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Fukushima-Oper „Stilles Meer“ uraufgeführt

Hamburg Fukushima-Oper „Stilles Meer“ uraufgeführt

Mit der Fukushima-Oper „Stilles Meer“ über die Reaktor-Katastrophe in Japan hob Kent Nagano ein suggestives Stück modernen Musiktheaters an der Hamburger Staatsoper aus der Taufe. Ein Auftragswerk, das mit seinem Appell gegen das Vergessen starken Beifall fand.

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Die Bühne in gelben Nebel getaucht: „Stilles Meer“ in der Hamburger Staatsoper.

Quelle: Lukas Schulze

Hamburg. Noch ist kein einziger Ton aus dem Orchestergraben gedrungen, da liegt die Bühne bereits in giftig gelbem Dunst offen da. Meeresrauschen schwappt in beunruhigendem Auf und Ab.

Am Bühnenhimmel hängen glühende Brennstäbe über einer Riesen-Scheibe. Sie ist die Spielfläche für „Stilles Meer“, eine Fukushima-Oper, die am Sonntagabend an der Hamburger Staatsoper uraufgeführt wurde.

Es ist das jüngste Werk des japanischen Erfolgskomponisten Toshio Hosokawa nach „Vision of Lear“, „Hanjo“ und „Matsukaze“. Er will es als Requiem für die Opfer von Fukushima verstanden wissen will. Und in der Tat ist das Werk eine große, eindringliche und explosive Klage um die 2011 durch den Tsunami an der Pazifikküste Nordjapans Verschollenen, die das radioaktiv verseuchte Meer nicht mehr freigab. Doch die Hoffnung stirbt nie, vermittelt der japanische Kultregisseur Oriza Hirata, der auch das Libretto schrieb.

Im Mittelpunkt steht eine nach Japan verschlagene deutsche Tänzerin, die noch Jahre nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima verbissen nach ihrem in den Fluten versunkenen Sohn sucht. Doch weder ihr Ex, der Vater des Jungen, noch die japanische Schwägerin können sie von ihrem Trauma, ihrem Wahn befreien. Es ist ein eher schlichter Text mit knappen, geisterhaften Chor-Partien und realistischen Dialogen, die in Anlehnung an das traditionelle japanische Nõ-Theater auf ein buddhistisches Erlösungsritual zulaufen. Eine Toten-Beschwörung, die die Gestorbenen vor ihrer Überfahrt ins Jenseits noch einmal in irdischer Gestalt zurückruft.

Die Botschaft: Auch wenn Japans Atommeiler angeschaltet bleiben, die Natur wird überleben. Und die Natur war für den 60-jährigen Hosokawa ohnehin wichtigster Bezugspunkt seines west-östlichen Komponierens. Bei seiner Musik hatte man denn auch das Gefühl, wie auf einer großen, langsam und unaufhörlich steigenden und fallenden Welle zu surfen - von brutalen Blech- und Schlagzeug-Explosionen und schneidenden Glissandi immer wieder beklemmend aufgewühlt.

Als habe man den „Kopf in der Waschmaschine“ - so hatte Generalmusikdirektor Kent Nagano das katastrophische Schlagzeug-Intermezzo erklärt, das dem handlungskargen Trauer-Werk mehr Dramatik verleihen sollte. Eine kluge Entscheidung. Denn der Regisseur Hirata hatte - auch hier in der Nõ-Theater-Tradition - allein auf äußerst ruhige Bilder und langsam gleitende Bewegungen gesetzt.

Das fesselte vor allem, weil unter Kent Naganos einfühlsamen Dirigat (vorzüglich dabei das Philharmonische Staatsorchester) Susanne Elmark (Mutter), Mihoko Fujimura (Schwägerin) und der brillante Countertenor Bejun Mehta (Vater) ihren mit extremen Höhenflügen gespickten psalmodierenden Gesang zu großartiger Wirkung brachten. Der Beifall für das düster beredte Werk schloss auch einen kleinen Roboter ein, der als Wächter des verstrahlten Strandes wie aus allen „Star Wars“-Universen gepurzelt schien.

dpa

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