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Kultur im Rest der Welt „Raus“: Revoluzzer im Wald
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06:00 17.01.2019
Jetzt wird es brenzlig: Glocke (Matti Schmidt-Schaller). Quelle: Foto: Farbfilm
Hannover

Alles ist für alle da? Tue Gutes und dir wird Gutes widerfahren? Alles wird gut? „Alles Schwachsinn. Unsere Welt ist am Arsch, weil die Falschen am Drücker sind.“ So jedenfalls sieht Glocke (Matti Schmidt-Schaller) die Dinge. Und Sex hat er auch noch nicht so richtig gehabt. Um ein Mädchen zu beeindrucken, fackelt er die 400 000-Euro-Protzkarre eines Zuhälters ab. Doch die Aktion endet auch für ihn mit einem Desaster. In Revoluzzer-Pose bricht er durch das Dach eines Dixi-Klos, ein Video von dem gründlich verkackten Abgang geht viral.

Man kann nachvollziehen, was die Jugendlichen in „Raus“ umtreibt

Von der Polizei gesucht, schließt er sich einer Gruppe Jugendlicher an, die sich via Internet zusammengefunden hat und dem Ruf eines gewissen Friedrich folgt, der in einer Hütte in den Bergen wohnt und die Rückbesinnung auf die Natur als Weg in die Zukunft propagiert. Dafür sind Glocke, Judith (Milena Tscharntke), Steffi (Matilda Merkel), Elias (Tom Gronau) und Paule (Enno Trebs) bereit, ihr bisheriges Leben aufzugeben.

Es gibt sicher viele Gründe, am Zustand der Welt zu (ver)zweifeln. Da reicht manchmal schon ein Blick auf die aktuelle Nachrichtenlage. Auch wenn das Unbehagen bei den fünf Jugendlichen etwas diffus bleibt: Man kann zumindest ungefähr nachvollziehen, was die Aussteiger antreibt.

Arg abrupt verfällt die Gruppe in archaisches Verhalten

In seinem Spielfilmdebüt, für das er mit Thomas Böltgen das Drehbuch schrieb, bringt Philipp Hirsch deren Lebensgefühl auch ganz gut rüber. Losgelöst von ihren bisherigen Zusammenhängen, dominiert bei ihnen anfangs das Gefühl grenzenloser Freiheit, das der Regisseur noch mit einem kräftigen Schuss Natur- und Rebellionsromantik verbindet.

Aber was kommt dann? Unterwegs macht Glocke eine Entdeckung, die plötzlich alles infrage stellt. Arg abrupt verfällt die Gruppe in ein archaisches Verhalten, das an William Gouldings Buch „Herr der Fliegen“ erinnert – und im Endeffekt seltsam konsequenzlos bleibt. Die Sympathie für das Quintett will nicht zurückkehren. Was bleibt, ist die Frage, ob Philipp Hirsch seinen Film vielleicht auch gar nicht richtig zu Ende denken wollte.

Von Jörg Brandes / RND

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