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Kultur im Rest der Welt Germanist Peter Wapnewski gestorben
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17:45 25.12.2012
Peter Wapnewski ist tot. Foto: Claudia Esch-Kenkel
Berlin

te.

Sein Nachfolger als Rektor, Wolf Lepenies, betonte in seinem Nachruf (in der „Welt“), das Wissenschaftskolleg habe dank Wapnewski Weltgeltung erworben. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte, Wapnewski habe sich bleibende Verdienste um die Kultur- und Wissenschaftsmetropole Berlin erworben.

Wapnewski galt als einer der angesehensten und bekanntesten Vertreter der Literaturwissenschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Manche nannten ihn einen der prägendsten Intellektuellen der Bundesrepublik. Er genoss auch international hohe Anerkennung als Experte für die deutsche Literatur des Mittelalters und die Werke Richard Wagners.

Sein Ruf als beredter und sprachlich eleganter „Mittler des Mittelalters“ mit Dichtern wie Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach reichte über Deutschland hinaus. Sein Heidelberger Kollege Dieter Borchmeyer nannte ihn einen „farbenprächtigen Paradiesvogel“ in der „vielfach grauen Professorenwelt“. Lepenies meinte, es habe wenige Gelehrte seines Ranges in Deutschland gegeben, „die einen Hattrick von einem Hackentrick unterscheiden konnten“.

Viel Anerkennung fand Wapnewski als Gründungsrektor des Wissenschaftskollegs in Berlin, das er von 1981 bis 1986 leitete und zu einer der bedeutendsten Einrichtungen seiner Art in der Welt machte. Es gibt nach dem Vorbild des US-„Institute for Advanced Studies“ in Princeton in- und ausländischen Gelehrten jeweils für ein Jahr die Chance, sich abseits des Universitätsbetriebes auf ein Forschungsvorhaben zu konzentrieren. Der ungarische Schriftsteller Imre Kertész erhielt dort die Nachricht von der Verleihung des Literaturnobelpreises.

„Nobelmann der deutschen Literatur“ nannte der Kritiker Fritz J. Raddatz den Altgermanisten Wapnewski, der fundierte Sachkenntnis mit leicht lesbarer und auch hörbarer Prosa verbinden konnte. Davon zeugen nicht zuletzt seine populären Hörfunk- und Hörbuchreihen über das Nibelungenlied oder die Opern Richard Wagners („Der traurige Gott“, „Weißt Du, wie das wird...?“). Er sei aber keinem "Wahnfried-Wahn" verfallen, meinte Lepenies in der „Welt“.

Der am 7. September 1922 in Kiel geborene Sohn eines Seeoffiziers hatte einen Philologie-Lehrstuhl an der Technischen Universität in Berlin (TU) und war zuvor ordentlicher Professor an der Uni Heidelberg, die Wapnewski als einen ihrer „großen Söhne“ bezeichnet. Als einer der Vizepräsidenten des Goethe-Instituts nahm er die Institution gegen konservative Angriffe in Schutz.

Wapnewski war Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Akademie der Künste in Berlin und erhielt unter anderem den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa. Zuletzt hatte Wapnewski 2005 und 2006 seine zweibändigen Memoiren veröffentlicht, deren Titel „Mit dem anderen Auge“ auf seine schwere Kriegsverletzung anspielt, bei der er ein Auge verlor.

Auch diesem „Grandseigneur des Geistes“ geschah es, dass „plötzlich die Wahrheit der Karteikarte“ über ihn kam. 2003 machte ein Germanistenlexikon 2003 erstmals Wapnewskis NSDAP-Mitgliedschaft publik. So geriet der Germanist unversehens in den Mittelpunkt einer Debatte, die sich um Verdrängen, Vergessen und schmerzhaftes Erinnern drehte. Damals räumte Wapnewski ein, dass es für ihn und etwa auch Walter Jens einfacher gewesen wäre, „wenn wir vor 20 Jahren gesagt hätten: "Ja, wir waren Parteigenossen, es war dumm".“

dpa

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