die „Mühle des Blutes“ wohl zu den meist fotografierten Kunstwerken bisher. Der Grund: Die Installation des mexikanischen Künstlers Antonio Vega Macotela steht direkt vor dem historischen Orangerieschloss in der Karlsaue. Auf Stelzen hat Macotela 1:1 eine Mühle nachgebaut, mit der Minen-Sklaven in Bolivien Silbermünzen herstellen mussten.

Der Obelisk

Die spitze Steinsäule auf dem Kasseler Königsplatz ist ein Beispiel, wie documenta-Künstler in Kassel fortsetzen, was sie in Athen anfingen: Der in Nigeria geborene Olu Oguibe beschäftigte sich auf der documenta in Griechenland mit der menschlichen Tragödie des nigerianischen Bürgerkriegs. Seine künstlerische Arbeit in Kassel bezieht sich nun laut den Ausstellungsmachern auf die humanitäre Hilfe, die die Opfer erhielten. „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ steht in Deutsch, Englisch, Arabisch und Türkisch auf dem Obelisken.

dpa

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