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Einmaliger Konzertsaal: Der Klang der Elbphilharmonie

Stürmischer Applaus Einmaliger Konzertsaal: Der Klang der Elbphilharmonie

Wie klingt wohl die Elbphilharmonie? Schon Wochen vor der Eröffnung stand diese Frage im Raum. Am Mittwochabend war es soweit.

Der Dirigent Thomas Hengelbrock hält beim Schlussapplaus die Noten des Komponisten Wolfgang Rihm in die Höhe.

Quelle: Christian Charisius

Hamburg (dpa) – Hat sich der Aufwand gelohnt, ist das alles die Hunderten von Millionen wert gewesen, waren Skandal und Streit am Ende doch nicht vergebens?

Als die letzten Akkorde von Beethovens „Ode an die Freude“ die Menschen in der Elbphilharmonie aus ihren Sitzen rissen, schien die Antwort deutlich.

Wenn der stürmische Applaus ein Maßstab sein kann, dann waren sich wohl die meisten der 2150 Zuhörer am Mittwochabend einig: Ja, das war alles (fast) richtig so, auf dem Kaispeicher, in Deutschlands Hafenmetropole, ist dann doch noch ein weltweit einmaliger Konzertsaal entstanden.  

Und auch die Frage, die viele in den Wochen vor der Eröffnung umtrieb - wie wird der Saal klingen, wird sich die Musik zwischen dem Beton, Glas und Holz entfalten können - hatte sich erledigt. Mehr als drei Stunden lang loteten das NDR Elbphilharmonie Orchester und die Solisten die Möglichkeiten der „Elphi“ aus. Mit Kompositionen von der Renaissance bis ins 21. Jahrhundert lieferte Chefdirigent Thomas Hengelbrock so etwas wie eine akustische Leistungsschau des Saales ab.

Schon vor dem eigentlichen Konzert, bei der offiziellen Eröffnungszeremonie mit Bundespräsident Joachim Gauck, hatte Hengelbrock sinfonische Kost geboten. Beethovens Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“, Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre zu „Ruy Blas“ und der vierte Satz von Johannes Brahms‘ 2. Sinfonie ließen ahnen: Die Elbphilharmonie wird kein Problem mit leisen Tönen haben - im Gegenteil.

Wenn die NDR Elbphilharmoniker aufdrehen, dann rast der Sound der Blechbläser nur so durch den Saal, da wummern die Kontrabässe und die Geigen schrauben sich bis in die letzten Reihen hinauf, hoch oben, fast 30 Meter über dem Podium. An diese Unmittelbarkeit des Klanges wird sich das Orchester wohl noch gewöhnen müssen.

Dabei hatte es im Vorfeld erhebliche Zweifel gegeben, ob die Akustik des Saales dem Meisterwerk der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron ebenbürtig sein würde. Denn ein sensationeller Bau garantiert noch nicht einen Spitzenklang. Zu verwinkelt ist die Elbphilharmonie, als dass die Wellen pur und ungestört auch die Ohren der Zuhörer erreichen können. Diese als „Weinberg“ entworfene Halle mit ihren verschobenen Ebenen, den schrägen und verwinkelten Wänden und dem Orchesterpodium in der Mitte bereitete den Akustikern Kopfzerbrechen.

Damit sich der Schall nicht ungesteuert über den Raum verteilt, setzten die Fachleute unter der Leitung des Akustikers Yasuhisa Toyota an die 10 000 Gipspaneele an die Wände, die den Klang führen und damit für ein präzises Hörerlebnis sorgen sollen.

Der Japaner, der wohl gefragteste Akustiker weltweit, hat in Hamburg einen Klangraum geschaffen, der äußerst sensibel reagiert – direkt, ohne Umschweife erreichen die Schwingungen das Ohr der Hörer.

„Zum Raum wird hier die Zeit“ – mit dem Zitat aus Richard Wagners „Parsifal“ als Motto entwarf Hengelbrock für die Eröffnung ein Programm, bei dem Musiker wechselweise vom Orchesterpodium und den Rängen musizierten und so auch die Reichweite ausprobierten.

Fast nahtlos und ohne Pause gingen dabei die Stücke ineinander über – von Benjamin Brittens Oboensolo „Pan“, über das „Mysterium des Augenblicks“ des französischen Modernen Henri Dutilleux mit seinen unterschiedlichen Klangquellen bis zu einer wie aus der Zeit gefallenen italienischen Arie aus dem späten 16. Jahrhundert mit dem Countertenor Philippe Jaroussky.

Eigens für den Abend hatte Wolfgang Rihm vier Gedichte als Hommage an den Hamburger Lyriker Hans Henny Jahnn vertont – düstere Texte von Peter Huchel, Jahnn und Walter Muschg, die der Tenor Pavol Breslik mit dunkler Färbung vortrug.

Da erschienen das „Parsifal“-Vorspiel und zum Schluss der letzte Satz von Beethovens Neunter wie optimistische Ausblicke in die Zukunft des Glaspalastes an der Elbe. „Diesen Kuss der ganzen Welt“, ruft der Chor am Ende der „Ode an die Freude“. Die Botschaft klang an diesem kalten Hamburger Abend wie eine Verheißung. 

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