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Geburtstagsfeier in Salzburg: Brave Zersetzungsoperation

Horrorkomödie Geburtstagsfeier in Salzburg: Brave Zersetzungsoperation

Das Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele wird mit einer Neuinszenierung von Pinters Horrorkomödie „Die Geburtstagsfeier“ fortgesetzt. Andrea Breth inszeniert routiniert.

Harold Pinters Stück „Die Geburtstagsfeier“ im Landestheater in Salzburg.

Quelle: Barbara Gindl

Salzburg. Es fängt alles ganz harmlos an mit der morgendlichen Konversation eines sich überdrüssig gewordenen Ehepaares. Der freundlich-genervte Schlagabtausch über Cornflakes, geröstetes Brot und zu starken Tee könnte von Thomas Bernhard oder von Loriot stammen.

Doch in die schräge Idylle platzen zwei Fremde, die sich einnisten, ein Klima der Angst erzeugen und schließlich, in einer Art feindlichen Übernahme, die Herrschaft über die Alt-Eingesessenen an sich reißen. Mit ihrem Erscheinen wird die Burleske zum Horrortrip.

Harold Pinters Stück „Die Geburtstagsfeier“ aus dem Jahre 1958 ist eine Parabel auf die zerstörerischen Mechanismen unkontrollierter Macht. Unwillkürlich denkt man an die „Zersetzungsoperationen“, mit denen der DDR-Staatssicherheitsdienst Agenten in den Familien- und Freundeskreis von vermeintlichen Regimegegnern einschleuste, um sie in ihrem Privatesten zu treffen, von innen heraus zu zerstören.

Ein starker Stoff, aus dem man Funken schlagen kann. Doch die brave Neuinszenierung von Regie-Altmeisterin Andrea Breth bei den Salzburger Festspielen kommt nicht in Fahrt: recht flauer Applaus am Freitagabend im Salzburger Landestheater.

Hauptperson des Stücks ist Stanley, ein heruntergekommener Schluffi im schmuddeligen Morgenmantel, der behauptet, ein talentierter, wenn auch glückloser Konzertpianist zu sein. Er lebt als Dauergast in einer Strandpension am Meer. Bühnenbildner Martin Zehetgruber lässt die Dünen mit dem trockenen Strandhafer ins Haus hineinwachsen, durch die Glastür sieht man ein Boot, das später im Wohnzimmer strandet.

Hauswirtin Meg bemuttert Stanley, liebt ihn vielleicht auch. Doch er weist ihre Avancen kühl ab. Dann nehmen zwei Herren, sie wirken wie Geschäftsleute, Logis im Haus. Sie machen sich breit, führen sich auf wie die Hausherren und beginnen, sich auf Stanley einzuschießen.

Quälende Unsicherheit zieht sich wie ein roter Faden durch das Stück. Niemand weiß, wer die Herren sind, die sich Goldberg und McCann nennen, woher sie kommen, in wessen Auftrag sie handeln. Vielleicht kommen sie von einem andern Stern. Sie selbst nennen das, was sie offenbar mit Stanley vorhaben, Operation oder Mission.

Zusammen mit Meg organisieren sie für den sich immer heftiger wehrenden Stanley eine Geburtstagsfeier. Kurz vorher nehmen sie ihr Opfer in ein absurdes Kreuzverhör („Was war zuerst, das Huhn oder das Ei?“). Die Feier selbst wird zum Höllentanz. Beim Blindekuh-Spiel zerbricht Stanleys Brille. In einem Anfall von Hysterie stürzt er sich auf die reizvolle Lulu, die zuvor von Goldberg bedrängt wurde. Stanley wird von McCann auf sein Zimmer gebracht.

Am nächsten Tag ist Stanley ein gebrochener Mensch. Er steckt in einem schicken Anzug, wie ihn Goldberg und McCann tragen, kann aber nur noch stammeln. Vielleicht wurde er mit Elektroschocks behandelt, wie McMurphy in Milos Formans Thriller „Einer flog über das Kuckucksnest“? Die Fremden nehmen Stanley mit und ins Haus kehrt die trügerische Idylle des Anfangs zurück.

Breth inszeniert wie immer buchstabengenau und mit sicherer, routinierter Hand in gediegenen Burgtheaterambiente, aber ohne Überraschungen. Schauspielertheater im besten Sinne, nur dass Pinters Text eben nicht Shakespeare ist. Am stärksten ist die absurde Frühstückszene des Beginns und das Eintreffen der beiden Fremden mit einem aasigen Goldberg (Roland Koch) und einem lauernden McCann (Oliver Stokowski), dem man trotz seines gemütliche Hessen-Gebabbels (warum eigentlich Hessisch?) jede Untat zutraut.

Auffallend blass agiert Max Simonischek als Stanley, während Nina Petri nicht viel mehr ist als eine frustrierte Hausfrau. Am meisten Präsenz zeigt Andrea Wenzl in der Nebenrolle der Lulu.

dpa

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