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Jamie-Lee Kriewitz singt "Unser Lied für Stockholm"

Köln Jamie-Lee Kriewitz singt "Unser Lied für Stockholm"

Jamie-Lee Kriewitz wird Deutschland beim 61. Eurovision Song Contest (ESC) am 14. Mai in Stockholm vertreten. Die 17-jährige aus Springe bei Hannover setzte sich am Donnerstagabend mit ihrem Song „Ghost“ beim Vorentscheid in Köln durch. Lesen Sie alles im Live-Ticker nach.

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Jamie-Lee Kriewitz wird Deutschland beim 61. Eurovision Song Contest (ESC) am 14. Mai in Stockholm vertreten.

Quelle: dpa

Köln . Türkisfarbener Minirock, karierte Kniestrümpfe, schrille Püschelohren – und ein Schuss Märchenmystik im Manga-Stil: Die 17-jährige Jamie-Lee Kriewitz aus Hannover wird Deutschland am 14. Mai beim Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm vertreten. Mit ihrem Ohrwurm „Ghost“ siegte sie gestern Abend beim deutschen ARD-Vorentscheid „Unser Lied für Stockholm“ – vor 1000 Zuschauern in exakt jenem Kölner Studio in der Schanzenstraße, in dem einst Lena Meyer-Landrut den Siegeszug nach Oslo antrat. In einer Art nebligem Zauberwald, zwischen verkrüppelten Bäumchen, ließ sich die „The Voice Of Germany“-Siegerin ganz von ihrem selbstgeschriebenen Hit ins Traumland tragen. Die Hoffnung steigt, dass die deutsche ESC-Gesandtschaft die Schmach von Wien wird vergessen machen können. Denn der Titel „Ghost“ ist reinstes ESC-Material. In der Finalrunde ließ sie Avantasia und Alex Diehl hinter sich.

 

Es war eine weitgehend fremdschamfreie, für ARD-Verhältnisse überraschend selbstironische Popshow, koproduziert von Raab TV. Moderatorin Barbara Schöneberger nahm schadenfrohen Zynikern gleich zu Beginn mit einem Medley aus ESC-Klassikern zur Xavier-Naidoo-Peinlichkeit den Wind aus den Segeln („Dieser Weg wird kein leichter sein, ohne Xavier müssen wir tapfer sein“). Und warnte am Ende: „Wenn du mir den Kümmert machst, mach' ich Hackfleisch aus dir.“

Jamie-Lee Kriewitz wird Deutschland beim 61. Eurovision Song Contest (ESC) am 14. Mai in Stockholm vertreten.

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Die putzigen Metal-Helden von Avantasia lieferten mit „Mystery Of A Blood Red Rose“ eine flammenreiche Drei-Minuten-Rockoper im Scorpionssound ab. Sänger Tobias Sammet sah aus wie ein veganer Meatloaf in Zirkusuniform. Es reichte nicht. Hoch gehandelt auch der bayerische Songwriter Alex Diehl. Seine Hymne „Nur ein Lied“, spontan geschrieben unter dem Eindruck der Pariser Anschläge im November, war zwar gut gemeint, musikalisch aber zu wenig eingängig.

Die Rückkehr von Ralph Siegel, dem „Donald Trump des ESC“ (Schöneberger), geriet nicht zum Triumph. Die Düsseldorferin Laura Pinski (19) arbeitete sich vergeblich in einem Trickkleid nach alter Väter Sitte durch überzuckerten Siegel-Pomp nach vertrautem Strickmuster.

Die Weimarer Schlagerhoffnung Ella Endlich, ausgestattet mit zwei goldbesprühten, spektakulären Beinen, sah aus und klang wie die B-Seite von Helene Fischer. Ihr Autoscooter-Stampfer „Adrenalin“ blieb eine Behauptung. Die blutleere Vollmondhymne der Hamburger Schwestern von Joco war zu verkopft und angestrengt, ebenso wie das sphärische Ballädchen von Keoma und den Polarkreis-18-Überlebenden von Woods of Birnam, deren Frontmann Christian Friedel mit schwerer Rückenlage tanzend Kreuzzschäden befürchten muss. Geradezu tragisch altmodisch waren die Knödelmönche der finanziell unfassbar erfolgreichen Mittelalterkombo Gregorian. Pyrotechnik. Schwarze Kutten. Fackeln. Bodennebel – das war schlimmster „Der Name der Rose“-Kitsch. Wie Rammstein für Waldorfschüler. Dafür ist Umberto Eco nicht gestorben.

Überraschend flach geriet auch der als Mitfavorit gehandelte Hit „Solange Liebe in Mir Wohnt“ der Iserlohner Livekonzertexperten Luxuslärm. Mit einem Text, den Silbermond abgelehnt hätten. „Barfuß über Scherben“, „tiefer als der Ozean“ - ein schnell vergessener Stadtfestschlager für Auf-die-Eins-und-die-Drei-Klatscher.

Jamie-Lee also. Die Zauberwald-Idee für ihre Inszenierung wurde mitentwickelt von Studenten der Universität Hildesheim. Der NDR hatte ausgewählte Unis um Gestaltungskonzepte gebeten – nicht zuletzt unter dem Eindruck der aufwendigen Trickfilmshow, mit der Schweden im vergangenen Jahr gesiegt hatte. Und warum denn auch nicht? Mystik hat ihren festen Platz beim europäischen Musikkarneval. Ruslanas „Wild Dances“, die dänische Barfußelfe Emmelie de Forest, der norwegische Teufelsgeiger Alexander Rybak – sie alle spielten (und siegten) mit Märchenelementen und verträumter Optik. Gewagte Prognose: Jamie-Lee Kriewitz wird in Stockholm nicht Letzte. Das wäre ja schon mal etwas.

Von Imre Grimm

 

Pannen, Pech und Pyrotechnik

ESC-Dauerversager Deutschland? Nicht ganz. 59-mal nahm die Bundesrepublik seit 1959 teil, sechsmal landete das Land ganz hinten (1964, 1965, 1974, 1995, 2005 und 2015), davon dreimal mit null Punkten. Absolutes Schlusslicht aber ist Norwegen. Elfmal gab's bisher die rote Laterne. Portugal landete in 60 Jahren nicht ein einziges Mal in den Top Fünf.

Von den 57 deutschen Titel schafften es 35 in die Top Ten, ein guter Wert. 39 Beiträge erreichten die Singlecharts, sechs waren ein Nummer-Eins-Hit (darunter („Dschinghis Khan“, „Ein bisschen Frieden“, „Can't Wait Until Tonight“ und „Satellite“). Meistverkaufter deutscher ESC-Hit ist Conny Froeboess' „Zwei Kleine Italiener“ (1962).

ESC heißt: Europa? Nicht doch. Rund 1400 Lieder waren bisher beim ESC zu hören. 52 Länder nahmen bisher teil, darunter Marokko (1980), Israel und (als Gast 2015) Australien. 1978 zeigte Jordanien statt Israels Lied ein Blumenbeet. Als Israel gewann, behauptete das libanesische Fernsehen, es handle sich um Belgien.

Die jüngste Teilnehmerin war die 13-jährige Sandra Kim, die 1986 für Belgien gewann. Der bisher älteste ESC-Kandidat war 2005 der 95-jährige Emil Ramsauer von der Schweizer Band Takasa.

Englands ESC-Blamagen sind Legende. Die peinlichste aber lieferte das Land 1974 ab: Großbritannien gab null Punkte an den späteren triumphalen Sieger ABBA („Waterloo“).

Die ukrainische Siegerin Ruslana bekam 2004 für ihren Eurovisionssieg einen Sitz im Parlament in Kiew.

Lieben ESC-Stars ihre Hits? Im Leben nicht. Sandie Shaw hasste ihren Siegersong „Puppet On A String“ (1967). „Ich hasse ihn vom ersten Ooompah bis zum letzten Basstrommelschlag. Das ist sexistische Kukucksuhrenmusik!“. Auch „Satellite“ (2010) gehört nicht zu den Lieblingsliedern von Lena Meyer-Landrut.

Imre Grimm

 

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