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„Früchte des Zorns“ - Flüchtlingselend im Theater

Hamburg „Früchte des Zorns“ - Flüchtlingselend im Theater

Der Steinbeck-Roman „Früchte des Zorns“ ist als Flüchtlings-Parabel am Hamburger Thalia Theater zu erleben. Die Premiere der Inszenierung von Luk Perceval leitet die diesjährigen „Lessingtage“ ein.

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Szenenbild: „Früchte des Zorns“ auf der Bühne des Thalia Theaters in Hamburg.

Quelle: Christian Charisius

Hamburg. Unablässig rieselt dürres Laub aus einem Himmel, in dem kein Gott mehr zu wohnen scheint. Es fällt auf düsteres, ausgelaugtes Land, das seine Menschen nicht mehr nähren und schützen kann.

Buchstäblich am Boden sind diese Pachtbauern, vor Hunger und Elend wie verrückt, erstarrt oder auch aggressiv. Mit laut trampelnden Schritten, sich nur mit einer großen Plane bedeckend, machen sie sich auf in einen Staat, der Sonne, Arbeit und bescheidenen Wohlstand verheißt. Bald sterben die Großeltern, die den Abschied nicht verkraften. Und am Ziel lässt es der Himmel bloß regnen - Wassermassen werden einem tot geborenen Baby zum anonymen Grab.

So erzählt es Luk Perceval, in Belgien geborener Leitender Regisseur am Hamburger Thalia Theater, in seiner Inszenierung von John Steinbecks Romanklassiker „Früchte des Zorns“ aus dem Jahr 1939 (Bühnenbild: Annette Kurz). Bei der Premiere der Koproduktion mit dem „NTGent“ am Samstagabend spendete das Publikum freundlichen Beifall - der Regisseur hatte aber auch Buhrufe einzustecken. Seine Aufführung war Auftakt der „Lessingtage“, die offiziell mit einem Bürgerfrühstück am Sonntag eröffnet wurden. Die siebte Auflage des Thalia-Festivals mit eigenen und internationalen Produktionen hat als Schwerpunkt die Flüchtlingsthematik.

Um nicht platt direkt, sondern eher auf der Metaebene auf die gegenwärtige gesellschaftliche Situation zu reagieren, hatte sich Perceval für den Stoff des 1940 von John Ford verfilmten Steinbeck-Romans entschieden. Packend realistisch verarbeitet der Literaturnobelpreisträger darin eine historische Armutsmigration im eigenen Land: Die Flucht von Wanderarbeitern aus Oklahoma über die „Route 66“ nach Kalifornien in den 1930er Jahren. Der 58-jährige Regisseur schuf danach mit sechs intensiven Darstellern verschiedener Nationalitäten, Sprachen und Hautfarben eine entpolitisierte, zeit- und ortlose Parabel über innere und äußere Befindlichkeiten von Migranten.

Ausführlich stellt das Programmheft die polyglotten Biografien der Akteure vor. So soll die Brisanz des Themas auch in deren Person liegen. Auf der Bühne konzentriert sich Perceval auf die Begegnung der Familie Joad mit dem Wanderprediger Casy (Bert Luppes). „Ich bin kein Prediger mehr“, schreit der Alte, mit Gott hadernd. Um die Verzweiflung der Menschen in ihrer Heimat darzustellen, scheut der Regisseur auch vor einem Satz wie „Ich habe Lust, in die Stadt zu laufen und Leute umzubringen“ nicht zurück. Zu einem poetischen Moment dagegen gerät es, wenn Vater Joad (der Nigerianer Nick Monu), der einen toten Ast wie eine Lanze trägt, sanft im Evergreen „Somewhere Over The Rainbow“ seine Sehnsucht nach Glück ausdrückt.

Einer, der die Familie dazu treibt, sich auf den Weg zu machen, ist Sohn Tom, den Kristof Van Boven mit Verve verkörpert. „Nur an den Tag denken, das ist das Richtige“, lautet das Überlebensmotto des zornigen jungen Mannes. Zermürbung, Entwurzelung, Hunger, Angst, Hoffnung und bittere Enttäuschung - all das spiegelt sich an diesem nur neunzigminütigen Abend. Man mag Betroffenheit verspüren, doch darüber weist die Darbietung geistig kaum hinaus. Am 1. März kommt sie in Belgien am Theater „NTGent“ zur Premiere.


Thalia Theater

dpa

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