Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Guillermo del Toros tiefe Freundschaft mit Horror-Wesen

Ausstellung Guillermo del Toros tiefe Freundschaft mit Horror-Wesen

Während andere sich vor Monstern fürchten, baut Guillermo del Toro ihnen einen Schrein. In seinen Filmen erwachen die Kreaturen zum Leben - eine Ausstellung in Toronto gibt nun Einblick in die skurrile Welt des Regisseurs.

Der Todesengel aus Guillermo del Toros „Hellboy 2“.

Quelle: Manuela Imre

Toronto. Schön sind sie nicht, Guillermo del Toros Freunde und Mitbewohner. Sie haben zu große Köpfe, drei Augen oder schlichtweg furchteinflößende Fratzen.

Gegen groteske Gestalten wie dem behörnten Faun mit seinen langen Haaren oder dem „Pale Man“, einem bleichen Kerl, der sein Auge in der Handfläche trägt, wirkt selbst Frankenstein anmutig. Und doch: Der preisgekrönte mexikanische Regisseur („Pan's Labyrinth“) liebt seine Monster – ob auf der Leinwand oder zu Hause.

In Torontos Art Gallery of Ontario (AGO) gibt del Toro vom 30. September an bis zum 7. Januar mit der Ausstellung „At Home with Monsters“ Einblick in die skurrile Welt seines, wie er selbst sagt, „explodierenden Kopfes“.

Nach Los Angeles und Minneapolis ist Toronto die letzte „Monster“-Station, die einzige in Kanada und – den Worten des Meisters zufolge – „anders als die anderen“. Sein aktueller Film „The Shape of Water“ wurde großteils hier gedreht. „Ich fühle mich in Kanada zu Hause“, hatte der Regisseur vor wenigen Wochen beim Toronto Filmfestival gesagt.

„The Shape of Water“, ein bildgewaltiges, magisches Märchen, bei dem sich eine gefährlich wirkende Wasserkreatur und die stumme Außenseiterin Elisa (Sally Hawkins) ineinander verlieben, hatte kurz zuvor den Goldenen Löwen beim Filmfest in Venedig gewonnen – das erste Mal, dass ein mexikanischer Regisseur die hohe Auszeichnung bekam.

Durch die Arbeit an „Shape of Water“ wuchs und veränderte sich auch die Ausstellung: Stücke wurden ergänzt und ausgetauscht, immerhin sei seine Sammelleidenschaft „zwar nicht manisch oder exzessiv, aber eben doch etwas ausufernd“, gibt der 52-Jährige in Toronto zu.

So ausufernd, dass del Toro seine weit über 1000 Stücke starke Sammlung in Los Angeles im sogenannten „Bleak House“, benannt nach dem Roman von Charles Dickens, untergebracht hat. In mehreren Bibliotheken ist jeder Fleck bevölkert von lebensgroßen Gruselfiguren, Skulpturen, Bildern, Büchern und Comics über Wesen aus anderen Welten. Hier findet der Regisseur Zuflucht, Ruhe und Inspiration für seine dunklen und magischen Filme, in denen die Kreaturen zum Leben erwachen.

Die Ausstellung ist ein ausgelagertes „Bleak House“: Die Wände im AGO wurden dunkelrot gestrichen, man spaziert von einer Bibliothek zur nächsten, vorbei an del Toros gruseligen Wunderwelten zu Themen wie Märchen, Kindheit, Tod oder Horror. Auch der „Rain Room“, ein Zimmer vor dessen Fenster es immer gewittert, steht im modernen Frank-Gehry-Bau.

Über 500 „Musen“ des Mexikaners, von winzigen Insekten über lebensgroße schwarze Todesengel bis zum meterhohen Frankenstein-Gesicht, das am Eingang den Weg weist, hat Kurator Jim Shedden für Toronto aus dem „Bleak House“ und eigenen AGO-Beständen zusammengetragen. „Einfach war das nicht. Guillermo hat extreme Trennungsängste, wenn seine Monster durch die Welt wandeln“, lacht Shedden.

Del Toro erzählt offen über seine schwierige Kindheit in Mexiko, in der er von Mitschülern gehänselt und vom Vater oft geschlagen wurde, und sich als Außenseiter fühlte. Von Klein auf flüchtete er in seine eigene Fantasiewelt aus dunklen Gestalten. „Ich erkannte einen Teil von mir in den Monstern, eine Art Zugehörigkeit. Im Grunde sind sie nichts anderes als Außenseiter. Wir fürchten uns vor ihnen, weil sie anders aussehen, sich anders verhalten“, erklärt der Regisseur.

Und so soll die Ausstellung weniger das Fürchten lehren, als den Besuchern einen Weg öffnen, sich mit dem Anderen anzufreunden, über Leben nach dem Tod nachzudenken oder mit den inneren Ängsten Frieden zu schließen. Für del Toro selbst war die Monster-Freundschaft eine Befreiung, ein Ventil, das Kreativität und Inspiration geöffnet hat: „Als Kind bin ich regelmäßig von Albträumen aufgewacht. Bis ich mit den Monstern unter meinem Bett einen Pakt geschlossen habe: 'Wenn ihr mich leben lasst, dann bleibe ich für immer mit euch befreundet.' Seitdem leben wir friedlich zusammen“, sagt der Regisseur. Ab und an bekommen die Monster Ausgang, so del Toro – aber nur für Ausstellungen.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Rest der Welt
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den Dezember 2017 zu sehen!

Jetzt geht es los - Aber wann ist der perfekte Zeitpunkt zum Weihnachtsbaumkauf?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kreuzwort

Auch online wartet täglich ein neues Rätsel auf Sie. Jetzt rätseln!

Sudoku

Bleiben Sie geistig aktiv – mit japanischem Gehirnjogging.

24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr