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Kultur im Rest der Welt „Free Solo“ – Ein Tänzer am Fels
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06:00 19.03.2019
Ohne Seil und Haken: Alex Honnold am „El Cap“ im Yosemite-Nationalpark. Quelle: Foto: Capelight
Hannover

Erst sieht man nur grauen Fels und tief, ganz tief unten die winzigen grünen Spitzen eines Waldes. Dann aber entdeckt die Kamera einen kleinen roten Punkt in der steilen Wand, der sich bewegt. Ein Mann klettert da - in leichten Spezialschuhen, ohne Seil, ohne Haken und ganz offenbar ohne Furcht. „Ein kleiner Fehler, und du fällst und stirbst“, macht die Moderatorin einer Talkshow die permanente Lebensgefahr klar „Jeder kann jeden Tag sterben“ sagt Alex Honnold trocken. Kein Ding.

Honnold scheint die Kletterfähigkeit einer Stubenfliege zu haben

Der Kern von Elizabeth Chai Vasarhelyis und Jimmy Chins vor drei Wochen Oscar-gekürten Dokumentarfilm „Free Solo“ ist eine Erstleistung, etwas Menschenunmögliches: Alex Honnolds Bezwingung des „El Cap“ eines 1000 Meter hohen Senkrechtfelsens im Yosemite Nationalpark. Die Höhen machen allein beim Zuschauen schwindlig, und man sorgt sich minütlich um den sympathischen Mann, der mit seinen gegen Schweiß gepuderten Händen Halt in einer Wand sucht, die auf den ersten Blick nichts dergleichen bietet.

Honnold steht mit seinen Füßen auf Millimetervorsprüngen, als habe er die Kletterfähigkeiten einer Stubenfliege. Er bewegt sich auf einen Punkt im Berg zu, der nur mit einer extrem riskanten Bewegungsfolge überwunden werden kann. Und der Zuschauer fühlt sich jetzt wie in einem Thriller.

Alltag wird gegen Ausnahmesituation geschnitten

Die Frage, warum Honnold so etwas macht, wird verschiedentlich zu beantworten versucht. Vermutlich gibt es keine Antwort, keine vernünftige jedenfalls. Man lernt den Helden privat kennen, ist dabei, wenn Honnold sich in seinem Wohnwagen etwas zu essen zubereitet, wenn seine Freundin ihm die Haare schneidet und wenn sein Gehirn in einem Tomografen gescannt wird, um Abweichungen zur Norm auszumachen.

Alltag, geschnitten gegen Ausnahmesituation. Honnold erzählt in Rückblenden von sich als melancholischem Jungen. Und dann ist er wieder in seinem Element - Lebensgefahr folgt aus Lebensgefahr. Und er meistert sie alle - ein Tänzer am Fels.

Von Matthias Halbig /RND

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