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Kultur im Rest der Welt Ex-Tennisspieler und Dokumentarfilmerin beim Wettlesen
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12:14 03.07.2017
Der Germanistikstudent Björn Treber rechnet sich nur „Außenseiterchancen“ aus. Quelle: Erwin Scheriau
Klagenfurt

Er ist mit 25 Jahren der jüngste Teilnehmer des diesjährigen Wettlesens um den Ingeborg-Bachmann-Preis - und war eigentlich ein begnadeter Tennisspieler.

Der Österreicher Björn Treber hat einst mit dem aktuellen Weltranglisten-Achten Dominic Thiem trainiert, war mehrfacher Jugendstaatsmeister, hat aber wegen Rückenproblemen mit 17 Jahren mit dem Sport aufgehört. „Immerhin hat man auf Tennisturnieren viel Zeit zum Lesen“, sagt Treber, der mit bisher vier lyrischen Erzählungen unter die Schreiber gegangen ist.

Der Germanistikstudent gehört zu den 14 Autorinnen und Autoren, die vom 5. bis 9. Juli in Klagenfurt bei den 41. Tagen der deutschsprachigen Literatur lesen. Sein Text über das Begräbnis eines Großvaters stammt aus seinem ersten, bisher 300 Seiten langen Roman „Weintrieb“ über die Hürden beim Schreiben einer Biografie. „Das Schreiben einer Biografie ist ein Unternehmen mit vielen weißen Flecken“, meint er.

Die Literaturtage sind in diesem Jahr nicht das einzige Ereignis, das an das Leben und Wirken der mit höchsten Preisen ausgezeichneten Ingeborg Bachmann (1926-1973) erinnert. Im Februar erschien mit „Male Oscuro“ der erste einer auf 30 Bände angelegten Werkausgabe. Diese „Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit“ - Traum-Notizen, Briefe an ihre Ärzte und Redeentwürfe - sorgten für Aufsehen.

Die Seiten gewähren tiefe Einblicke in das Leid und den Schmerz der Literatin nach der Trennung vom Schweizer Schriftsteller Max Frisch. Im Mai erschien als zweiter Band „Das Buch Goldmann“. Laut Suhrkamp-Verlag sind bei dem Mammut-Projekt zwei Bände pro Jahr angedacht. Ende 2018 werde ein erster Gedichtband erscheinen - und 2019 der Briefwechsel mit Hans Magnus Enzensberger.

Die Vertrautheit mit dem Werk der gerade für ihre Gedichte hoch geachteten Bachmann ist keine Voraussetzung für die Teilnahme an dem renommierten Wettbewerb. Vielmehr können die neun Mitglieder der Jury in alleiniger Regie ihren Favoriten einladen.

Aus Deutschland sind vier Autoren dabei. Jörg-Uwe Albig aus Bremen arbeitet als Autor für verschiedene Magazine in Berlin. Der Frankfurter Eckhart Nickel war unter anderem Chefredakteur des Literaturmagazins „Der Freund“. Mehrfach ausgezeichnet wurde bereits Noemi Schneider aus München. Die Autorin und Dokumentarfilmerin drehte unter anderem eine Dokumentation über eine israelisch-arabische Fußballerin. Jackie Thomae aus Halle/Saale ist Texterin, Ghostwriterin und Romanautorin („Momente der Klarheit“). Im vergangenen Jahr hatte die in Berlin lebende Autorin Sharon Dodua Otoo gewonnen.

Eröffnet werden die Tage traditionell mit der Klagenfurter Rede zur Literatur. Diesmal wird sie der österreichische Autor Franzobel („Floß der Medusa“) halten. Er selbst hatte den Bachmannpreis 1995 gewonnen. Unter dem Titel „Das süße Glück der Hirngerichteten“ wird die Rede eine Abrechnung mit der Verdummung, der Ignoranz und der Herzlosigkeit in der Welt. „Alles, was wir durch Erbschaften reichen Feudalmenschen der freien Marktwirtschaft bereit sind zu teilen, beschränkt sich auf die sozialen Netzwerke“, heißt es im Redetext.

Treber gibt sich beim Wettlesen um den mit 25 000 Euro dotierten Hauptpreis nüchtern-skeptisch und sieht „Außenseiterchancen“. Falls es mit dem großen Coup nicht klappt, gibt es noch vier weitere Kategorien, in denen Preisgeld wartet: Der Deutschlandfunk, der erstmals die Lesungen und Jurydiskussionen überträgt, stiftete einen mit 12 500 Euro dotierten Preis. Zu gewinnen gibt es weiterhin den Kelag-Preis (10 000 Euro) und den 3sat-Preis (7 500 Euro). Das Publikum kann via Internet seinen Liebling bestimmen (7000 Euro) - aber nur ein Voting mit zusätzlicher Begründung zählt.

dpa

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