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Einstürzende Neubauten in der Elbphilharmonie

Geräuschesucher Einstürzende Neubauten in der Elbphilharmonie

Die Hamburger Elbphilharmonie soll ein Haus für alle sein. Das haben die Verantwortlichen immer wieder betont. Nach den Eröffnungstagen voll klassischer Hochkultur wurde es bei einem Doppelkonzert nun erstmals richtig rockig und laut - mit den Einstürzenden Neubauten.

Rock-Einweihung: Die Einstürzende Neubauten in der Elbphilharmonie.

Quelle: Christian Charisius

Hamburg. Dass sie Sinn für Humor haben, ist den Programm-Machern der Elbphilharmonie sicher nicht abzusprechen. Wie sonst hätten sie nur zehn Tage nach der Eröffnung des neuen Hamburger Kultur-Wahrzeichens die Einstürzenden Neubauten einladen können?

„Guter Witz, oder? Da hat sich jemand was dabei gedacht“, fand auch Neubauten-Sänger Blixa Bargeld - und sorgte mit seinen langjährigen Mitstreitern bei einem Doppelkonzert für einen denkwürdigen Abend.

Den einstigen Lärm-Apokalyptikern aus Berlin war es vorbehalten, als erste Rockband zu testen, wie die Akustik des Großen Saales klingt, wenn man sie mit einer gewaltigen Soundanlage herausfordert. Und schon nach dem zweiten Song, dem wummernden „Haus der Lüge“ war am Samstag klar: Die Elbphilharmonie kann auch laut.

Dies fand auch Intendant Christoph Lieben-Seutter, der der Deutschen Presse-Agentur „ganz happy“ sagte: „Es war ein ausgezeichneter Sound. Die Soundanlage ist aufwendig, aber sie hat geliefert.“

Geliefert haben an diesem Tag aber vor allem die Einstürzenden Neubauten. Die früheren Mauerstadt-Punks, die nach ihrer Gründung 1980 nie Mainstream, aber für Größen wie Depeche Mode oder Rammstein wegweisende Klangpioniere waren, hatten den Saal im Griff. Allen voran der meist stoisch stehende Bargeld, das Zentrum der Band. Mal schrie der 58-Jährige wie bei „Redukt“, mal wisperte er wie bei „Silence Is Sexy“, mal ließ er wie bei „Sonnenbarke“ seine Stimme die weiße Haut emporsteigen.

Dazu trommelten N.U. Unruh (bürgerlich Andrew Chudy) und Rudolf Moser auf zig verschiedenen Gegenständen: einer blauen Tonne, Autofelgen, Stahl- und Plastikrohren und Kanistern. Aus einer Blechwanne krachten Stahlstifte scheppernd zu Boden, eine gold-silberne Rettungsdecke wurde von Unruh zum Klangteppich umfunktioniert. Ganz der Devise folgend, weiter auf der „ewigen Suche nach dem noch unentdeckten Geräusch“ zu forschen, wie es auf der Band-Homepage heißt.

Und einen kleinen Seitenhieb Richtung Veranstaltungsort gab es auch - wenn auch nicht absichtlich. So raunte Bargeld aus dem Song „Die Befindlichkeit des Landes“ die Zeilen: „Die neuen Tempel haben schon Risse, künftige Ruinen“ - begleitet vom Kichern im Publikum, das diese Worte auf die Elbphilharmonie bezog.

Manche Zuhörer hatten bei den von Bassist Alexander Hacke nach vorn getriebenen härteren Nummern sichtlich Mühe, ruhig hocken zu bleiben - sie tanzten quasi im Sitzen. Die Emotionen mussten raus. Nach den ersten Tagen voll klassischer Hochkultur ein noch ungewohnter Anblick im neuen Konzerthaus am Hafen.

Doch Lieben-Seutter hatte ja betont, dass die Elbphilharmonie ein „Haus für alle“ sein soll - Rockbands eingeschlossen. Schließlich sei der Name der Einstürzenden Neubauten ja auch „nicht der entscheidende Grund“ für die Verpflichtung gewesen, „sondern weil es eine fantastische Band ist“, sagte der Intendant.

Und so sollen den legendären Avantgarde-Pionieren weitere Größen aus dem Reich der Popkultur folgen. Fix ist etwa der Auftritt der alternativen Country-Band Lambchop aus den USA (22. Februar) oder des norwegischen Indie-Duos Kings of Convenience (8. Mai). Lieben-Seutter versprach nach dem furiosen Auftritt der Einstürzenden Neubauten: „Das war das erste Rock-Konzert - und da haben wir noch einiges in Planung.“

dpa

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