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Gute Stimmung: Wagner auf der Abraumhalde

Bottrop Gute Stimmung: Wagner auf der Abraumhalde

Auf der riesigen Halde der Zeche Prosper Haniel im Ruhrgebiet begeistert Wagner rund 1000 Zuschauer. Ein Wagner-„Gottesdienst“ wird die ungewöhnliche Premiere nicht. Die Zuschauer sind locker drauf.

Bottrop. Am Ende war dann doch alles gut: Nachdem die Generalprobe zur Open-Air-Aufführung der Wagner-Oper „Der fliegende Holländer“ noch buchstäblich ins Wasser gefallen war, wölbte sich zur Premiere ein strahlend blauer Himmel über der Abraumhalde der Zeche Prosper Haniel. Das Wasser hatte noch am Montag 60 Zentimeter hoch in der Arena gestanden und die Technik empfindlich gelitten.

Der Weg zu Wagner im Ruhrgebiet war allerdings für die 1000 Zuschauer abenteuerlich. Zur Premiere am Dienstagabend wurden sie mit Bussen vom Fuß der riesigen Halde in engen Serpentinen zum Spielort gebracht. Das kreisrunde Amphitheater inmitten des schwarzen Abraums erinnert an einen Vulkankrater - ein fast archaischer Ort, der einen wunderbaren Fernblick bietet.

Bereits 2010 wurde auf der Halde Haniel zum ersten Mal Oper gespielt: Im Rahmen des Europäischen Kulturhauptstadtjahres Ruhr 2010 wurde mit großem Erfolg Giuseppe Verdis „Aida“ aufgeführt. Sechs Jahre dauerte es, bis der Wunsch nach Wiederholung durch die Unterstützung von Sponsoren im Verein mit der Stadt Bottrop realisiert werden konnte.

Wie damals führte auch diesmal der aus Bottrop gebürtige Regisseur Thomas Gandroch Regie bei Wagners Schaueroper, die von dem untoten Seemann erzählt, der nur alle sieben Jahre an Land darf, um endlich eine treue Frau zu finden, die ihn von der Qual seines Fluchs befreien kann.

Das Bühnenbild für den „Holländer“ besteht im Wesentlichen aus über 50 Seecontainern, die aufeinandergestapelt am Rand der Arena aufgestellt sind. Im kleinen Rund in der Mitte, dessen Rasen noch nass und matschig ist, begrenzt ein weißer Gartenzaun die kleine Spielfläche. Ansonsten agieren Sänger und Choristen überwiegend auf, in und neben den Containern, auf Leitern und Treppen.

Kostümbildner José Eduardo Luna steckt die Frauen in aufwendig geschneiderte Kostüme in abenteuerlichen Trash-Materialkombinationen mit aufgeplusterten Röcken, Rüschen und turmhohen Perücken in giftigen Farben. Wie Puppen sind die Chordamen geschminkt und tragen allesamt auf dem Rücken eine seltsame Öffnung, in die hinein ein großer Schlüssel passt, mit dem sie buchstäblich aufgezogen werden.

Auch die Chorherren sind zwar als die vorgesehenen Matrosen zu erkennen, aber mit pechschwarzen Perücken, quietschgelben Gummistiefeln und dicker Schminke ebenfalls parodistisch überzeichnet. Der Titelheld ist kostümiert und geschminkt wie Johnny Depp in „Der Fluch der Karibik“ und Senta - ähnlich barock ausgestattet wie die Choristinnen - hat ein kindliches Double.

Regisseur Grandoch liest den „Holländer“ laut Programmheft konsumkritisch, was aber mit seiner doch arg holzschnittartigen Regie eine allzu steile These bleibt. Problematisch ist die Akustik: Das Orchester der Neuen Philharmonie Westfalen sitzt am Rand des Runds in einer Art Kiste hinter einer Plastikfolie. Die riesigen Verstärkerboxen erzeugen nur dumpfe, sehr entfernt wirkende Klänge ohne jede Brillanz.

Die Sängerstimmen dagegen sind äußerst präsent und wirken über weite Strecken ziemlich alleine gelassen mit ihrem Part. Trotz dieser widrigen Umstände überzeugen aus dem Sängerensemble insbesondere Bastiaan Everink in der Titelrolle und Michael Tews als Daland.

Die Stimmung ist gut, das Publikum versteht die Aufführung ohnehin nicht als Wagner-„Gottesdienst“, sondern als eine eher lockere Event-Veranstaltung. So wird unbekümmert in Orchesterzwischenspiele hinein geklatscht oder wenn ein optischer Effekt gefällt. Die Rotweinflaschen kreisen munter, und über dem ganzen Gelände liegt der Geruch von Currywurst. Vor dem großen Duett zwischen Senta und dem Holländer wird eine Pause gemacht, die den Abend dann auf mehr als drei Stunden Dauer verlängert. Großer Applaus für alle am Schluss.

dpa

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