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Ironie und Überraschungen bei Paul-Klee-Werkschau

Paris Ironie und Überraschungen bei Paul-Klee-Werkschau

Nach mehr als 45 Jahren wieder Paul Klee in Frankreich. Nun schlägt das Pariser Centre Pompidou gleich doppelt zu: mit rund 250 Werken und einer Weltpremiere.

Paris. Übergroßer Kopf, ausgebreitete Hände, die sich gegen den Himmel öffnen - so wie bei der Jesusfigur von Matthias Grünewald auf dem berühmten Isenheimer Altar. „Angelus novus“ heißt die aquarellierte Ölfarbzeichnung von Paul Klee.

In Paris hängt das Werk aus den Sammlungen des Israel-Museums in Jerusalem nun erstmals neben „Vorführung des Wunders“ aus dem Museum of Modern Art in New York. Das sei eine Weltpremiere, sagt Angela Lampe, die Kuratorin der Klee-Ausstellung im Centre Pompidou. Noch nie seien die Werke zusammen ausgestellt gewesen. Beide gehörten dem Philosophen Walter Benjamin, Klees erstem namhaften Sammler.

Nach mehr als 45 Jahren widmet Paris einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts wieder eine umfassende Ausstellung. Mit rund 250 Werken kann sich das Museum rühmen, eine Meisterleistung gestemmt zu haben. Klees (1879-1940) Werke gelten als besonders fragil. Die Exponate stammen aus den bedeutendsten Museen weltweit, etwa 40 Prozent sind Leihgaben des Zentrums Paul Klee in Bern. Rund 60 Prozent seien in Frankreich erstmals öffentlich zu sehen, erklärt die Kuratorin weiter.

Die bis zum 1. August dauernde Werkschau gehört zweifellos zu den Frühjahrsevents der Pariser Kultursaison. Nicht nur wegen ihrer beeindruckenden Anzahl von Arbeiten, von denen auch viele aus Privatsammlungen stammen. Sie rückt auch auf schlüssige Weise ein bislang nur wenig thematisiertes Sujet in den Mittelpunkt. Unter dem Titel „Paul Klee. L’ironie à l’oeuvre“ (Paul Klee. Ein Werk voller Ironie) wird der Aspekt der Ironie, des Grotesken und der Satire als prägendes Element seines Schaffens beleuchtet.

Ein ausgezehrter Frauenkörper stützt sich unter dem Titel „Jungfrau (träumend)“ auf einen knorrigen Ast auf, ein hässlicher Männerkörper verbeugt sich vor einer Krone und hebt dabei seinen Steiß ehrfurchtsvoll in die Höhe. Beide Radierungen sind frühe Arbeiten aus den Jahren 1903 und 1904, die nach einer Reise durch Italien entstanden sind. Klee habe erkannt, dass in der Antike die Schönheit der Form ihren Höhepunkt erreicht habe. Da er sie nicht imitieren wollte, begann er sie zu karikieren, sagt Lampe. 

Ironie durchzieht Klees Gesamtwerk. Obwohl ihn der Kubismus faszinierte und Klee ihn ab 1910 teilweise umzusetzen begann, spiegeln seine Arbeiten gleichzeitig auch Kritik wider. Beispielhaft dafür steht das Aquarell „Die Hoffnungslosen“, ein buntes Durcheinander schwebender, stark schematisierter Figuren. Klee habe hier die Figuren aus der engen, kubistischen Formauffassung befreit, erklärt Lampe weiter. Faszination und Abwehr kommen auch in den Werken in seiner Zeit als Lehrer am Bauhaus in Weimar und Dessau zum Ausdruck. Zwar vertrat er die Ästhetik der klaren Formen, doch als für ihn das Konzept der konstruktiven Bilder zu weit ging, entwarf er bunte Malereien, in der keine Linie mehr gerade ist.

Klees Auffassung von Ironie lehnt sich an die von Friedrich Schlegel an. Für den deutschen Philosophen soll in ihr „alles Scherz und Ernst sein, alles treuherzig offen, und alles tief verstellt“. Der Spott galt auch seiner eigenen Person. Niemand bräuchte sich über ihn lustig machen, das mache schon er selbst, hatte er einst gesagt. „Maske eines (jungen) Schauspielers“ heißt das Selbstbildnis zu Beginn der Ausstellung. Ein kleines Ölgemälde, auf dem Klee eine Art rote Narrenkappe trägt.

dpa

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