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Holocaust-Filme: Das verkannte Werk

Berlin Holocaust-Filme: Das verkannte Werk

Im Kino erleben Weltkriegsfilme derzeit eine Renaissance. Produzent Artur Brauner stiftet seine frühen Filme nun dem Jüdischen Museum in Berlin.

„Hitlerjunge Salomon“: Jude Salomon (Marco Hofschneider) verliebt sich in Leni (Julie Delpy).

Quelle: imago/United Archives (1), BR, LN-Archiv

Berlin. Wer momentan Filmkritiken liest, findet immer wieder ein Thema: Filmemacher widmen sich dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust. Im Kino läuft „Das Tagebuch der Anne Frank“, die Berlinale zeigte die Fallada-Verfilmung „Jeder stirbt für sich allein“. Und das Drama „Son of Saul“ gewann gerade einen Oscar. Einer, der sich schon sehr früh mit dem Thema auseinandersetzte, ist Filmproduzent Artur Brauner: inzwischen 97 Jahre alt, immer noch mit Menjoubärtchen.

Wie sich neue Produktionen von alten unterscheiden, sei schwer zu sagen, erklärt er. Das Interview mit der Deutschen Presse-Agentur führt Brauner schriftlich über seine Tochter, die Fragen möchte er per Fax haben. Er habe nicht alle neuen Filme gesehen. „Ich kann nur sagen, dass meine Filme aufgrund von persönlichen Erlebnissen entstanden sind“, schreibt der Holocaust-Überlebende. Eine weitere wichtige Grundlage seien Dokumente zum Schicksal von Verfolgten gewesen.

Gestern Abend hat Brauner einen Teil seiner Filmsammlung an das Jüdische Museum in Berlin übergeben. Die 21 Filme erzählen vom Holocaust, drei weitere sollen folgen. Einige seien nicht mehr im freien Handel erhältlich und nur in der Mediathek der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem zugänglich, kündigte das Museum an. Zur Schenkung gehören „Der Garten von Finzi Contini“ (1970), „Hitlerjunge Salomon“ (1990) und Romy Schneiders letzter Film „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ (1982) mit Rückblenden auf die NS-Zeit.

„Diese Filme waren ihm immer die wichtigsten“, erklärt die Direktorin des Deutschen Filminstituts in Frankfurt, Claudia Dillmann. Brauner habe 49 Verwandte in den Lagern der Nazis verloren. Über sein Überleben sei wenig bekannt. Man wisse nur, dass er sich in Wäldern versteckt habe. Einer seiner ersten Filme „Morituri“ erzählt von KZ-Flüchtlingen. „Die Story ist zwar von mir erfunden, aber natürlich wurden auch reale Erlebnisse und Begebenheiten eingearbeitet“, schreibt Brauner.

Der Film lief nach Angaben Dillmanns 1948 in Venedig und bekam gute Kritiken. Aber das Publikum habe ihn abgelehnt. „Der Film stieß auf erheblichen Widerstand. Das Publikum hat ihn ausgebuht, das Kino verlassen, sein Geld zurückverlangt.“

Brauner produziert danach vor allem Unterhaltungsfilme, mit seiner erfolgreichen Central Cinema Company in Berlin (CCC-Film). Heimatstreifen, Komödien, Krimis. Mit Größen wie Heinz Rühmann, Peter Alexander und Caterina Valente. „Und da war er sehr erfolgreich“, sagt Dillmann. Die anspruchsvollen Filme, die Brauner so wichtig gewesen seien, seien aber lange vom Publikum abgelehnt worden. Gesellschaftlich sei Brauner stets anerkannt gewesen. Eine erneute Verletzung sei hinzugekommen, als sein Film „Hitlerjunge Salomon“ zwar den Golden Globe bekommen habe, aber nicht für den Auslands-Oscar nominiert worden sei. „Artur Brauner sieht sich um die Krönung seines Lebenswerkes betrogen.“

Insgesamt hat er nach eigenen Angaben rund 270 Filme produziert und koproduziert. Wenn man ihn fragt, wie es ihm geht, lässt er ausrichten: „Gesundheitlich nicht gerade überragend“, aber er hoffe, dass sich sein Zustand in wenigen Tagen verbessere. Im Jüdischen Museum traf er gestern auch zu einem Gespräch mit Schülern zusammen. Das Zeitzeugengespräch fällt in eine Zeit, in der Deutschland wieder viel über Flucht und Extremismus spricht.

„Aus ganz persönlicher Sicht: Die langen Reihen der Flüchtlinge an den Grenzen erinnern mich sehr deutlich an diejenigen der jüdischen Flüchtlinge ab 1938 bis Kriegsende“, lässt Brauner auf Nachfrage über seine Tochter Alice mitteilen. Er sehe aber Unterschiede: Für jüdische Flüchtlinge habe man keine Kontingente aufgeteilt, keine Gelder weltweit gesammelt, sondern sie seien verjagt und unwürdig behandelt worden.

Er selbst mache sich Vorwürfe, nach Kriegsende hier geblieben zu sein, „weil ich davon ausging, dass das deutsche Volk mich auf Händen tragen und froh sein würde, dass ich überlebt habe“, erklärt Brauner schriftlich. „Die Realität sah und sieht aber anders aus.“

Von Julia Kilian

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