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Eine kraftvolle „Rose Bernd“ in Salzburg

Starke Frauen Eine kraftvolle „Rose Bernd“ in Salzburg

Dritte Theaterpremiere der Salzburger Festspiele 2017: Gerhart Hauptmanns „Rose Bernd“ ist ein Brocken von Theater, archaisch und emotional, aber auch sehr weit weg. Hauptdarstellerin Lina Beckmann macht den Abend äußerst intensiv.

Lina Beckmann als Rose Bernd auf der Perner Insel in Hallein, Salzburg.

Quelle: Barbara Gindl

Salzburg. „Ich bin stark und weiß, was sein muss.“ Ein starker Satz von einer starken Frau zu Beginn eines starken Theaterabends. Bei den Salzburger Festspielen hatte am Samstagabend Gerhart Hauptmanns selten gespieltes Stück „Rose Bernd“ Premiere - inszeniert von Karin Henkel (46).

Es geht um eine junge Frau, die zwischen Kirche, Patriarchat und fragwürdigen Ehrbegriffen aufgerieben und schließlich zur Kindsmörderin wird. Die Neuinszenierung auf der Pernerinsel in Hallein, der Off-Spielstätte der Festspiele, protzte mit deftigen Bildern, derber Sprache und zwingender Schauspielkunst und wurde vom Publikum gefeiert.

Sensation des Abends ist Lina Beckmann (36). Die auch aus zahlreichen TV-Produktionen bekannte Schauspielerin verkörperte die Figur der Rose mit größter Intensität bis zur Selbstentäußerung.

Noch beim Verbeugungsritual zum tobenden Schlussapplaus merkte man ihr an, wie stark sie sich mit dieser Extremrolle identifiziert. Ihr Markenzeichen, eine Art weltwissende Naivität, passt perfekt zu Rose, der einfachen, herzlichen und auch klugen Frau vom Lande, die nichts will als ein bisschen Glück. Die lebendig Art und Weise, wie Beckmann das von Hauptmann geschaffene Kunst-Schlesisch artikulierte, gab der Figur eine archaische Tiefendimension.

Zu Beginn ist Rose mit bunten Bändern, Lametta und stilisierten Trachtenelementen geschmückt wie ein Pfingstochse. Sie hat endlich in eine von ihrem bigotten Vater (Michael Prelle) arrangierte Heirat mit dem im Waisenhaus traumatisierten, aber zu Geld gekommenen Buchbinder August Kiel (Maik Solbach) eingewilligt und will mit ihrem Geliebten, dem Dorfschulzen Flamm (Markus John), Schluss machen. Ein letztes Mal schläft sie mit ihm und wird dabei von Arthur Streckmann beobachtet, einem ebenso gewissen- wie glaubenslosen Machtmenschen und Hedonisten, lauernd-dämonisch gespielt von Gregor Bloéb. Er ist mehrfach bei ihr abgeblitzt und will sich rächen. 

Mit Flamms Frau, die ihr eigenes Kind verloren hat und die Eskapaden ihres Mannes hinnehmen muss, gibt es noch eine zweite starke Frau in dem Stück, verkörpert von der ebenfalls sehr überzeugenden Julia Wieninger. Sie weiß, dass Rose schwanger ist und will ihr aus der Patsche helfen. Doch als sie merkt, dass es das Kind ihres eigenen Mannes ist, zieht sie sich zurück. Da ist Rose schon ganz unten. Sie hat einen Meineid geschworen, nachdem sie Streckmann, der in einer Auseinandersetzung ihrem Verlobten ein Auge ausschlug, öffentlich beschuldigte, „mit all'r Welt a Gestecke“ zu haben. Dann distanziert sich, wie zuvor ihr Vater, auch der in seiner Mannesehre gekränkte Flamm. „Ich bin stark gewest, jetzt bin ich am Ende“, stammelt Rose. Ihr Kind ist da schon tot.

Natürlich fragt man sich, was das alles mit der heutigen Zeit zu tun haben soll. Hauptmanns Stück aus der schlesischen Provinz des frühen 20. Jahrhunderts wirkt sehr weit weg von einer Gesellschaft, in der die Kirche marginalisiert ist und man darüber diskutiert, ob es überhaupt so etwas gibt wie Geschlechter.

Doch die Regisseurin Karin Henkel hält offenbar nichts von mehr oder weniger überzeugenden Aktualisierungen. In einem dunklen Hangar mit Ventilatoren, Kirchenfenstern und einem grobhölzernen Laufsteg (Bühne: Volker Hintermeier) erschafft sie ein Theater der starken Charaktere und Emotionen. Dazu lässt sie einen glänzend einstudierten Sprechchor antreten, der so etwas wie die Kollektivmoral verkörpert oder, banaler, die dörfliche Gerüchteküche. Das funktioniert dank überragender Schauspieler wie Lina Beckmann alles sehr gut, auch wenn die Spannung gegen Ende ein wenig nachzulassen scheint.

dpa

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