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Kultur im Rest der Welt Jazz-Musiker Toots Thielemans gestorben
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10:18 28.08.2016
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Brüssel

Eine sehr dicke Hornbrille und ein Schnauzer, die Hände fest geschlossen um die Mundharmonika, eine wehmütige Melodie zu leiser Bluesbegleitung - so machte der Belgier Toots Thielemans fast 70 Jahre in der Welt des Jazz Furore.

Mit der Legende Benny Goodman startete er seine Karriere, mit Größen wie Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Ella Fitzgerald und Pat Metheny stand er auf der Bühne. Nun ist Thielemans im Alter von 94 Jahren gestorben.

Belgien verliert damit einen seiner größten und bekanntesten Musiker. Einer der ersten, die ihn am Montag würdigten, war Regierungschef Charles Michel, der um den großen und warmherzigen Musiker trauerte. Und das belgische Königshaus twitterte: „Sehr bewegt vom Tod von Toots Thielemans, einer der größten Jazzer.“

Den Grundstein zu seiner einzigartigen Karriere legte Thielemans wohl schon mit drei Jahren, als er begann, Akkordeon zu lernen. Später spielte er auch Gitarre und wurde bekannt für sein konzertantes Pfeifen. Sein Markenzeichen aber fand der Belgier in dem Instrument, das im Jazz bis dahin fast keine Rolle spielte und das auch er erstmal nur als Hobby zur Hand nahm: eben jene säuselnde, leicht zittrige Mundharmonika, die er in den großen Jazz-Combos der Welt hoffähig machte. „Die Mundharmonika hat mich ausgesucht und nicht umgekehrt“, sagte der Belgier einmal.

Geboren wurde er seiner offiziellen Biografie zufolge am 29. April 1922 in Brüssel als Jean-Baptiste Thielemans. Während der deutschen Besatzung des Landes im Zweiten Weltkrieg infizierte er sich mit dem Jazz-Virus, wie er später einmal sagte. Seine Idole waren Django Reinhardt und Charlie Parker, seine erste Chance auf das Rampenlicht gab ihm Benny Goodman bei seiner Europatour 1950. Seinen Spitznamen entlehnte Thielemans von seinen Vorbildern Toots Mondello und Toots Camerata.

1952 siedelte er in die USA über und spielte mit den Charlie Parker All Stars und dem George Shearing Quintett. 1962 gelang ihm die Komposition „Bluesette“, die zum Klassiker avancierte. Aber auch die Soundtracks zu Filmen wie „Midnight Cowboy“ oder „The Getaway“ machten ihn berühmt, ebenso wie sein Solo im Abspann der amerikanischen Serie „Sesame Street“. Er wurde mit Ehrungen überhäuft und 2001 vom damaligen König Albert II. zum Baron ernannt.

2014 verabschiedete sich der damals 91-Jährige mit Hinweis auf seine schwächelnde Gesundheit von der Bühne, auch wenn das nach ihm benannte „Toots Festival“ ihn weiter in Erinnerung hielt. Nach einem Sturz war er nach Angaben seiner Managerin Veerle Van de Poel seit einem Monat im Krankenhaus. „Es gab keine Komplikationen“, sagte sie der Nachrichtenagentur Belga. „Er ist an Altersschwäche gestorben, sein Körper war einfach erschöpft.“

dpa

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