Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Rest der Welt „Gundermann" und mehr DVD-Tipps
Nachrichten Kultur Kultur im Rest der Welt „Gundermann" und mehr DVD-Tipps
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:30 12.03.2019
Quelle: iStockphoto
Hannover

The Miniaturist – Miniserie. Eine junge Frau, deren Familie vor der Armenhaus steht, wird mit dem wohlhabenden Amsterdamer Kaufmann Johannes Brandt (Alex Hassell) verheiratet. Petronella kommt im Jahr 1686 in ein Haus, das von der strengen Schwester des Hausherrn (Romola Garai) regiert wird, in dem sie sich an den Rand gedrängt fühlt, und in dem es für jede pittoreske Kachel ein Geheimnis zu geben scheint.

Ein riesiges Puppenhaus bekommt sie von ihren Ehemann zur Hochzeit geschenkt. Immer wieder erhält sie fortan von einem unbekannten Handwerker Päckchen mit winzigen Ausstattungsgegenständen, die Repliken des Originalmobiliars darstellen. Der Spielzeugmacher scheint nicht nur hervorragende Kenntnisse über sämtliche Interieurs des Brandt-Hauses zu besitzen, er hält mit seinen Arbeiten auch ein Licht in die Finsternisse der Familie und wirft Blicke in die Zukunft und in Petronellas Gedankenwelt.

Die argentinisch-britische Schauspielerin Anya Taylor-Joy, die seit ihrer Hauptrolle in dem herausragenden Historienhorrorstück „The Witch“ als eine der kommenden großen Schauspielerinnen gehandelt wird, überzeugt als schöne Jungfer, die entdeckt, dass der radikale Protestantismus, der am liebsten in die Herzen und Köpfe aller Untertanen blicken würde, nichtsdestotrotz Maskeraden und Doppelleben hervorbringt. Als Detektivin arbeitet sie sich durch ein geschmackvoll ausgestattetes, von Kerzenlicht erhelltes Historiendrama, dessen Bilder wie Gemälde wirken.

The Miniaturist – Miniserie Quelle: Universum

Pixars komplette Kurzfilm-Collection 3. Das Haus mit der Stehlampe zeigt auf der dritten Kurzfilmsammlung, was ihm seit „Partysaurus Rex“ (2012), dem Begleitfilm zum 3-D-Start von „Findet Nemo“, an Wundersamem und Vergnüglichem eingefallen ist. 13 kleine Juwelen, die den abendfüllenden Pixarfilmen im Kino und vorangestellt oder bei DVD-Veröffentlichungen zugesellt wurden und die sich in komische, anrührende und romantische Streifen aufteilen.

Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, Liebe etwa ist bei Pixars Poeten auch zwischen Regenschirmen im Großstadtgewimmel („Der blaue Regenschirm“) und Vulkaninseln („Lava“) vorstellbar. Die vorab gestellten Einführungen der Regisseure und Regisseurinnen sind dabei zuweilen ähnlich zauberhaft wie die Filme und verraten viel darüber, warum die Filme von Pixar der animierenden Konkurrenz meist um eine Nasenlänge voraus sind – sie lassen sich von ihrem eigenen Leben inspirieren.

Der Filmemacher Mark Walsh erzählt, wie er die Unsicherheiten seiner Kindheit, den Wunsch, dazuzugehören in die Gestalt des aus den „Toy Story“-Filmen bekannten, freundlich-tollpatschigen Tyrannosaurus einfließen ließ. Domee Shi sinnierte in ihrer anrührenden Fantasie „Bao“ (tatsächlich ist ein chinesischer Dampfkloß der Held) über ihre überbehütete Kindheit.

Und Josh Cooley verewigte sich selbst, seine Mutter und seinen Schwiegervater in „Rileys erstes Date“, einem lustigen Kurzfilm über Abnabelungsschwierigkeiten von Eltern - mit dem zu Figuren gewordenen menschlichen Gefühlarsenal aus dem Pixar-Meisterwerk „Alles steht Kopf“.

Pixars komplette Kurzfilm-Collection 3 Quelle: Disney

The Deuce, Staffel 2. HBO bringt uns zurück auf die Straßen des New Yorks der Siebzigerjahre, wo Sex verkauft wird - auf dem Strich und in Bordellen sowie neuerdings auch in Peepshows und (gefahrärmer für die Prostituierten) mit Pornofilmen. 1977 wird in der Stadt, die nie schläft, immer schneller gestorben. Ein Tourist, der sein Auto am falschen Ende der Straße geparkt hat, wird erstochen aufgefunden, der neue Bürgermeister Ed Koch will seine Stadt vom Schmutz säubern, was auch Auswirkungen auf die Helden von „The Deuce“ hat.

In der zweiten Staffel steht vor diesem Hintergrund die Geschichte von Candy (die umwerfende Maggie Gyllenhaal) im Mittelpunkt, die die Gosse verlässt, als Pornoproduzentin ein Star der Szene wird, neue, weibliche Wege der Inszenierung von Sex sucht und das vornehmlich männliche Publikum mit ihren Streifen in die Köpfe der Frauen führen will. Auch eine andere Geschichte ist dominant, die des generösen Barbesitzers Vinnie Martino (James Franco), den sein durchgeknallter Zwillingsbruder Frank unentwegt in Schwierigkeiten bringt.

Es ist die Zeit von selbstbewusster werdenden Prostituierten und von in ihrer Allmacht zunehmend verunsicherten Zuhältern, von korrupten Cops und notorisch unruhigen Mafiabossen. Punk lärmt in den Klubs, das Studio 54 glitzert, die Welt dreht sich weiter Richtung Aids. Ein Sittenspiegel, der von Veränderungen im Untergrund und am Rand der Gesellschaft erzählt, ohne den moralischen Zeigefinger zu strecken, ohne Gewalt, Verbrechen und Fremdbestimmung zu heiligen.

Die Zuschauerzahlen für die Serie blieben unter den Erwartungen von HBO, trotzdem wird die dritte, abschließende Staffel gedreht, die in die Mitte der Achtzigerjahre führen soll, in die Zeiten als Aids die Pornoszene erschreckte und ernüchterte. Das Bewusstsein, ein Meisterwerk zu vollenden, statt es wie so oft im Serienfach unfertig dem niederen Geist der Quote zu opfern, muss gewürdigt werden. Danke und Chapeau, HBO!

The Deuce, Staffel 2 Quelle: Warner

Kolyma. Von der Bucht von Magadan aus, dem „Tor zur Hölle“, wurden Gefangene in der Stalin-Ära auf Hunderte sowjetischer Arbeitslager verteilt. Der Regisseur Stanislaw Mucha wurde durch die Erzählungen seines Großvaters auf die Idee gebracht, die 2000 Kilometer lange Straße von Magadan nach Jakutsk abzuklappern.

Sein Dokumentarfilm beginnt mit einer jungen Hot-Dog-Verkäuferin, die nicht weiß, dass die Straße, an der sie ihre Würstchen verkauft, auch als „längster Friedhof der Welt“ bekannt ist. Nicht einmal der Begriff Gulag ist ihr bekannt, das sowjetische Lagernetz, in dem Millionen Menschen starben. „Gulasch?“ fragt sie aus der Verkaufsluke heraus. Am hinteren Rand Russlands findet Mucha Gestrandete, Verlorene, absichtsvoll und versehentlich Deportierte, Vergessene, die ihm ihren unfassbaren Lebensgeschichten erzählen, die zuweilen völlig irren Freizeitbeschäftigungen nachgehen und schon mal ein archaisches Verständnis von Leben und Tod an den Tag legen.

Natürlich geht es auch vorbei an den Ruinen der Lager, den Edelmetallminen, den aufgegebenen Uranbergwerken, in denen die Gefangenen von einst ohne Kälte- und Strahlenschutz arbeiteten. Diese versunkene Welt des großen Sterbens, die man nur aus „Der Archipel Gulag“ oder „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“ kennt, Erzählungen des Literaturnobelpreisträgers Alexander Solschenizyn, kann oder will Mucha aber nicht betreten.

Wohl hätten die Bilder der Stätten der Tortur, über die Gras wächst, zu sehr an Claude Lanzmanns Holocaust-Dokumentation „Shoah“ erinnert und nicht zu dem schräg-humoristischen Tonfall des Films gepasst. Dennoch ist „Kolyma“ ein Film über unaufgearbeitete Geschichte, die in Vergessenheit zu geraten droht und über eine Gegenwart, die in Sibirien auch deshalb stillsteht, die eingefroren ist wie die Leichen der Opfer Stalins in Sibiriens Erde.

Kolyma Quelle: Lighthouse

Gundermann. Der Liedermacher Gerhard Gundermann radelt frohgemut durch Hoyerswerda. Er lebt in einer Diktatur, aber er lässt sich seinen Schneid von der Partei nicht abkaufen. Gundermann sitzt auf Schicht in seinem gigantischen Braunkohlebagger 1417, singt abends seine Lieder mit rauer Stimme, traut sich Tacheles zu reden mit den weltfernen Funktionäre der SED und lässt sich 1976 dennoch anwerben, um als IM Grigorij für die Staatssicherheit der DDR zu arbeiten – weil er an die Ideale des Kommunismus glaubt und natürlich auch, um Gutes zu bewirken.

Das Doppelspiel muss er dann Anfang der 90er-Jahre seinen Freunden und seinem Publikum erklären, und so geht er auf Geständnistour. „Verrat ist Verrat“, sagt der Mann auf der Gauck-Behörde. „Gerade Sie!“ Und „Kommunist sein ohne Schwein zu sein – das ist eine Charakterfrage.“ Gundermann seinerseits muss entdecken, dass auch er von seinem besten Freund beobachtet wurde, dass dieser als „Zerrüttungsmaßnahme“ sogar seine Ehe zerstören sollte.

Die Diktatur der Ulbrichts und Honeckers, so zeigt es der Regisseur Andreas Dresen in aufregenden zwei Stunden, frisst auch lange nach ihrem Ende noch Vertrauen, Liebe und Menschen. „Ich bin ein Verlierer. Ich habe auf das richtige Pferd gesetzt, aber es hat nicht gewonnen“, sagt der Idealist Gundermann, den der Schauspieler Alexander Scheer uns in einer fantastischen Performance an Herz legt, der mit seiner Figur der gewohnheitsmäßigen Verdammung aller Stasi-Spitzel ein differenziertes, bedenkenswertes Gegenbeispiel gibt.

Und dann auch noch das: tolle Lieder, starke Worte, ein für den DDR-ignoranten Westen entdeckenswerter Barde für die guten Dinge. Der Westen mag auch den Kampf um die Popmusik gewonnen haben, aber Gundermann-Platten müssen endlich auch in die Regale von Musikfreunden in Kiel, Dortmund und München.

Gundermann Quelle: Pandora Film

Keepers. Kein Licht leuchtete den Schiffen mehr, so dass die Leute vom schottischen Festland nach den drei Leuchtturmwärtern Ausschau hielten. Sie fanden einen verlassenen Turm, eine verlassene Insel –die Besatzung wurde nie gefunden und Legenden um Klabautermänner und Gespenster, gewaltige Seeschlangen und Ähnliches begannen sich um die Drei von den Flannan-Inseln zu ranken, damals im Jahr 1900.

Regisseur Krystoffer Nyholm versucht, eine plausiblere Erklärung für ihr Verschwinden zu finden. Eines Tages entdeckt die Besatzung des Turms ein Ruderboot mit einem geheimnisvollen Koffer und einem nur scheinbar toten Mann in den Klippen. Der Besucher stirbt, im Koffer sind Goldbarren – ein zu großer Schatz, um nicht Komplizen auf den Plan zu rufen, da ist sich Thomas (Peter Mullan) von Anfang an sicher. Zusammen mit James (Gerard Butler) und dem Auszubildenden Donald (Connor Swindells) muss er sich schon bald zweier Angreifer erwehren, die in Sachen Mord und Totschlag nicht zimperlich sind.

Was nach einer Art historischem Home-Invasion-Thriller klingt, erweist sich als Tragödie innerer Zerrüttung. Schuld frisst an den Männern, und das Darstellertrio spielt diese Verlorenheit überragend. Der knorrige Mullan ist wie gewohnt großartig, Heldendarsteller Butler zeigt, dass er immer noch aus dem Actionfach ausbrechen kann und der junge Swindells empfiehlt sich für Größeres.

Dazu seufzt der Wind, heulen die Sirenen des Soundtracks wie in einem Horrorfilm. Was „Keepers“ in gewisser Weise auch ist. Das einzig Unbefriedigende: Das Rätsel der echten Leuchtturmwärter bleibt ungelöst.

Keepers Quelle: Universum

The Cakemaker. Ein Piano träufelt Töne in die Bilder, zwei Hände kneten einen Hefeteig. So beginnt der kontemplative Film „The Cakemaker“ des israelischen Regisseurs Ofir Raul Grazier. Die orangefarbene S-Bahn verweist auf Berlin, ins Café Kredenz kommt ein Reisender aus Israel (Roy Miller), will Zimtplätzchen für seine Frau.

Es dauert nur ein paar Minuten, bis jener Oren den Konditor Thomas (Tim Kalkhof) küsst. Eine große Liebe beginnt. Als Oren stirbt, reist Thomas nach Jerusalem, hilft seiner Witwe Anat (Sarah Adler), die dort ein Café führt. Trauert er? Will er Buße tun? Thomas verrät Anat nicht, dass er Oren kannte. Er bringt ihr Café in Schwung, zwei gebrochene Herzen könnten heil werden. Freilich bangt man als Zuschauer – im Wissen um die Wahrheit.

Das alles wird in diesem Film ohne jede Sentimentalität verhandelt. Die Schauspieler, voran Kalkhof als stiller Deutscher, bringen wahres Leben auf den Punkt. Und die Kamera von Omri Aloni liebkost ihre Darsteller, insbesondere Thomas‘ Hände, die immer wieder leidenschaftlich Teig kneten.

The Cakemaker Quelle: 375 Media

Halloween. „Halloween“ war der Film, nach dem man seine Schublade von großen Küchenmessern befreite. John Carpenter brachte das mit Hitchcocks „Psycho“ 1960 entstandene Horrorsubgenre des Slasher-Films in Bewegung. Bis heute umfasst das Franchise elf Filme. Zwei Jahre später begann Jason in den „Freitag, der 13.“-Streifen zu morden, 1984 ließ Freddy Krueger in der „Elm Street“ seine Klingenfinger tanzen.

Beim Myers-Comeback ist Carpenter nur noch als Produzent dabei. Im Regiestuhl saß David Gordon Green, der im Jahr 2000 mit seinem Debüt, dem Kleinstadtdrama „George Washington“, ein Spiegelbild der amerikanischen Depression lieferte. Bei seinem Ausflug ins Horrorfach ignoriert Green alle „Halloween“-Fortsetzungen. Ja, sogar das Ende des ersten Films gehört bei ihm nicht mehr zum Kanon, wo der tödlich getroffene Michael die Thrillerregel „Das Böse steht noch einmal auf“ zu „Das Böse steht noch hundertmal auf“ erweiterte und entkam.

Der neue Film geht davon aus, dass man des Mörders Myers habhaft wurde, dass er seit 40 Jahren in der Psychiatrie sitzt, dann bei einer Verlegung entkommt und zur Halloweennacht nach Haddonfield, Illinois, zurückkehrt. Auch Jamie Lee Curtis ist wieder dabei, ihre Laurie ist eine in Ehren ergraute Oma. Der Schauspielerin macht der Kampfmodus sichtlich Spaß, sie erinnert im olivgrünen Feinripp an Ellen Ripley, das andere berühmte „Final Girl“ aus „Alien“.

Aber wo Fans von dem Dramenspezialisten Green ein großes Horrordrama erwartet hätten, belässt es der Regisseur bei einem unbekümmerten Ausflug ins Trashkino. Nicht nur, dass er die (damals budgetbedingte) Billigoptik des ersten Films übernimmt, er zitiert auch viele Originalszenen und versieht sie lediglich mit einem neuen Twist. Diese Secondhand-Originalität erschöpft sich bald.

Halloween Quelle: Universal

The Thing – Deluxe Edition. Christian Nybys und Howard Hawks‘ Science-Fiction-Film „The Thing“ oder „Das Ding aus einer anderen Welt“ von 1951 gilt heute zu Recht als Genreklassiker, konnte aber aus tricktechnischen Gründen das bedrohliche Potenzial der Kurzgeschichte von John W. Campbell nicht vollständig ausloten und konzentrierte sich stattdessen auf die unterschiedlichen Ansätze von Wissenschaft und Militär im Umgang mit einer im ewigen Eis gestrandeten außerirdischen Kreatur.

Das von James „Rauchende Colts“ Arness gespielte Ungetüm aus dem All vermochte seine Gestalt nicht zu ändern. John Carpenters Remake von 1982, das demnächst, am 28. März, (mitsamt dem nicht allzu gelungenen Prequel von 2011) in einer Deluxe-Edition wiederveröffentlicht wird, schöpfte das Grauen der Vorlage dagegen voll aus. Das Wesen, das den Bewohnern der amerikanischen Antarktisstation um Kurt Russell das Leben verunmöglicht, ist bis heute der unbestrittene König der Gestaltwandler.

Der Film ist einer der wirkstärksten Horror-Sci-Fi-Hybride, der seinerzeit an der Kasse floppte, sich aber im Lauf von nunmehr 37 Jahren in den Kultfilmstatus manövriert hat. Nun liegt er in überragender Bildqualität mit restauriertem Ton in einer Box vor und wartet auf eine neue Generation von Fans des Fantastischen. Die Dreingaben: Sechs Stunden Bonusmaterial (nur zum Teil neu), zwei Booklets, die CD mit dem Soundtrack plus ein wenig Schnickschnack wie Artcards und einem Jackenaufnäher.

The Thing – Deluxe Edition Quelle: Universal

Passagier 23. Wer diesen Film zu ernst nimmt, der dürfte künftighin Abstand nehmen von Urlaubsfahrten auf den titanischen Monsterschiffen und damit seine persönliche Ökobilanz deutlich verbessern. Hinter dem Titel „Passagier 23“, der nun schon fünften Verfilmung einer Erzählung von Sebastian „deutscher Stephen King“ Fitzek steht unerklärliches Verschwinden von Passagieren an Bord von Kreuzfahrtschiffen.

Eine Schriftstellerin, die über das Thema recherchiert – in der Regel sind es Selbstmordfälle - ruft den persönlich betroffenen Polizeipsychologen Martin Schwartz herbei, als ein verschwundenes Kind wieder auftaucht. Schwartz hat selbst Frau und Sohn bei einer Kreuzfahrt verloren, hat entsprechend dauerhaft Kämpfe mit inneren Dämonen auszustehen, und glaubt, über die offenkundig traumatisierte Anouk möglicherweise auch das Schicksal seiner Liebsten zu klären.

Währenddessen wird der Zuschauer zum Mehrwisser, erfährt von einem vergessenen Schiffsraum, der Erinnerungen an „Das Schweigen der Lämmer“ wach werden lässt. Die Fernsehverfilmung des Romans von Alexander Dierbach erschafft streckenweise die nötige dunkle Atmosphäre, ist spannungsgetrieben, während von den Darstellern allein Lukas Gregorowicz überzeugt, der den zerbrochenen, sich selbst wieder zusammen setzenden Schwartz spielt.

Für Fitzek-Fans hält sich der Thrill in Grenzen, sie erhalten lediglich eine bebilderte Version des stringenteren, ihnen bereits bekannten Romans. Wer das Buch nicht kennt, wird bis zum überraschenden Doppelende passabel unterhalten. Freilich überwindet man seine „Das gibt’s doch gar nicht“-Haltung über die zwei Stunden nie.

Passagier 23 Quelle: Universum

Madiba –Miniserie. 1994 wird der langjährige Inhaftierte und Staatsfeind des Apartheidregimes, Nelson Mandela, der erste schwarze Präsident von Südafrika. Journalisten kleben an ihm, belästigen ihn mit Fragen, als er sein Büro betritt. „Haben Sie erwartet, dass dieser Tag eines Tages kommt?“ Mandela antwortet nicht, bittet um ein paar Augenblicke Ruhe und wirft dann den Blick aus dem Fenster - zurück in Kindheit und Jugend und erklärt dem Zuschauer, wie er wurde, was er ist – von der Kindheit bis zum Untergang des alten, rassistischen Staates der Weißen.

Und so ist diese dreiteilige Miniserie in erster Linie eine Fortbildungsmaßnahme für die Zuschauer, denen Dokumentationen zu trocken sind, die szenische Spannungsbrücken brauchen, um sich der Geschichte anzunähern. Sie erfahren hier, wie das Unterdrückungssystem am Kap funktionierte und wie unerträglich entwürdigend das Leben für die Schwarzen unter der Fremdherrschaft der Buren war.

Wo viele Regisseure zu starken Fiktionalisierungen neigen, arbeitet sich Kevin Hooks schnurstracks durch das Leben eines großen Mannes und hakt dessen Lebensstationen ab – die klassische, kunstlose und im Grunde wenig erbauliche Erzählweise von Biopics.

Laurence Fishburne ist sehenswert in der Rolle des erwachsenen Nelson Mandela, obzwar er kaum Ähnlichkeit mit der historischen Figur hat und andere Schauspieler in dieser Rolle (Idris Elba, Morgan Freeman) mehr Innenleben preisgaben. Ein bisschen mehr Drama, ein bisschen mehr Eindringen in die Figuren hätte dieser Produktion gut getan.

Madiba Quelle: JustBridge

Von Matthias Halbig

Die Cranberries haben „In the End“ fertiggestellt, ein Abschiedsalbum für ihre verstorbene Sängerin Dolores O’Riordan, das Ende April erscheint. Mit dem Regisseur Dan Britt haben sie ein berührendes Video zur ersten Single „All Over Now“ geschaffen. Ihr Auftrag an sich selbst – zu Ehren von Dolores das beste Album der Bandgeschichte aufzunehmen.

12.03.2019

Miraculix war schon ein alter Mann, als es 1959 losging mit den Comicgeschichten aus dem kleinen gallischen Dorf. In dem Film „Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks“ (Kinostart 14. März) will der weise Druide in Rente gehen. Ein Nachfolger ist nicht leicht zu finden.

12.03.2019

Wer kein Rockmusikfan ist, kennt Peter „Pete“ Doherty wohl hauptsächlich wegen der Beziehung zu Kate Moss oder seinen Drogen-Eskapaden. Dabei gilt der Meister der Selbstzerstörung als einer der begnadetsten Rockmusiker der Gegenwart – und ist zur Überraschung vieler am 12. März 40 Jahre alt geworden.

13.03.2019