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Eine tiefe Verbeugung vor Peter Gabriel

Berlin Eine tiefe Verbeugung vor Peter Gabriel

Es hat zwar etwas gedauert, aber am Ende wäscht dann wirklich eine Hand die andere.

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Peter Gabriel wird gewürdigt. Foto: Michele Turriani

Berlin. Es hat zwar etwas gedauert, aber am Ende wäscht dann wirklich eine Hand die andere. Renommierte Singer/Songwriter und Bands interpretieren auf einem Tribute-Album zwölf Lieder ihres Kollegen Peter Gabriel (63) - ein Tauschgeschäft wird besiegelt.

Denn mit dieser von Peter Gabriels Label Real World veröffentlichten Platte schließt sich ein Kreis. Anfang 2010 hatte der Brite ein Cover-Album mit einigen seiner Lieblingslieder herausgebracht - und die Hoffnung geäußert, dass die von ihm auf „Scratch My Back ...“ gewürdigten Künstler schon bald zu Gegenleistungen bereit sein könnten.

Die nun unter dem spiegelbildlichen Titel „... And I'll Scratch Yours“ vorliegende Platte versammelt überwiegend genau jene Musiker, deren Lieder Gabriel damals so sensibel zu großer Orchester-Begleitung interpretiert hatte. Nun gut, der viel beschäftigte Neil Young, der extrem zurückgezogen lebende David Bowie und die Mega-Band Radiohead konnten oder wollten nicht liefern. Aber auch ohne diese Rock-Ikonen ist eine beeindruckende Teilnehmerliste zusammengekommen.

So lässt Paul Simon die Apartheid-Anklage „Biko“ als schlichten Akustiksong neu glänzen. Lou Reeds E-Gitarre und Brummelstimme sägen durch den Welthit „Solsbury Hill“. Und die britische Sympathen-Truppe Elbow ist in „Mercy Street“ vom Original kaum zu unterscheiden - ihr Sänger Guy Garvey klang schon immer wie ein jüngerer Peter Gabriel.

Andere nehmen sich mehr Freiheiten, etwa der für Bowie eingesprungene Brian Eno mit dem düsteren „Mother Of Violence“ oder David Byrne (Ex-Talking Heads) mit seiner White-Funk-Version von „I Dont Remember“. Auch Arcade Fire finden beim Gassenhauer „Games Without Frontiers“ durchaus einen neuen, für die kanadische Band typischen Ansatz.

Die eigentliche Überraschung sind unbekanntere Gabriel-Verehrer wie Regina Spektor („Blood Of Eden“) oder der hoch talentierte Joseph Arthur („Shock The Monkey“). Justin Vernon alias Bon Iver revanchiert sich mit seiner Fassung der Ballade „Come Talk To Me“ für Gabriels „Flume“-Interpretation auf dem ersten „Scratch“-Album von 2010.

„Seine Version von "Flume" hat mich umgehauen“, sagt Vernon begeistert. „Er lenkte die Aufmerksamkeit auf gewisse Dinge in dem Song, die ich mit meiner Stimme und aus meiner Perspektive nicht unbedingt beleuchte - kleine Textpassagen oder Akkordwechsel. Dadurch gibt er dem Song einen anderen Dreh.“ Und das ist schließlich der Sinn einer guten Cover-Version.

In einem ganz ähnlichen Sinne grandios auch, wie Randy Newman Gabriels Funk-Kracher „Big Time“ als Piano-Ballade knödelt. Und „Don't Give Up“, das schönste Lied des Ex-Genesis-Frontmannes, wird von der Kanadierin Leslie Feist ganz anders, aber nicht weniger verletzlich interpretiert als seinerzeit von Gabriel in Begleitung der Pop-Elfe Kate Bush. Feist hatte Bushs Part schon bei Peter Gabriels Nordamerika-Tour als Gast übernommen. Nun aber singt sie den „männlichen“ Teil des Songs und überlässt den „weiblichen“ einem Mann (Taylor Kirk von der Folkpop-Nachwuchsband Timber Timbre).

Keine der zwölf Interpretationen von Gabriel-Juwelen enttäuscht, einige sind brillant - so lässt man sich gegenseitige Freundschaftsdienste unter Künstlern gern gefallen. Und dass Peter Gabriel eine solche Verbeugung vor seinem Werk verdient hat, steht wohl außer Frage.

Konzerte von Peter Gabriel: 3.10. Wien, 8.10. Genf, 11.10. Leipzig, 13.10. Stuttgart, 16.10. Düsseldorf, 18.10. Hamburg, 19.10. Berlin

Website Peter Gabriel

dpa

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