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Gerhard Richters Meisterwerk „Ema“ wird 50

Köln Gerhard Richters Meisterwerk „Ema“ wird 50

Im Mai 1966 malte Gerhard Richter „Ema“, sein heute bekanntestes Bild. Anfangs wurde die nackte Frau angefeindet und sogar Ziel einer Messerattacke. Heute kommt es vor, dass sich jemand in sie verliebt.

Köln. Gerhard Richter (84) findet es absolut blöde, wenn man ihn den „Picasso des 21. Jahrhunderts“ nennt, so wie das einmal der britische „Guardian“ getan hat. Genauso blöde dürfte er es finden, dass sein heute bekanntestes Werk mitunter als die „Kölner Mona Lisa“ bezeichnet wird.

Das Bild zeigt eine lebensgroße nackte Frau, die scheinbar schlafwandlerisch eine Treppe hinuntergeht. Der richtige Name des Bildes lautet „Ema - Akt auf einer Treppe“. Im Mai ist es genau 50 Jahre her, seit Richter es malte.

Panzerglas schützt das Millionenobjekt im Kölner Museum Ludwig, seit es 1981 Ziel eines Anschlags geworden ist: In einem unbeobachteten Moment hatte ein Unbekannter dem Bild mit einem Messer oder einem anderen spitzen Gegenstand einen 20 Zentimeter langen Schnitt zugefügt. Seit jeher hat „Ema“ nicht nur Bewunderung, sondern auch Aggressionen hervorgerufen. Eine schöne nackte, noch dazu blonde Frau realistisch zu malen, das konnte man in den 1960er Jahren einfach nicht bringen, das war reaktionär.

Heute dagegen ist das Bild eine Ikone. Bestseller-Autor Bernhard Schlink („Der Vorleser“) ließ sich davon zu einem ganzen Roman inspirieren, „Die Frau auf der Treppe“. Und der Autor Dirk Peitz beschrieb in der „Zeit“, wie er sich geradezu in „Ema“ verliebte. Immer wieder zog es ihn ins Museum, um „ein paar zauberhafte Minuten“ mit ihr zu verbringen: „Es war fast so etwas wie eine heimliche Affäre.“

Viele Betrachter empfinden „Ema“ als geheimnisvoll, andere als verführerisch. Die wenigsten wissen wohl, dass die Dargestellte kein beliebiges Modell ist, sondern Richters erste Frau Marianne Eufinger, genannt Ema. Zum Entstehungszeitpunkt des Bildes im Mai 1966 war Ema gerade im zweiten Monat schwanger.

Die schöne Modedesignerin und der ebenfalls nicht unattraktive Künstler aus Dresden heirateten 1957 und setzten sich vier Jahre später in den Westen ab, wo er ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf begann. 1982 folgte die Scheidung. Seitdem hat Ema mit „Herrn Richter“ abgeschlossen und tritt in der Öffentlichkeit nicht mehr in Erscheinung.

Ein so intimes Bild wie „Ema“ hat der unterkühlte Richter selten gemalt. Doch obwohl Ema direkt auf den Betrachter zugeht, erscheint sie nicht bloßgestellt, sondern wie hinter einem schützenden Schleier verborgen. Diesen Effekt erreicht Richter durch die Technik des Verwischens. „Ema“ ist das erste Bild gewesen, für das er ein von ihm selbst gemachtes Foto als Vorlage verwendete.

Das Foto entstand im Treppenhaus seines Ateliers in Düsseldorf, und zwar an einem Sonntag, an dem das Gebäude menschenleer war. So waren sie sicher, dass sie keine Zuschauer hatten. Der Eindruck der Unschärfe wie auf einem verwackelten Foto kommt dadurch zustande, dass Richter mit einem trockenen Pinsel über die noch nasse Farbe gestrichen hat. Dafür muss man genau den richtigen Zeitpunkt abpassen und genau den richtigen Druck auf den Pinsel ausüben.

Dank des Unschärfe-Effekts wirkt „Ema“ wie eine Traumgestalt, die sich nähert, aber doch unerreichbar bleibt. Eine Reproduktion kann diese Atmosphäre nicht vermitteln. „Im Original wirkt das Bild natürlich ganz anders als auf einer Abbildung“, sagte der Tate-Direktor Nicholas Serota, nachdem er das Bild in Köln gesehen hatte.

Kaum noch vorstellbar ist, dass man es lange gar nicht als vollwertiges Gemälde anerkannte. Man fand es „zu fotografisch“. Ein Berliner Museumsdirektor lehnte es 1967 mit der Begründung ab: „Ich sammle keine Fotos, sondern Malerei.“ Ein Jahr später erwarb es das Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig. Richters Biograf Dietmar Elger bezeichnet es als „das herausragende Schlüsselwerk“.

Der Künstler selbst spricht nüchtern darüber. Schaut er es sich manchmal noch an? Schließlich wohnt er doch in Köln. „Ja, hin und wieder“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Wenn er sowieso im Museum sei und quasi dran vorbeikomme. „Aber das mache ich bei vielen Bildern. Nicht nur bei diesem.“

dpa

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