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Kultur im Rest der Welt „Astrid“ – Pippi Langstrumpfs Mutter
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14:20 04.12.2018
Ein freier Geist in einer engen Welt: Astrid Lindgren (Alba August). Quelle: Foto: DCM
Hannover

„Ich mach’ mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt ....“, Generationen von Kindern kennen diesen Spruch von der rotzfrechen Pippi Langstrumpf. Ihrer Schöpferin Astrid Lindgren verhalf der sommersprossige Rotschopf zu internationalem Ruhm – ein mutiges und ungestümes Mädchen, das weiss, was es will.

Astrid“ ist mehr als das übliche Abhaken von Lebensstationen

Auch die berühmte schwedische Kinder- und Jugendbuchautorin („Ronja Räubertochter“, „Michel aus Lönneberga“, „Die Brüder Löwenherz“), setzte sich über alle Widerstände hinweg. Pernille Fischer Christensen erzählt von Astrid Lindgrens Jugend. Kein Biopic, das Stationen brav abhakt, sondern eine bewegende Geschichte über das Erwachsenwerden, Ausloten eigener Fähigkeiten, über die erste Liebe und ihre Folgen.

Und es geht natürlich auch ums Schreiben. Astrid (Alba August), die quirlige Tochter protestantischer Eltern wächst behütet in Südschweden auf. Eine heimelige Welt, die sie später in ihren „Bullerbü“-Büchern verarbeitet. Als 17-Jährige beginnt sie als Volontärin bei der lokalen Zeitung. Ihr Chef Blomberg (Henrik Rafaelsen) erkennt ihr Talent. Sie verliebt sich in den verheirateten Mann, der ihr Vater sein könnte.

Gebannt wird man Zeuge von Astrids Emanzipation

Mit 18 ist Astrid schwanger, ein Skandal auf dem Land in den 1920er-Jahren. Blomberg verspricht ihr die Heirat nach seiner Scheidung. Um keine Schande über ihre Eltern zu bringen, bricht sie nach Stockholm zur Sekretärinnenschule auf, bekommt in Kopenhagen heimlich ihren Sohn Lasse und übergibt ihn einer dänischen Pflegemutter. Marie (Trine Dyrholm) kümmert sich liebevoll um das Kind, das sie auch als Mutter betrachtet. Was der in Stockholm einsam in Armut lebenden Astrid fast das Herz zerreißt.

Gebannt wird man Zeuge einer Emanzipation: Wie sie den Heiratsantrag von Blomberg ablehnt und mit ihren Sohn später einen schmerzhaften Annäherungsprozess durchleidet. Wenn sie stolz mit ihrem Kind an der Hand ihre Familie besucht, bedeutet das auch den Sieg einer modernen jungen Frau über Spießbürgerlichkeit und Scheinheiligkeit.

Der Film zeichnet das Bild einer moraltriefenden Zeit

Konventionell aber charmant inszeniert, zeichnet diese Hommage nicht nur das Porträt einer außergewöhnlichen und faszinierenden Persönlichkeit und ihren Kampf für weibliche Selbstbestimmung, sondern auch das Bild einer moraltriefenden Zeit. Alba August ist die Seele dieses sich über rund fünf Jahre erstreckenden Schicksalbogens – ob als fröhliche Tochter aus gutem Hause, verliebte Heranwachsende, enttäuschte Geliebte, verzweifelte und am Ende glückliche Mutter.

Nur ganz kurz sieht man Astrid Lindgren im hohen Alter am Schreibtisch während sie Briefe von Kindern liest und deren Zeichnungen betrachtet. Und ahnt, wie sehr sie mit ihrem Werk die Welt vieler Kinder veränderte. Pippi Langstrumpfs Maxime „Lass dich nicht unterkriegen, sei frech, wild und wunderbar“ ist immer noch aktuell.

Von Margret Köhler / RND

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