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Dresdner Sinfoniker musizieren gegen Trump

Anti-Mauer-Konzert Dresdner Sinfoniker musizieren gegen Trump

Das Orchester aus Dresden setzt in Tijuana gemeinsam mit lokalen Bands ein musikalisches Zeichen gegen die geplante Mauer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Schon heute trennt ein Metallzaun an vielen Stellen Familien, Freunde und Geliebte.

Die Dresdner Sinfoniker spielen unter der Leitung von Markus Rindt an der Grenze zwischen Mexiko und USA in Tijuana (Mexiko).

Quelle: Luis Angel Garcia

Tijuana. Die Dresdner Sinfoniker bringen die metallenen Gitterstäbe an der Grenze zwischen Mexiko und den USA mit ihrer Musik zum Schwingen.

Beim Stück „The Big, the Bug, the Cricket & the Quack“ bearbeiten die Schlagzeuger am Grenzzaun aufgehängte Metallfässer mit Vorschlaghämmern - das Echo lässt die Stäbe erzittern.

„Mit Musik und Kunst senden wir eine Botschaft gegen Fanatismus und Nationalismus in der Welt“, sagt Sinfoniker-Intendant Markus Rindt. „Es ist unglaublich. Ein tolles Festival vor einer schönen Kulisse.“ Damit meint er freilich den Pazifischen Ozean - nicht den Grenzzaun zwischen Tijuana in Mexiko und San Diego in den USA.

Über 2000 Menschen lauschen am Samstag der Musik der Dresdner Sinfoniker und des Jugendorchesters Tijuana, den Bands Pucha Lucha und Tijuana No sowie den Sängerinnen Coral MacFarland und Sara Curruchich. Das Konzert unter dem Motto „Tear Down This Wall“ richtet sich gegen die Pläne von US-Präsident Donald Trump, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen, um Drogenschmuggel und illegale Einwanderung zu stoppen.

Zudem versprach er seinen Anhänger, Mexiko für das Milliarden schwere Mega-Projekt zahlen zu lassen. Die mexikanische Regierung lehnt das strikt ab. In den kommenden Tagen werden die Gewinner der ersten Ausschreibungsphase bekannt gegeben, die dann auf einer Brachfläche in San Diego ihre Prototypen errichten sollen.

Auf der US-Seite haben sich einige Trump-Anhänger versammelt. Sie schwenken amerikanische Flaggen und skandieren „Baue die Mauer“. „Wir haben mit unserer Musik kräftig dagegen gehalten“, sagt Rindt. „Es war ein fröhlicher und bunter Protest gegen die Mauer.“

Der mexikanische Künstler Enrique Chiu malt einen Teil des Grenzzauns an, eine Installation mit rosa Tauben erinnert an die Migranten und ein riesiger Spiegel macht die mächtige Metallbarriere für einen Moment unsichtbar.

„Dieses Projekt lädt uns dazu ein, einmal über die Lage der Migranten nachzudenken. Sie sind getrennt von menschengemachten Mauern, die sie von ihren Familien fernhalten“, sagt die Studentin Haidee Patricia Suárez, die bei dem Festival mithilft.

Enrique Morones von der Organisation „Engel der Grenze“ bittet um eine Schweigeminute, für all jene, die beim Grenzübertritt ums Leben kamen. „Es gibt hier mehr Tote als an der Berliner Mauer“, sagt er.

Der Übertritt in den Wüstengebieten zwischen den mexikanischen Bundesstaaten Sonora, Chihuahua und Coahuila und den US-Bundesstaaten Arizona, New Mexico und Texas ist gefährlich. Auf der mexikanischen Seite werden die Migranten häufig Opfer krimineller Banden. Auf langen Fußmärschen durch die Wüste kommen immer wieder Menschen ums Leben.

Vor 30 Jahren hatte sich US-Präsident Ronald Reagan nahe der Berliner Mauer mit einem Satz in die Geschichtsbücher geschrieben: „Mr. Gorbatschow: Tear Down This Wall!“ Zweieinhalb Jahre später wurde aus der Aufforderung, die Mauer einzureißen, Wirklichkeit.

Wenn es nach den Sinfonikern und den anderen Künstler auf dem Festival geht, soll die von Trump geplante Mauer an der Grenze von Mexiko und den USA gar nicht erst entstehen. Auf gut einem Drittel der über 3000 Kilometer langen Grenze steht ohnehin schon ein massiver Stahlzaun - in Tijuana reicht er bis ins Meer.

Ursprünglich hatten die Sinfoniker ein grenzüberschreitendes Konzert geplant. Es sollte ein musikalisches Zwiegespräch zwischen Tijuana und San Diego, zwischen Süden und Norden werden. Allerdings untersagten die US-Behörden den Auftritt im Friendship-Park in San Diego. Aus Sicherheitsbedenken und zum Schutz der Vögel.

„Wenn wir das nächste Mal nach Tijuana kommen, hoffe ich, dass es den Zaun nicht mehr gibt und dass der Freundschaftspark ein echter Park ist, in dem sich die Menschen beider Länder treffen können“, sagt Sinfoniker-Intendant Rindt. „Ich weiß, dass das nicht sehr realistisch ist, aber man wird ja noch träumen dürfen.“

dpa

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