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Kultur im Rest der Welt John le Carré in Hamburg: Appell an die Anständigen
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20:32 15.10.2017
Der britische Bestseller-Autor John le Carré in der Hamburger Elbphilharmonie. Quelle: Daniel Bockwoldt
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Hamburg

Der britische Spionageautor John le Carré (85, „Der Spion, der aus der Kälte kam“) hält es „für die größte politische Herausforderung der Gegenwart, dass anständige Menschen sich finden müssen“. Das sagte le Carré am Sonntag in der ausverkauften Hamburger Elbphilharmonie.

„Wir sollten Trump nicht dafür verantwortlich machen, dass er Trump ist, sondern sein Fußvolk, ohne welches er nichts wäre“, erklärte le Carré mit Blick auf den US-Präsidenten Donald Trump. Er fügte hinzu: „Wir haben alle unsere Trümpchen - aber sie sind nur von Bedeutung, wenn wir es ihnen erlauben. Dann sind die Konsequenzen unsere Schuld.“

Nach Hamburg war der Bestsellerautor - mit bürgerlichem Namen David Cornwell - gekommen, um seinen gerade erschienenen Roman „Das Vermächtnis der Spione“ vorzustellen. Auf Deutsch referierte le Carré über seine Entwicklung zum Schriftsteller und stellte sich Fragen des „Zeit“-Redakteurs Yassin Musharbash. Sein einziger Termin außerhalb Großbritanniens war eine Kooperation der „Zeit“ mit dem Harbour Front Literaturfestival und den Ullstein Buchverlagen.

Dabei betonte le Carré, der 1949 ein Germanistikstudium in Bern (Schweiz) begonnen und damals Deutschland erstmals bereist hatte, den Einfluss des Landes auf sein Schaffen. „Während meines gesamten Schriftstellerlebens ist Deutschland für mich so etwas wie eine Muse geblieben“, erklärte der Erzähler mit der Aura eines typischen britischen Gentleman.

Nach seiner Agententätigkeit für die in London ansässigen Geheimdienste MI5 und MI6 wurde er Ende der 50er Jahre an die britische Botschaft in Bonn versetzt. Damals erlebte er auch den Bau der Berliner Mauer. Sein neues Werk, das an seinen größten Erfolg „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (1963), anschließt, lenke noch einmal den Blick auf diese Zeit des Kalten Kriegs, sagte der Verfasser in Hamburg.

Es handele aber auch von der Gegenwart, denn „tote Spione können lästige Kinder haben“, machte es der gern ironisch formulierende le Carré spannend. In dem Buch gebe es auch noch einmal eine Begegnung mit seiner berühmtesten Figur, dem nur äußerlich unscheinbaren Agenten George Smiley.

Zum Ende des Nachmittags in der Elbphilharmonie kritisierte der Autor die Entscheidung seiner Heimat für den Brexit scharf. Großbritannien sei „ein Land, das seinen Kopf in den Sand einer zutiefst fragwürdigen Nostalgie gesteckt habe“, sagte er in Anbetracht von dessen Empire-Vergangenheit. Auf die Frage nach seinem hohen Alter antwortete le Carré, dass für ihn heute „jede kreative Stunde kostbar“ sei.

dpa

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