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Europäische Kulturhauptstadt Valletta Kleine Stadt ganz groß

Maltas Hauptstadt Valletta ist europäische Kulturhauptstadt 2018. Die positive Aufmerksamkeit kommt der skandalerschütterten Regierung gerade recht. Mit viel Pomp wird Ende des Monats das große Veranstaltungsjahr offiziell eingeläutet.

Valletta ist neben dem niederländischen Leeuwarden europäische Kulturhauptstadt 2018.

Quelle: dpa

Brüssel/Valletta. Europa blickt auf Malta. Denn im neuen Jahr ist Valletta nicht nur Landes-, sondern auch europäische Kulturhauptstadt – neben dem niederländischen Leeuwarden. Der Mittelmeerarchipel ist zugleich der kleinste Mitgliedstaat der EU, Valletta mit gerade einmal 6.000 Einwohnern die kleinste Hauptstadt in der Gemeinschaft. Sie soll nun groß herauskommen. Am 20. Januar startet das offizielle Programm „Valletta 2018“ – etwa 1000 lokale und internationale Künstler sind gebucht, nicht weniger als 600 Veranstaltungen geplant: Musik, Theater, Kunst und Tanz beleben dann die historischen Plätze der Stadt. Doch für das gerade einmal 430.000 Einwohner zählende Land ist es ein „inselweites Fest“, wie die Tourismusbehörde propagiert. Bürgermeister Alexiei Dingli hofft, „dass wir das, was wir in Valletta haben, mit Europa und darüber hinaus teilen können“.

Seit 2013 hat Malta nicht weniger als 50 Millionen Euro investiert, um sich auf das Jahr als europäische Kulturhauptstadt vorzubereiten. 1,5 Millionen Euro steuert die EU in Form des Melina Mercouri Preises dazu bei. Valletta pumpte das meiste Geld in Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten, lediglich zehn Millionen kamen der Kultur zugute. Malta rechnet allein durch den Titel in der Reisebranche mit einem Wachstum von sieben Prozent in 2018. Dabei boomt der Tourismus schon jetzt. Einer der Höhepunkte des Programms steht bereits fest: Im Juni findet im Grand Harbour vor der Kulisse der Festungsmauern eine spektakuläre Schiffsshow statt. Im August wird es eine große Oper in maltesischer Sprache geben. Die Oper Vallettas wurde im zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe teilweise zerstört, der italienische Stararchitekt Renzo Piano machte daraus kurzerhand ein Freilichttheater. Er war es auch, der das neue Parlamentsgebäude errichtete und damit der Stadt seinen Stempel aufdrückte. Zugleich investiert Valletta auch viel in seine historischen Gebäude. Das Manoel-Theater wird seit 1732 bespielt und zählt damit zu den ältesten in Europa, weltweit gilt es als drittälteste noch genutzte Bühne. Im Herzen der Stadt liegt der Großmeisterpalast mit seinen Prunksälen. Dort tagten im vergangenen Jahr die Staats- und Regierungschefs der EU. Die Presse wurde im Fort St. Elmo an der Steilklippe Vallettas untergebracht.

Nach Unabhängigkeit Unesco-Kulturerbe-Status erlangt

Sie ist eine der Bastionen, die die im 16. Jahrhundert vom Johanniterorden gegründete Stadt schütze, seit 1980 gehört sie zum Unesco-Kulturerbe. Die Brücke zwischen Europa und Nordafrika wurde immer wieder von Fremdmächten beherrscht. Zuletzt stand der Inselstaat als Kolonie unter dem Schutz der britischen Krone, erst 1964 erreichte das Land seine Unabhängigkeit. Die Spuren der Geschichte sind im ganzen Land verteilt. 25 Tempelanlagen liegen auf dem Archipel verstreut, einige sind 5000 Jahre alt und damit die ältesten freistehenden Sakralbauten im gesamten Mittelmeerraum: Im Volksmund heißt es, Riesen hätten sie erbaut.

Riesig ist auch Maltas Wirtschaftswachstum: Die als Steuerparadies verrufene Insel hat es geschafft, ausländische Firmen mit günstigen Staatsabgaben zu sich zu locken. Die Geschäfte sind nicht immer sauber. Zunehmend muss sich Malta Korruptionsvorwürfen stellen. 2017 wurde die Enthüllungsjournalistin und Bloggerin Daphne Caruana Galizia durch eine Autobombe ermordet. Seit 2010 hat es 19 solcher Attentate gegeben, die Mafia ist dort aktiv. Auch Premierminister Joseph Muscat geriet in die Kritik: Seine Frau soll für ein Energiegeschäft mit Aserbaidschan Schmiergeld erhalten haben, außerdem stehen er und seine Regierung in Zusammenhang mit den Enthüllungen der sogenannten Panama Papers um Briefkastenfirmen und Steuerumgehungsmodelle. Die positive Aufmerksamkeit als europäische Kulturhauptstadt kann dem Regierungschef da nur gelegen kommen.

Von RND/Mirjam Moll

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