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Kultur im Rest der Welt Einziges Deutschland-Konzert: Groß, größer, Eminem
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10:32 11.07.2018
Eminem gab sein einziges Konzert in Deutschland vor 75.000 Fans in Hannover. Quelle: credit@jeremydeputat
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Hannover

Die Erwartungen sind groß auf dem Messegelände, aber Eminem ist größer. Noch bevor der Rap-Superstar die Bühne betritt, erscheint er als Gigant auf der Videowall. Wie Godzilla stampft er zwischen Wolkenkratzern umher. Oben trägt er eine Kapuzenjacke in Flecktarn, unten weiße Turnschuhe, Typ Nike Air­force One. Lässig zertrampelt er ein Auto und reckt die Mittelfinger in die Kamera. „Fuck ass shit“, ruft der Rap-Riese. Dann fällt der Vorhang und da steht er – Eminem. Gefühlte 75.000 Smartphones richten ihre Linsen auf die Bühne. Der Dauerregen des Tages hat sich verzogen. Die ersten Verse gehen unter im tosenden Jubel.

„Es gibt kein Anzeichen, dass ich ruhiger werde, diese Zeilen sind meine Kugel, ich lade sie und eröffne das Feuer“: Der 45-Jährige eröffnet das Konzert mit dem Dr.-Dre-Song „Medicine Man“. Die Zeilen geben vor, was die Fans in den kommenden zwei Stunden erleben sollen. „Es ist lange Jahre her, habt ihr mich vermisst?“, ruft er.

45 Jahre und Dreitagebart

Bis auf den Dreitagebart sieht Eminem immer noch aus wie der Eminem der Jahrtausendwende (Retro-Jogginganzug, die Kapuze im Gesicht, darunter eine T-Shirt-Hommage an den Rap-Pionier Rakeem). Das Wichtigste vorweg: Er klingt wie Eminem, bewegt sich auch mit 45 Jahren wie die aufstrebende Rap-Sensation, die er damals war. Kaum zu glauben, dass zwischen diesem Auftritt und seinem Debüt „The Slim Shady LP“ fast 20 Jahre liegen.

Das rund 30 Songs umfassende Set ist gespickt mit allen Hits, vom jähzornigen „I Just Don’t Give a Fuck“ über den hymnischen Charterfolg „Love the Way You Lie“, den Rap-Rock-Stampfer „Lose Yourself“, das muntern-alberne „With­out Me“ und natürlich „Stan“, den Feuerzeugsong.

„Habt ihr mich vermisst in Deutschland?“ Rap-Superstar Eminem gab am Dienstagabend in Hannover sein einziges Deutschland-Konzert – und erfüllte die Erwartungen der 75.000 Fans.

Neben Eminem, seinem Support-Rapper Mr. Porter und der Sängerin Skylar Grey steht eine Liveband. Dahinter zeigt die Videowall eine post-apokalyptische Industrie-Skyline – die überzeichnete „Motor City“ Detroit. Die Band verleiht der minimalistischen Rapshow die Liveatmosphäre, ohne die ein Konzert dieser Größenordnung wohl nicht auskommt. Natürlich ist so ein Megaevent Lichtjahre entfernt von der schwitzigen Intimität der Rap-Wettstreits, wie sie im Eminem-Biopic „8 Mile“ zu sehen sind. Den Fans ist das heute egal. „Thank you for coming!“, hält einer ein Schild hoch.

In Hannover stimmt der Sound

Auch wenn die internationale Presse die erste Hälfte der Revival-Tour kritisch besprochen hat, sind die Fans in Hannover heute glücklich. Das „St. Galler Tagblatt“ beklagt nach einem Auftritt in der Schweiz, „dem bis auf die Sekunde getakteten Konzert fehlte es an Spontanität“. Auf dem Roskilde-Open-Air bemängeln Besucher, dass die Musik in den hinteren Reihen kaum zu hören war. In Hannover stimmt der Sound. „Mit einer der Boxen könnte man ganz Uetze beschallen“, urteilt ein Fan am Bierstand, mit Blick auf die Power-Anlage. Überhaupt wirken die meisten Fans, auch klitschnass und durchgefroren zufrieden. Sie haben bis zu 650 Euro (Ultimate-VIP-Ticket) bezahlt, um das Idol ihrer Jugend live zu erleben, und genau das wird ihnen bei der Eminem-Show geboten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Indiskutabel katastrophal ist dagegen ein Problem, dass der Dimension des Gigaevents geschuldet ist. Wer hinten steht, sieht nix. Drei Leinwände helfen bei dem riesen Gelände wenig. Die Differenz zwischen einem 90-Euro-Ticket (Stehplatz normal) Euro und einem für 120 Euro (Front of Stage 1) entscheidet über Spaẞ und Frust. „Verlier dich besser in der Musik. Der Moment ist dein, lass ihn nie wieder los. Du hast nur diese eine Chance, verpass sie nicht“, singt Eminem in „Lose Yourself“. Viele hätten das gerne getan, aber so ganz ohne Sicht auf den Künstler ist das nicht leicht.

Von Mario Moers/HAZ/RND

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