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Generationswechsel auf Festival-Bühnen

München/Dortmund Generationswechsel auf Festival-Bühnen

Es sind harte Schläge für Rock-Fans: Lemmy von Motörhead ist tot, bei AC/DC singt nun Axl Rose und Ozzy Osbourne verabschiedet sich mit Black Sabbath von der Bühne. Im lukrativen Festival-Geschäft heißt es aber: The show must go on. Schließlich geht es um Millionen.

München/Dortmund. „Wacken“ ohne Lemmy Kilmister - daran werden sich viele Stammgäste des Kultfestivals erst gewöhnen müssen. Der Ende Dezember gestorbene Motörhead-Frontmann mit Bassgitarre und Reibeisenstimme gehörte auf dem weltgrößten Heavy-Metal-Event in Schleswig-Holstein quasi zum Inventar.

Aber auch andere Megastars der Szene wie Ozzy Osbourne verabschieden sich derzeit ganz oder vorerst von den Bühnen, und bei AC/DC hält Guns-N'Roses-Sänger Axl Rose für seinen Kollegen Brian Johnson die Stellung. Doch auch wenn die alte Rocker-Garde schwächelt, übt sich die Veranstalterbranche in Zuversicht. Live-Konzerte seien gefragt wie nie und der Generationswechsel längst eingeleitet.

Dieser Wechsel wird sich an diesem Wochenende auch beim ersten großen Rock-Festival der Saison zeigen, dem „Rockavaria“ im Münchner Olympiastadion und seinem Zwillingsfestival „Rock im Revier“ in Dortmund (26. bis 29. Mai): Klassiker wie Iron Maiden und Slayer stehen dort an diesem Wochenende ebenso auf der Bühne, wie die deutsche Newcomer-Metal-Band Beyond the Black, die erst im vergangenen Jahr ihr Debütalbum veröffentlichte.

„Wir haben glücklicherweise eine erfolgreiche, junge, nationale und internationale Szene“, sagt der Präsident des Bundesverbandes der Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow. Auch deutsche Bands und Künstler wie Silbermond, Christian Oerding oder Bosse füllten mittlerweile große Hallen oder sogar Stadien. Dass Rock-Puristen sich teils am bunten Mix der Musikstile zwischen Hip Hop und Thrash Metal bei einigen Festivals stören, sieht Michow gelassen. „Die Veranstalter versuchen eben, ein breites Spektrum abzubilden.“

Für die Musiker selbst sind Live-Auftritte im Internet-Zeitalter zur wichtigsten Einnahmequelle geworden. Während sie ihr Geld in den 1980er- und 90er-Jahren noch vor allem mit Tonträgern verdienten, stellen Viele heute ihre Songs kostenlos zum Download ins Netz, um die Nachfrage für ihre Konzerte zu steigern. Neue Vermarktungsmöglichkeiten böten allerdings Live-Streams von Konzerten, mit denen ausverkaufte Großveranstaltungen zum Beispiel in Clubs übertragen werden können, sagt Michow.

Rund 300 Musik-Festivals stehen in Deutschland jährlich auf dem Programm, davon über die Hälfte mit Rock- und Popmusik. Im Jahr 2013 lagen die Umsätze bei 337 Millionen Euro, neuere Zahlen liegen derzeit nicht vor. „Das hat aber ganz sicher zugenommen, überall sind neue Festivals entstanden, und das Interesse an Live-Events nimmt immer noch zu“, sagt Michow.

Das bringt aber auch mehr Konkurrenz mit sich. Nicht alle Festivals sind so erfolgreich, wie sich das die Veranstalter wünschen würden: Die Deutsche Entertainment AG (DEAG), Veranstalter von „Rockavaria“ und „Rock im Revier“, scheint sich mit dem Kartenverkauf in diesem Jahr etwas schwer getan zu haben. Zumindest machten sie um die Verkaufszahlen noch ein großes Geheimnis, als „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ - die Festivals, denen die DEAG Konkurrenz machen will - schon Zehntausende verkaufte Tickets meldeten. Mit rund 35 000 Besuchern rechnet die DEAG in München, im vergangenen Jahr waren es noch 49 000.

Einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe hat die DEAG 2015 nach Angaben ihres Chefs Peter Schwenkow mit den neuen Festivals gemacht. In diesem Jahr soll die schwarze Null stehen, im kommenden Jahr will die DEAG sich die Millionen zurückholen.

Solche Sorgen hat man beim „Wacken Open Air“ schon lange nicht mehr. Rund 75 000 zahlende Besucher werden in diesem Jahr wieder auf dem Festivalgelände in dem schleswig-holsteinischen Dorf erwartet, die Tickets waren binnen 23 Stunden ausverkauft. 190 Euro inklusive Vorverkaufsgebühr lassen sich Metal-Fans aus aller Welt die drei Tage Dauer-Dröhnung mit Bands wie der Industrial-Metal-Formation Ministry oder der britischen Rockband Therapy? kosten - Anreise- und Verpflegungskosten natürlich nicht eingerechnet. Dafür lässt sich gut und gerne auch schon ein Kurzurlaub bestreiten.

Die Macher des „Wacken Open Air“ haben genau das zum Geschäftsmodell gemacht und bieten nach Open Air und Metal-Kreuzfahrt seit diesem Jahr auch mehrtägige Ski-Trips in die österreichische Bergwelt mit Übernachtung, Liftkarte - und natürlich jeder Menge metallischer Musik.

Trotzdem hat die Ausgabenfreude vieler Fans auch Grenzen, sagt Verbandschef Michow. Angesichts erheblich gestiegener Kosten müssten die Veranstalter aber bei den Ticketpreisen nun einmal hart kalkulieren. Wer mit Partner oder gar Familie ein Festival besuchen will und pro Nase gelegentlich bis zu 200 Euro für den Eintritt bezahlen muss, wird sich allerdings gut überlegen, ob er in ein paar Wochen gleich das nächste Event ansteuert.

dpa

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